Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Politik USA besorgt wegen möglichen Angriffs Israels auf Iran
Mehr Welt Politik USA besorgt wegen möglichen Angriffs Israels auf Iran
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:32 15.01.2012
US-Präsident Barack Obama hat die israelische Führung vor den Folgen eines Militärschlags gewarnt.
US-Präsident Barack Obama hat die israelische Führung vor den Folgen eines Militärschlags gewarnt. Quelle: dpa (Archiv)
Anzeige
Teheran

Die USA sind zunehmend besorgt wegen eines möglichen Überraschungsangriffs Israels gegen den Iran. Präsident Barack Obama, Verteidigungsminister Leon Panetta und andere hochrangige Regierungsvertreter hätten die israelische Führung deshalb eindringlich vor den Folgen eines Militärschlags gewarnt, schrieb die Zeitung „Wall Street Journal“ am Samstag. Hintergrund ist das umstrittene iranische Atomprogramm. Die USA wollen zusammen mit Europa die iranische Ölindustrie mit neuen Sanktionen schwächen, um Teheran zum Nachgeben im Atomstreit zu zwingen.

Zwei Monate nach der Veröffentlichung des umstrittenen Iran-Dossiers der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) reisen erstmals hochrangige Experten ins Land, um weitere Verhandlungen zu führen. Damit will die IAEA die Diskussion über das Atomwaffenprogramm erneut in Gang bringen. Das iranische Außenministerium kündigte am Samstag an, die Experten kämen am 28. Januar. Sie sollen wohl auch die zweite Anlage des Landes zur Uran-Anreicherung in Fordo untersuchen können.

Der Iran warnte andere arabische Staaten, im Fall von strengen Sankionen das iranische Öl durch eigene Lieferungen zu ersetzen. Der iranische Vertreter bei der OPEC, Mohammad Ali Khatibi, sagte der arabischen Zeitung „Al-Sharq Al-Awsat“: „Wenn sie das tun, sehen wir das als unfreundlichen Akt an und sie sollten wissen, dass das unvorhersehbare Konsequenzen haben kann.“

In der lange geheim gehaltenen unterirdischen Anlage Fordo, rund 160 Kilometer südlich von Teheran, soll Uran auf bis zu 20 Prozent angereichert werden. Die Iraner wollen die Anlage im Februar in Betrieb nehmen. Im UN-Sicherheitsrat hatten die Vertreter Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens und der USA am Mittwoch betont, dass der Iran damit gegen Resolutionen des Sicherheitsrates und auch der IAEA verstoße.

„Die IAEA-Inspektoren werden in den Iran kommen. Ihr Besuch dürfte etwa einen Monat dauern“, sagte der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Ramin Mehmanparast. Im Streit um die Uran-Anreicherung zeigte er sich aber unnachgiebig. „Der Iran wird in jedem Fall an seinen Nuklearrechten festhalten und in dieser Angelegenheit keine Zugeständnisse machen.“

Laut dem im November 2011 veröffentlichten Iran-Bericht der IAEA arbeitet Teheran in einem fortgeschrittenen Stadium an der Herstellung von Uran-Halbkugeln, die in Atombomben verwendet werden. Das Land wird verdächtigt, unter dem Deckmantel eines zivilen Nuklearprogramms Atombomben zu entwickeln. Teheran bestreitet dies.

Am Freitag war eine ungewöhnlich scharfe Warnung von US-Präsident Obama bekanntgeworden. Falls Teheran tatsächlich wie angedroht die Öltransporte im Persischen Golf unterbrechen sollte, betrachteten die USA dies als eine Art Kriegshandlung. Wie die „New York Times“ am Freitag berichtete, ließ die US-Regierung die Botschaft über „geheime Kommunikationskanäle“ Religionsführer Ajatollah Ali Chamenei zukommen, der höchsten Autorität im Iran.

Wie das „Wall Street Journal“ am Samstag weiter berichtet, ergriffen die USA bereits Maßnahmen, um ihre Einrichtungen im Nahen Osten im Falle einer militärischen Eskalation zu schützen. In Israel, das sich durch mögliche iranische Atombomben gefährdet sieht, läuft seit Monaten eine Debatte über das Für und Wider einer Militäraktion gegen atomare Einrichtungen in dem islamischen Staat.

dpa

14.01.2012
13.01.2012