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Politik US-Präsident ruft neue Ära der Diplomatie aus
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18:32 24.05.2010
Von Stefan Koch
"Die Lasten dieses Jahrhunderts dürfen nicht allein auf unseren Soldaten abgeladen werden": US-Präsident Barack Obama am Sonnabend in der West Point Militärakademie.
"Die Lasten dieses Jahrhunderts dürfen nicht allein auf unseren Soldaten abgeladen werden": US-Präsident Barack Obama am Sonnabend in der West Point Militärakademie. Quelle: afp
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US-Präsident Barack Obama sagte am Sonnabend in West Point: "Die Lasten dieses Jahrhunderts dürfen nicht allein auf unseren Soldaten abgeladen werden und auch nicht allein auf amerikanische Schultern." Anstatt sich auf Alleingänge zu verlassen, will das Weiße Haus die Allianzen wieder stärken, neue Partnerschaften aufbauen und weltweit die Menschenrechte voranbringen.

Obamas symbolträchtiger Auftritt vor den Absolventen der renommierten Akademie kommt nicht von ungefähr. In diesem Frühjahr ist der 1000. US-Soldat in Afghanistan gefallen und immer mehr Amerikaner zweifeln an dem Dauereinsatz am Hindukusch. Die New York Times und die Washington Post veröffentlichten in der vergangenen Woche jeweils zwei Zeitungsseiten mit unzähligen Fotos von Soldaten, die in jüngster Zeit in Afghanistan und im Irak getötet wurden. Die schlechte Stimmung spiegelt sich auch unter den Alliierten wider: Die Niederlande wollen ihre Truppen im Sommer aus Afghanistan zurückziehen, in Kanada und Großbritannien könnte es bald zu ähnlichen Entscheidungen kommen.

Obama hob gleichwohl hervor, dass ihm "die Defizite unseres internationalen Systems bewusst sind". Aber es tue den USA nicht gut, aus multilateralen Kooperationen auszusteigen. Ganz im Gegenteil: "Wir müssen die internationale Ordnung bilden, die die Herausforderungen unserer Generation annehmen kann." Ohne den Willen zur weltweiten Kooperation seien auch die drängenden Probleme auf den Finanzmärkten und beim Klimawandel nicht zu lösen.

Diese neue Ära der Diplomatie sollte mit Blick auf Afghanistan aber nicht als Rückzug auf leisen Sohlen missverstanden werden: "Wir werden nicht lockerlassen und ich habe keine Zweifel, dass wir zusammen mit unseren afghanischen und internationalen Partnern in Afghanistan Erfolg haben werden", so Obama. Die Extremisten seien "kleine Männer auf der falschen Seite der Geschichte".

Ein Appell, den der Präsident auch direkt an seine Zuhörer richtete: Nahezu sämtliche 1000 Kadetten, die an diesem Tag zum Second Lieutenant befördert wurden, haben ihren Marschbefehl nach Afghanistan oder Irak bereits erhalten.

24.05.2010
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