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Politik UN-Tribunal in Den Haag setzt Karadzic-Prozess ohne Angeklagten fort
Mehr Welt Politik UN-Tribunal in Den Haag setzt Karadzic-Prozess ohne Angeklagten fort
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17:40 27.10.2009
Frauen aus Srebrenica vor dem UN-Tribunal in Den Haag.
Frauen aus Srebrenica vor dem UN-Tribunal in Den Haag. Quelle: AFP
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Ankläger Alain Tieger nannte den 64-Jährigen am Dienstag den „Oberkommandierenden“ der ethnischen Verfolgung in Bosnien. Unterdessen kehrte die ehemalige bosnisch-serbische Präsidentin Biljana Plavsic aus schwedischer Haft entlassen nach Belgrad zurück.

Karadzic sei sowohl der „Architekt“ der Politik als auch der Anführer der Kräfte gewesen, die die „dauerhafte Entfernung“ von bosnischen Muslime und bosnischen Kroaten aus dem von Serben beanspruchten Bosnien-Herzegowina umsetzten, sagte Tieger in Den Haag. Dabei habe er „Recht und Menschlichkeit“ missachtet.

Karadzic nimmt an dem Prozess nicht teil, weil er mehr Vorbereitungszeit für seine Verteidigung fordert. Richter O-Gon Kwon aus Südkorea hatte Karadzic am Montag bei anhaltendem Widerstand mit Zwangsmaßnahmen gedroht. Am Dienstag sagte er, Karadzic müsse mit den Folgen seines Fernbleibens leben. Der Prozess wird voraussichtlich zwei Jahre dauern.

Karadzic muss sich wegen Völkermordes, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten. Die Anklageschrift gegen Karadzic umfasst elf Punkte. Im Mittelpunkt steht das Massaker von Srebrenica, bei dem rund 8000 muslimische Jungen und Männer getötet wurden. Die Klagen beziehen sich auch auf die mehrjährige Belagerung der bosnischen Hauptstadt Sarajevo, während der rund 10.000 Menschen ums Leben kamen. Karadzic war im Juli 2008 nach einem 13 Jahre langen Versteckspiel in Belgrad gefasst worden.

Die wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilte Plavsic wurde am Belgrader Flughafen in einem Wagen mit dem Ministerpräsidenten der bosnisch-serbischen Teilrepublik, Milorad Dodik, abgeholt. Bei der Ankunft vor ihrer Wohnung im Stadtteil Vracar, sagte Plavsic: „Ich bin glücklich, nach neun Jahren frei zu sein.“ Sie wolle nun zunächst ihren Bruder und ihre Schwägerin treffen. Vasilija Plavsic hatte zuvor dem Rundfunksender B92 gesagt, ihre Schwägerin werde voraussichtlich nicht in die Politik zurückkehren. „Sie will ihre letzten Jahre in Frieden und Ruhe verbringen.“

Plavsic war im Februar 2003 vom Tribunal für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag zu einer elfjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Ihre Freilassung nach zwei Dritteln der Haftzeit wegen „guter Führung“ entspricht den Bestimmungen des schwedischen Strafrechts. Das vom UN-Sicherheitsrat eingerichtete Haager Tribunal hatte sich im September mit der vorzeitigen Haftentlassung einverstanden erklärt.

Plavsic hatte sich im Januar 2001 freiwillig dem Tribunal gestellt und sich wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Bosnienkrieg (1992-95) schuldig bekannt, in dessen Verlauf 100.000 Menschen getötet wurden. Das Tribunal ließ daraufhin die anderen Anklagepunkte gegen Plavsic fallen, darunter den des Völkermordes. Plavsic hatte 1996 den untergetauchten Karadzic an der Spitze der Republika Srpska abgelöst.

AFP

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