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Politik Twitter, Flickr und YouTube: Iraner organisieren Protest über das Internet
Mehr Welt Politik Twitter, Flickr und YouTube: Iraner organisieren Protest über das Internet
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17:26 04.10.2011
Mit Blogs wie wie tehranlive.org versuchen die Oppositionellen, die Geschehnisse im Iran zu dokumentieren.

Bei den Portalen Youtube und Flickr wurden zahllose Videos und Bilder aus Teheran heraufgeladen – mit Szenen, die mit dem Handy aufgenommen worden waren und die das riesige, meist friedliche Ausmaß der Demonstrationen zeigten; aber auch mit Bildern, die augenscheinlich verletzte und misshandelte Menschen zeigten. Wer dort wen misshandelt hat und was diese Aufnahmen im Detail beweisen, lässt sich allerdings nicht überprüfen.

Unruhen auf den Straßen zeigt dieses Video, das aus dem Iran beim Videoportal YouTube hochgeladen wurde.

Binnen weniger Minuten nach dem Hochladen solcher Aufnahmen ins Internet machen die Links auf diese Informationen die Runde. Verteilt werden die Adressen vor allem über das Netzwerk Twitter. „Jeder filme so viel wie möglich heute mit dem Handy – sehr wichtig. Das sind die Augen der Welt #iranelection“, schrieb am Dienstag Nachmittag beispielsweise „persiankiwi“, ein von vielen beachteter Student aus Teheran, auf Englisch in seinem Twitterkonto.

Mehr als 19.000 anderer Twitternutzer haben die Beiträge von persiankiwi abonniert, bekommen sie also direkt angezeigt, sobald sie bei Twitter per Handy oder im Web vorbeischauen. „Bestätigt: Jahanbakhsh Khangahi festgenommen“, teilt man sich so gegenseitig mit, oder „Tragt schwarz, bringt zur Demonstration Blumen mit“.


Tausende Iraner protestieren auf der Straße.

Wer nicht Mitglied bei Twitter ist, findet in der Twitter-Suchmaschine zum Suchwort „#iranelection“ pro Minute an die 200 neue Twitterbeiträge – wobei der Großteil nicht direkt aus dem Iran stammt, sondern von anderen aktiven außerhalb des Landes stammt. Dabei sind viele Falschmeldungen unterwegs. Als etwa der britische Autor Stephen Fry die Nachricht verbreitete, #iranelection werde von den staatlichen Stellen im Iran geblockt, nahm der britische Guardian bei Twitter die Information auf und gab sie ungeprüft weiter. Später entschuldigte sich das britische Blatt für die bei Twitter veröffentlichte Falschmeldung.

Die Macher von Twitter in San Francisco haben die Bedeutung ihres Dienstes für die iranische Opposition erkannt. In einer Mischung aus Sympathiebezeugung gegenüber den Iranern und einer cleveren PR-Aktion nahm das Unternehmen in der Nacht zum Dienstag eine seit längerem geplante Wartungsarbeit zurück, „da wir wissen, was Twitter für die Kommunikation im Iran bedeutet“. Ansonsten wäre dieser Weg der Verbreitung von Nachrichten für anderthalb Stunden blockiert gewesen.

Auch dieses Video eines Protestzugs von Tausenden Iranern wurde bei YouTube hochgeladen.

Dabei wird nach unbestätigten Angaben von Iranern im Web das Handynetz des Irans großflächig gestört. Der Internet-Zugang sei extrem langsam und ebenfalls störanfällig. Ob dahinter Methode der Behörden steckt oder das marode Kommunikationsnetz im Iran schlicht überlastet ist, weil sich die Iraner aus unabhängigen westlichen Quellen informieren wollen, ist unklar.

Klar ist jedenfalls, dass die iranischen Stellen am Dienstag allen Journalisten per Weisung verbieten wollten, weiter über die Demonstrationen zu berichten. Aus dem Westen eilten zudem viele professionelle Internet-Nutzer den Iranern zu Hilfe und boten ihnen technische Möglichkeiten an, mittels Verschlüsselung über westliche Internet-Server auf Webseiten zuzugreifen, um so eventuelle Sperren der iranischen Behörden zu umgehen.

Neben den sozialen Netzwerken werden von iranischen Oppositionellen aber auch eigene Blogs im Internet betrieben, auf denen sie über die aktuelle Entwicklung in ihrem Land berichten. Dort sammeln sie auch Fotos und Videoaufnahmen von den Protesten und dem Vorgehen der Polizei gegen die Demonstranten. Auch Online-Bilderdienste wie Flickr oder Picasa nutzen die Oppositionellen, um die Welt im Internet an den Geschehnissen im Iran teilhaben zu lassen.

msc

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