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Politik Tusk warnt vor "Verfälschung" der Geschichte
Mehr Welt Politik Tusk warnt vor "Verfälschung" der Geschichte
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11:35 01.09.2009
Polnische Marinesoldaten, Politiker und Veteranen gedenken am Westerplatte-Denkmal des deutschen Überfalls auf Polen vor 70 Jahren. Quelle: afp
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Dort hatte im Morgengrauen des 1. September 1939 das deutsche Kriegsschiff "Schleswig-Holstein" das polnische Munitionsdepot beschossen.

Mit dem Überfall Hitler-Deutschlands auf Polen begann der Zweite Weltkrieg, bei dem rund 50 Millionen Menschen ums Leben kamen. Um 4.45 Uhr - zum Zeitpunkt, als vor 70 Jahren die ersten Schüsse fielen - begann auf der Westerplatte eine Gedenkveranstaltung mit Mitgliedern der polnischen Führung, Diplomaten und Kriegsveteranen. Sie gedachten des damaligen siebentägigen Abwehrkampfes von rund 180 Polen gegen 3500 deutsche Soldaten.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nannte in einem Interview die Vertreibung der Deutschen aus Polen ein "Unrecht". Auch wenn Deutschland mit dem Überfall auf Polen unendliches Leid über die Welt gebracht habe, sei "auch die Vertreibung von weit über zwölf Millionen Menschen aus den Gebieten des ehemaligen Deutschlands und heutigen Polens natürlich ein Unrecht", sagte Merkel im ARD-Morgenmagazin. Sie sprach von einer "riesigen Integrationsleistung", dass die Vertriebenen Teil der Bundesrepublik geworden seien.

Deutschland werde Ursachen und Wirkungen jedoch "niemals verkehren", hob Merkel hervor. "Deutschland hat Polen angegriffen, Deutschland hat den Zweiten Weltkrieg ausgelöst." Die Bundeskanzlerin betonte das freundschaftliche Verhältnis zum Nachbarland. Die Geschichte spiele in den Beziehungen "immer wieder eine große Rolle." Aus Gesprächen mit ihrem polnischen Kollegen Tusk wisse sie, "dass wir auf der einen Seite heute als Bundesrepublik ein neues Deutschland sind, auf der anderen Seite auch nicht viele Wunden wieder aufgerissen werden dürfen", sagte Merkel.

Merkel soll am Nachmittag bei der Hauptzeremonie der Gedenkfeier eine Rede halten, davor nimmt sie an einer Kranzniederlegung auf dem Friedhof der Verteidiger teil. Insgesamt sind etwa 20 Regierungschefs eingeladen, unter ihnen der russische Ministerpräsident Wladimir Putin, der Franzose François Fillon und der Schwede Fredrik Reinfeldt, der derzeitig die EU-Ratspräsidentschaft innehält. Die USA sind durch den Nationalen Sicherheitsberater von Präsident Barack Obama, James Jones, vertreten.

afp