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Politik Trump und Grönland: Die Grenze ist überschritten
Mehr Welt Politik Trump und Grönland: Die Grenze ist überschritten
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10:09 22.08.2019
Donald Trump, Präsident der USA, spricht mit Reportern, bevor er mit einem Regierungshubschrauber nach Kentucky reist. Quelle: Alex Brandon/AP/dpa
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Berlin

Für manchen ist es nur eine weitere Meldung aus der Kategorie "Politik als Vorabendshow". Donald Trump meldete Interesse an, Dänemark Grönland abkaufen. Als die erwartete, brüske Absage folgte, sagte er seinen für die kommende Woche geplanten Besuch in Kopenhagen kurzerhand ab. Ja, es ist eine bemerkenswerte Show, die der US-Präsident damit abgeliefert hat. Sonderlich witzig ist sie allerdings nicht.

Donald Trump hat mit seiner absurden Avance eine Grenze überschritten, im wörtlichen Sinne, denn er hat eine Territorialfrage zu einem Gegenstand internationaler Politik gemacht. Trump hat dies über Twitter getan und mit einem Verweis darauf, dass er natürlich zu zahlen bereit sei. Aber auch die Verballhornung des Vorgangs macht ihn nicht weniger ernsthaft. Grenzfragen oder gar Gebietsbegehrlichkeiten sind keine Nebensächlichkeiten; sie sind über Jahrhunderte Ursache von Krieg und Leid in Europa und der ganzen Welt gewesen. Derartige Fantasien einfach mal so nach dem Frühstücksei in die Welt hinauszublasen sollte der politische Anstand und ein Mindestmaß an Geschichtsbewusstsein eigentlich verbieten, aber bei Trump gibt es keinen Anstand und kein Geschichtsbewusstsein. Es gibt, wieder wörtlich, Grenzen, mit denen man nicht spielt. Trump hat sie überschritten.

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Die Frage bringt die internationale Politik in einen Bereich, in dem es keine Antwort mehr gibt

Noch einmal: Diese Frage ist ernst. Denn sie bringt die internationale Politik sehr schnell in Bereiche, in denen es keine Antworten mehr gibt. Territorialfragen oder -Ansprüche verlaufen fast nie friedlich, sie verlangen nach einer höheren Ordnungsinstanz. Nur: Oberhalb der USA, von China oder mit Abstrichen von Russland gibt es keine Ordnungsmacht mehr. Wenn eines dieser Länder territoriale Fantasien entwickelt, dann fehlen der internationalen Politik die Instrumente für eine Antwort. Die zahnlosen Wirtschaftssanktionen gegen Russland nach der Besetzung der Krim im Jahr 2014 bestätigen diese These eher, als dass sie sie widerlegen.

Was aber, wenn Peking sich gewaltsam zum Einmarsch in Hongkong entscheiden sollte? Gibt es dann eine europäische Antwort? Eine des Westens? Wohl kaum. Und was, wenn der US-Präsident den Gedanken nicht loslässt, sein Land in Richtung der Arktis zu expandieren? Das ist unvorstellbar?

Nichts ist unvorstellbar, das zeigt schon die Wahl Trumps und die Ungeheuerlichkeiten, die seine erste Amtszeit pflastern. Wer die Ruchlosigkeit dieses Präsidenten unterschätzt, dem ist nicht zu helfen. Wer ihn nicht ernst nimmt, wird bitter überrascht. Das zu verstehen, wäre wenig, aber immerhin ein Teil einer europäischen Antwort. Ansonsten bleibt nur die Erkenntnis, wie klein wir hier in der Mitte dieses Kontinents geworden sind, seit die Großen keine Lust mehr haben, sich an die Spielregeln der alten Welt zu halten, die uns 70 Jahre den Frieden gesichert haben.

Von Gordon Repinski/RND

Der Artikel "Trump und Grönland: Die Grenze ist überschritten" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.

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