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Politik Tote britische Ärztin wird nach England überführt
Mehr Welt Politik Tote britische Ärztin wird nach England überführt
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19:54 10.08.2010
Die Ärztin Karen Woo wurde in Afghanistan erschossen. Quelle: dpa
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Die 36-jährige Chirurgin Karen Woo war unter den acht humanitären Helfern und zwei Übersetzern, die vorige Woche in der Provinz Badakschan erschossen wurden.

Karen Woos Gesicht, das lächelnde Gesicht einer unerschrockenen internationalen Hilfsaktion, hat sich den Briten seit dem Wochenende eingeprägt. Von allen Zeitungstitelseiten, aus allen Nachrichtensendungen hat die von zwei Kugeln getötete Medizinerin noch einmal ihre Landsleute angestrahlt. Die Tochter eines chinesischen Vaters und einer englischen Mutter aus der Stadt Stevenage in der Grafschaft Hertfordshire, die in zwei Wochen Hochzeit feiern wollte, ist für die Insel zum Inbegriff menschlicher Anteilnahme am Leiden Afghanistans geworden. Ihre persönliche Tragödie wirft ein besonderes Licht auf den Konflikt am Hindukusch: Heiraten wollte Woo einen früheren britischen Soldaten, in den sie sich im vorigen Herbst in Kabul verliebt hatte.

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Für den untröstlichen Verlobten, Mark „Paddy“ Smith, war sie die Frau, „die Leute glücklich zu machen wusste, die ein Lächeln auf die Züge leidender Menschen zauberte“. Woos Tod sei „ein schrecklicher Verlust“ nicht nur für ihn persönlich, sondern für alle, denen die Ärztin habe helfen wollen: „Sie hatte einfach Freude daran, Leuten zu helfen. Sie konnte nicht anders. Und sie liebte immer neue Herausforderungen.“ Der Treck nach Nuristan, in den Nordosten Afghanistans, sei eine solche Herausforderung gewesen: „Für sie war das der Trip ihres Lebens.“

Es war der vierte Aufenthalt Karen Woos in Afghanistan. Es sprach offenbar ihren Ehrgeiz an, einer abgelegenen Provinz medizinische Hilfe zu bringen. Von humanitären Motiven und wohl auch von Abenteuerlust bewegt, schloss sie sich jenem christlichen Medizinerteam unter der Leitung des amerikanischen Augenarztes Tom Little an, dem das Vorhaben zum Verhängnis wurde.

Aufgewachsen in der englischen Provinz hatte Karen Woo zunächst privat ihrer Tanzleidenschaft gefrönt und sich nach dem Schulabschluss in modernem Tanz ausbilden lassen. Davon unausgefüllt, hatte sie Medizin studiert und als Chirurgin in einem Londoner Krankenhaus zu arbeiten begonnen. Schon als Studentin war sie zu kurzen Arbeitsaufenthalten nach Australien, Papua-Neuguinea und Trinidad und Tobago gereist. Aus dem Klinikdienst in London schied sie vor zwei Jahren aus, als sie sich für Afghanistan zu interessieren begann und in Kabul beim Rettungsdienst Remote Medical International anheuerte.

Nebenher versuchte sie eine Dokumentation über das Leben in Kabul zusammenzustellen – bis sie auf den Treck nach Nuristan stieß. Der sei zwar „nicht ohne Risiken“, räumte sie vor Reisebeginn noch ein. Aber das hielt sie nicht davon ab, sich Littles Expedition zu den medizinisch unversorgten Menschen anzuschließen.

Peter Nonnenmacher

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