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Politik Tote bei Bombenexplosionen in Luxushotels in Jakarta
Mehr Welt Politik Tote bei Bombenexplosionen in Luxushotels in Jakarta
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16:43 17.07.2009
Bei Bombenexplosionen in zwei Luxushotels in der indonesischen Hauptstadt Jakarta sind mindestens neun Menschen getötet worden Quelle: Romeo Gacad/afp
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Der Kellner Putra Darmawan servierte am Freitag im Ritz-Carlton von Jakarta gerade das Frühstück, da erschütterte eine Explosion das Restaurant des schicken Hotels. Glas barst, Gegenstände flogen mit Wucht durch die Luft. „Keine Ahnung, was da passiert ist - es gab eine Explosion, dann wurde es dunkel“, berichtet der 18-Jährige, der nach den Bombenanschlägen im Ritz-Carlton und dem Marriott-Hotel in der indonesischen Hauptstadt im MMC-Krankenhaus behandelt wird. Seine Wunden sind inzwischen verbunden, doch noch immer ist Darmawan sichtlich erschüttert.

Darmawan ist einer von rund 40 Menschen, die nach Behördenangaben bei den beiden Selbstmordanschlägen verletzt wurden - in der MMC-Klinik werden auch Anschlagsopfer mit schweren Verbrennungen behandelt, ein Patient in einem Rollstuhl hat bläulich-grau verfärbte Brandwunden im Gesicht. Mindestens neun Menschen überlebten die fast zeitgleich verübten Attentate im noblen Mega-Kuningan-Bezirk nicht. Zwei starben im Ritz-Carlton, sieben im nahen Marriott.

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Zunächst bekannte sich niemand zu den Anschlägen, für die die Polizei zwei Selbstmordattentäter verantwortlich macht. Ein Überwachungsvideo aus dem Ritz-Carlton zeigt einen Mann mit Rucksack und Koffer, der kurz vor der Explosion das Restaurant betritt. In dem vom örtlichen Fernsehsender TV One ausgestrahlten Video ist der Mann mit Anzug und Baseball-Kappe zu sehen, wie er ins Restaurant geht und dabei sehr unbeholfen wirkt. Den Anschlag im Marriott legt die Polizei einem Attentäter zur Last, der sich als Hotelgast tarnte und so ins Café des Hotels gelangte. Dort habe er eine Bombe gezündet, sagt Polizeichef Wahyono.

Die Polizei hat die Anschlagsorte abgesperrt, blutüberströmte Opfer werden aus den Hotels herausgetragen. Auf einer Trage liegt ein Mann, der sofort als Ausländer zu erkennen ist. Er trägt nichts weiter als Unterwäsche. Die Sanitäter stellen die Trage am Straßenrand vor einer Gruppe von Kameraleuten ab. Zurück bleiben Blut und Scherben vor dem Ritz-Carlton und dem Marriott, die einst Inseln der Ruhe waren im hektischen Alltag von Jakarta.

Fernsehbilder zeigen, wie weißer Rauch zwischen den Bürotürmen und Restaurants des Viertels aufsteigt. Der Verkäufer Syarif erzählt, er habe beobachtet, wie drei Verletzte in Krankenwagen verfrachtet wurden: „Das waren alles Ausländer, ihre Gesichter und Körper waren voller Blut. Bei einem schälte sich an einem Auge die Haut ab.“

Sukardi, ein Chauffeur, berichtet, er sei in einem Apartmenthaus zwischen beiden Hotels gewesen, als er eine laute Explosion gehört habe. Dann sei eine Rauchsäule aus dem Marriott emporgestiegen - so hoch wie zehn Stockwerke. „Wir hörten dann ein zweites ’Bumm’, diesmal aus dem Ritz-Carlton, und wie Glas zersplitterte.“ Usman, ein Motorrad-Taxi-Fahrer, fühlte sich an Szenen „wie im Film“ erinnert: „Alle waren schockiert und ganz verwirrt - mir war ganz egal, was passiert war, ich dachte bloß ’Gefahr, nichts wie weg’.“

Es war bereits das zweite Mal, dass der Mega-Kuningan-Bezirk zum Ziel von Anschlägen wurde: 2003 starben bei einem Bombenanschlag auf das Marriott zwölf Menschen. Als Hauptdrahtzieher dieses Attentats ebenso wie der Bombenanschläge von Bali im Jahr 2002 mit über 200 Toten gilt Noordin Mohammed Top, Chef einer Splittergruppe der radikalislamischen Terrororganisation Jemaah Islamiyah. Er gilt als der meistgesuchte Mann Indonesiens - und einer der gefürchtetsten Terroristen in Südostasien.

Aus Kreisen der indonesischen Terrorabwehr verlautete am Freitag, die jüngsten Attentate trügen Noordins Handschrift. „Es muss da eine Verbindung zu Noordin Top geben“, hieß es, das sei naheliegend: „Aber wir müssen noch herausfinden, inwieweit er involviert ist.“

afp