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Politik Tod von al-Bagdadi: Trumps gefährliche Selbsttäuschung
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19:25 31.10.2019
Gleicher Raum, anderes Setting: Die Präsidenten Trump und Obama in einem GIF gegenübergestellt. Quelle: imago images/ZUMA press/Shealah Craighead/The White House
Washington

Die geheime Kommandooperation galt einem der gefährlichsten Terroristen der Welt. Doch Donald Trump inszenierte sie als Reality-TV-Show. „Etwas sehr Großes ist gerade passiert“, heizte der US-Präsident am Samstagabend bei Twitter die Spannung an.

Zur Pressekonferenz am Sonntag erschien er 20 Minuten verspätet. Am Bildschirm des Situation Room habe er verfolgt, dass Abu Bakr al-Bagdadi „winselnd und heulend“ gestorben sei „wie ein Hund“, berichtete er: „Es war wie im Film.“

Wirklichkeit und Fiktion gehen bei Trump öfter durcheinander. Insofern sind Restzweifel am Tod des gesuchten IS-Chefs bis zur Vorlage von Beweisen angebracht. Wird die Meldung wasserdicht bestätigt, wäre das ein wichtiger politischer Punktsieg für den angeschlagenen Präsidenten. Doch zur Erfolgsgeschichte taugt seine Syrien-Politik ganz sicher nicht.

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So konnte die überraschende Hubschrauberaktion nur ausgeführt werden, weil – anders als von Trump gewollt – noch nicht alle amerikanischen Truppen aus der Region abgezogen sind. Experten glauben, dass zudem Informanten am Boden unverzichtbar waren.

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Tatsächlich wollen die syrischen Kurden die Amerikaner mit Informationen beliefert haben. Genau jene Ex-Verbündeten aber hat Trump zur Vertreibung durch die Türkei freigegeben. Auch die US-Geheimdienste lieferten wichtige Erkenntnisse. Die verleumdet er gern als oppositionelle Verschwörer.

Nun brüstet sich Trump, er habe die Terrormiliz IS „zu 100 Prozent“ zerstört. Das könnte eine gefährliche Selbsttäuschung sein: Längst hat sich die Organisation dezentralisiert, und mehr als hundert ihrer einstmals in Syrien gefangenen Kämpfer konnten in den vergangenen Wochen fliehen.

Einen Showdown mit strahlendem Sieger mag es im Kino geben. Der Mittlere Osten ist etwas komplizierter als Trumps simple Weltsicht.

Von Karl Doemens/RND

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