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18:01 17.05.2012
Foto: Litauens Präsidentin Dalia Grybauskaite bei Julia Timoschenko
Litauens Präsidentin Dalia Grybauskaite bei Julia Timoschenko Quelle: dpa
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Kiew

Die in Haft erkrankte ukrainische Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko (51) lässt sich wieder medizinisch behandeln. Allerdings bezweifelt der Chef des Berliner Krankenhauses Charité, Karl Max Einhäupl, dass eine angemessene Behandlung in der Ukraine möglich ist.

Timoschenko hatte die Therapie im Krankenhaus am Dienstag aus Protest gegen die Veröffentlichung ihres Pflegeplans abgebrochen. Der Neurologe Lutz Harms von der Charité habe die Oppositionsführerin überzeugt, die Therapie fortzusetzen, teilte das Gesundheitsministerium der Ex-Sowjetrepublik mit. Der Neurologe sollte nach Angaben der Charité noch am Donnerstag nach Berlin zurückkehren. Eine Reha-Expertin werde von Montag an die Behandlung fortsetzen, sagte eine Sprecherin.

Einhäupl erklärte allerdings: „Als Arzt vertrete ich die Auffassung, dass eine Situation geschaffen werden muss, die man vermutlich in der Ukraine nur schwer herstellen kann." Ob Timoschenko wegen ihres Bandscheibenvorfalls operiert werden müsse, sei noch unklar, sagte er der "Ärzte Zeitung" (Montag). Timoschenko sei seit dem Vorfall vor einem halben Jahr nicht behandelt worden.

Der Gefängnisdienst in Charkow warf Timoschenko ein "unsägliches Hin und Her" vor. „Es reicht uns seit langem, dass unhaltbare Informationen über angebliche Vorgänge in der Klinik verbreitet werden", sagte der Leiter Andrej Lapinski am Donnerstag. Das Personal werde in „politische Spielchen hineingezogen", klagte er.

Die Politikerin hatte auch den Vorwurf erhoben, in der Haft misshandelt worden zu sein. Dazu wollte Einhäupl sich nicht äußern. „Wir wollen am Ende der Patientin helfen und keinen politischen Sieg erringen", sagte er.

Staatspräsident Viktor Janukowitsch, der als Timoschenkos schärfster Rivale gilt, lehnte eine politische Lösung des international kritisierten Falls erneut ab. „Herr Janukowitsch betonte, dass alle den juristischen Prozess respektieren müssten", sagte die schwedische Europaabgeordnete Marietta de Pourbaix-Lundin nach einem Treffen mit dem Staatschef in Kiew. Janukowitsch wolle sich "nicht in die Arbeit der Gerichte einmischen", sagte die Berichterstatterin des Ukraine-Ausschusses beim Europarat.

Timoschenkos Chancen auf eine Behandlung in Deutschland sanken unterdessen weiter. Eine entsprechende Gesetzänderung habe „keine Priorität", teilte die Janukowitschs Partei der Regionen mit. Die Bundesregierung hatte Kiew eine Behandlung der 51-Jährigen in Berlin mehrfach angeboten.

Eine Ärztekommission in Charkow erklärte Timoschenko am Donnerstag für verhandlungsunfähig. An diesem Montag soll in Kiew ein Prozess wegen angeblicher Veruntreuung und Steuerhinterziehung gegen die Oppositionsführerin weitergehen. Der Ex-Regierungschefin, die in einem ersten Prozess bereits zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt worden war, drohen weitere zwölf Jahre Haft.

dpa

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