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Politik Grütters will Frauen in der Kirche mehr Macht geben
Mehr Welt Politik Grütters will Frauen in der Kirche mehr Macht geben
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18:12 23.09.2019
Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU).
Berlin

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) hat die Katholische Kirche aufgefordert, sich von den geplanten Reformen – die unter dem Stichwort „Der synodale Weg“ zusammengefasst sind – nicht abbringen zu lassen. „Wir sollten an dem synodalen Weg selbstverständlich festhalten", sagte sie dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Denn er ist der einzige Weg, das durch den Missbrauchsskandal fundamental erschütterte Vertrauen in die Katholische Kirche wiederherzustellen und sie zu stärken. Wir haben keinen Grund, uns verunsichern zu lassen."

Die Qualität dieses Weges bestehe im Übrigen darin, dass es keinen Konflikt zwischen den deutschen Bischöfen und Laien gebe, so Grütters, die Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) ist. „Ich bin vielmehr glücklich, dass sich die Bischöfe bewegen. Wir müssen und werden das Papst Franziskus vermitteln. Er hat uns ja auch ausdrücklich zu diesem gemeinsamen Weg ermutigt. Der synodale Weg kann sogar Vorbild für andere Kirchen sein."

Thierse gegen „Reaktionäre im Vatikan"

Die CDU-Politikerin betonte: „Wir müssen über Frauenordination, den Zölibat und die Machtstrukturen in der Katholischen Kirche sprechen. Das ist der einzige Weg zu einem gesunden Miteinander. Wenn das Fundament Risse bekommen hat, reicht es nicht, die Fassade neu zu streichen.“

Der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) äußerte sich ähnlich. „Ich wünsche mir, dass die Deutsche Bischofskonferenz Verdächtigungen und falsche Beurteilungen dieses Prozesses aus Rom geschlossen abwehrt“, sagte Thierse, der dem ZdK ebenfalls angehört, dem RND. „Denn ich wünsche mir, dass die Katholische Kirche in Deutschland diesen Weg gehen kann – nicht um die Weltkirche zu spalten, sondern um angemessen auf das zu reagieren, was in Deutschland los ist, mit der Kirche und mit den Christen.“

Appell an die Bischöfe

Der Vorwurf laute ja, die Bischöfe würden einen Sonderweg gehen und die Weltkirche spalten, fügte Thierse hinzu. „Dabei haben die Bischöfe die Pflicht, auf die pastorale Situation im eigenen Land, wie es immer so schön heißt, richtig und angemessen zu reagieren. Da sollen sie sich durch Reaktionäre im Vatikan nicht irritieren lassen.“

Die Grünen-Politikerin Bettina Jarasch, Mitglied im Berliner Abgeordnetenhaus und im ZdK, sagte: „Die deutschen Bischöfe haben sich an die Laien gewandt, weil sie nicht mehr wussten, wie sie anders aus der Glaubwürdigkeitskrise herauskommen sollten. Deshalb erwarte ich, dass die Bischöfe an dem Weg festhalten." Die zweite Erwartung sei, „dass die Ortsbischöfe gefasste Beschlüsse dann auch in ihrem Bereich umsetzen und im Vatikan und der Weltkirche offen für alles eintreten, was sie beschließen und nicht allein umsetzen können". Dies gelte insbesondere für die Ordination von Frauen.

Lesen Sie hier: Die Zahl der Kirchenmitglieder schwindet

Rom sagt: Das ist unsere Sache

Die deutschen Bischöfe sind am Montag in Fulda zu ihrer Herbstvollversammlung zusammen gekommen. Dabei geht es auch um den geplanten Reformprozess „Der synodale Weg“, den die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) gemeinsam mit dem ZdK anstrebt. Der Prozess soll vier Punkte umfassen: den Umgang der Kirche mit Macht, die kirchliche Sexualmoral, die umstrittene Ehelosigkeit von Priestern (Zölibat) und die Position von Frauen in der Kirche. Insgesamt geht es um den Versuch, die Katholische Kirche und ihre Hierarchie stärker für Frauen zu öffnen.

Die ZdK-Vizepräsidentin Claudia Lücking-Michel mahnte, dass Frauen Zugang zu allen Weiheämtern erhalten müssten. Sonst seien vor allem die jungen Frauen weg.

Wir wollen nicht gegen das Kirchenrecht verstoßen.

Thomas Sternberg; Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken

Der Vatikan hat die deutschen Bischöfe in diesem Monat jedoch unmissverständlich darauf hingewiesen, dass sie in so zentralen Fragen keine Entscheidungen treffen könnten. Das sei der Weltkirche vorbehalten.

ZdK-Präsident Thomas Sternberg will den Konflikt mit dem Vatikan nicht auf die Spitze treiben. „Wir wollen nicht gegen das Kirchenrecht verstoßen. Es war nie die Absicht, Beschlüsse zu fassen und umzusetzen, die in die weltkirchliche Kompetenz gehören“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Wir wollen keine Nationalkirche, das will niemand.“ Einer der großen Vorteile der katholischen Kirche sei, dass sie global aufgestellt sei, nicht national.

Von Markus Decker/RND

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