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Politik Soldaten ohne Netz: Bundeswehr vergeigt Laptop-Bestellung
Mehr Welt Politik Soldaten ohne Netz: Bundeswehr vergeigt Laptop-Bestellung
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12:14 06.11.2019
Lieber stationär: Soldaten arbeiten im Lagezentrum des Cyber- und Informationsraum (CIR) am Bundeswehrstandort Rheinbach an Computern. Quelle: Oliver Berg/dpa
Berlin

Die Bundeswehr will, dass perspektivisch alle ihre Soldaten an mobilen Computern arbeiten können. Doch ein millionenschweres Beschaffungsprogramm ist anscheinend wenig durchdacht, technisch unzureichend und weitgehend wirkungslos. Das hat der Bundesrechnungshof in einem internen Gutachten festgestellt.

Bundestags-Haushälter stellen sich quer

Wie der "Spiegel" berichtet, schreiben die Prüfer in einem 21-seitigen Bericht, das Verteidigungsministerium habe seinen Plan zur Anschaffung von Zehntausenden neuen Laptops für rund 173 Millionen Euro "weder konzeptionell abgeleitet noch dokumentiert". Zudem würden durch interne Fehlplanungen auch nach der Anschaffung der Rechner kaum mehr Soldaten als bisher mobil arbeiten können.

Eigentlich sollte der Haushaltsausschuss des Bundestags am Mittwoch über die Wünsche der Truppe beraten. Auf Antrag der SPD wurde die Vorlage von der Tagesordnung genommen. In dem umfangreichen Paket zur Finanzierung des bundeseigenen IT-Dienstleisters BWI findet sich unter anderem der Plan, 61.000 neue Laptops für die Bundeswehr einzukaufen und so die Zahl von mobilen Rechnern auf 110.000 zu erhöhen. Bis 2023 sollten letztlich alle Soldaten mobil arbeiten können.

Flaschenhals Bundeswehr-Intranet

Die Zugänge zum gesicherten Intranet der Bundeswehr sind aber so eng begrenzt, dass nur maximal 12.000 Rechner gleichzeitig darauf zugreifen können. Dass faktisch nur ein Fünftel der Soldaten mobil arbeiten kann, so die Prüfer, habe das Ministerium bei den Cyber-Planungen "nicht ausreichend berücksichtigt". Wörtlich schreiben die Prüfer laut "Spiegel", die Bundeswehr gerate durch die Limitierung beim Zugang zum Intranet in eine Art IT-Mangelwirtschaft, da man den Intranet-Zugang "aufwendig koordinieren muss". Das Urteil der Experten: "Auch wenn das Ministerium mit seinem Ansatz eigentlich die Attraktivität des Arbeitgebers Bundeswehr steigern will, kann die Mangelwirtschaft das Gegenteil bewirken."

Mobiles Arbeiten - nur hinter Kasernenmauern

Das Verteidigungsministerium hält dem entgegen, die Soldaten könnten ja innerhalb der Kasernen der Bundeswehr fast immer auf das geschützte Intranet der Truppe zugreifen. Für das mobile Arbeiten zu Hause sei es zudem möglich, "mit zuvor lokal abgespeicherten Daten offline zu arbeiten". Der Rechnungshof kommentiert, dieser Ansatz erfülle "nicht den Anspruch an eine moderne und leistungsfähige mobile IT-Ausstattung".

Der Grünen-Haushaltspolitiker Tobias Lindner sagte dem "Spiegel": "Die Bundeswehr ist offenbar völlig konzeptlos, wenn es darum geht, die IT-Ausstattung der Truppe zu modernisieren."

Von Jan Sternberg/RND

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