Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Politik Tarnfirmen und Geheimgeschäfte: wieder nichts gelernt
Mehr Welt Politik Tarnfirmen und Geheimgeschäfte: wieder nichts gelernt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:01 04.10.2021
Andrej Babis, Ministerpräsident von Tschechien. Er taucht auch in den Papers auf.
Andrej Babis, Ministerpräsident von Tschechien. Er taucht auch in den Papers auf. Quelle: Laszlo Balogh/AP/dpa
Anzeige
Berlin

Als im April 2016 die Panama-Papers enthüllten, mit welcher Dreistigkeit sich Superreiche, aber auch Staats- und Regierungschefs mithilfe von Offshore-Firmen die Taschen vollschlugen, war die Empörung groß. Die Konsequenzen fielen dagegen weitaus geringer aus.

Die Panama-Papers stammten aus einem Leck der panamaischen Kanzlei Mossack Fonseca, die inzwischen Geschichte ist. Die neuen Pandora-Papers sind das Ergebnis von insgesamt 14 Leaks.

In Deutschland konnten bis 2021 wegen der Veröffentlichung der Panama-Papers ungefähr 60 Millionen Euro durch Steuer­nachzahlungen oder strafrechtliche Verfahren dem Fiskus zugeführt werden.

Es sind Peanuts.

Die Steuer­vermeidung über Briefkasten­firmen ist ein Milliarden­business – und sie wird es wohl bleiben. Die OECD schätzt, dass ungefähr 11 Billionen Dollar weltweit zur Steuervermeidung in Briefkasten­firmen geparkt sind, andere Schätzungen gehen vom Dreifachen aus. Geld, für das eigentlich Steuern an den Staat für solche Dinge wie Pandemie­bekämpfung, Klima­schutz, Digitalisierung oder Infrastruktur abgeführt werden müssten – was jedoch nicht geschieht.

Mehr zum Thema

Pandora-Papers – Die wichtigsten Fakten zu den Daten aus Steueroasen

„Okay, bye“: So reagiert Tschechiens Ministerpräsident Andrej Babis auf Vorwürfe aus den Pandora-Papers

Bundesregierung: Pandora-Papers sind Ansporn für Kampf gegen Steuerbetrug

Die neuen Pandora-Papers offenbaren, dass zu viele zu gut am Vermögens­verschleierungs­system verdienen, um es konsequent auszuschalten.

Viele „normale“ Steuerzahler, die um jeden Cent mit dem Finanzamt ringen, haben in puncto Steuer­gerechtigkeit jedoch schon resigniert. Ihnen fehlen schlichtweg das Vermögen, die Möglichkeiten und die Kaltschnäuzigkeit, mit denen sich andere durch Inanspruchnahme von Tarnfirmen arm rechnen.

Die neuen Pandora-Papers offenbaren, dass zu viele zu gut am Vermögens­verschleierungs­system verdienen, um es konsequent auszuschalten. Letztlich sind gewählte Politiker, die öffentlich fordern, die entfesselte Milliarden­maschinerie zu zügeln, selbst unter den Profiteuren dieser geheimen Transfers.

Warum sollten die nach den überschaubaren Konsequenzen aus den Panama-Papers jetzt etwas daran ändern wollen?

Von Thoralf Cleven/RND

Der Artikel "Tarnfirmen und Geheimgeschäfte: wieder nichts gelernt" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.