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Politik Taliban greifen NATO-Stützpunkt bei Kandahar mit Raketen an
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13:44 23.05.2010
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Als Zeichen ihres ungebrochenen Willens zum Kampf gegen die internationalen Truppen haben radikalislamische Taliban am Sonnabend den wichtigsten NATO-Stützpunkt Afghanistans bei Kandahar beschossen. Wie die NATO-Truppe ISAF mitteilte, wurden fünf Raketen auf den Stützpunkt abgefeuert, mehrere Menschen wurden dabei verletzt. In der Region läuft eine großangelegte Offensive der ISAF gegen die Aufständischen.

Gleichzeitig mit dem Raketenangriff versuchten zahlreiche Rebellen, von der Nordseite in den Stützpunkt einzudringen, wo rund 23.000 Männer und Frauen untergebracht sind. Die Angreifer seien zurückgedrängt worden, hieß es in der ISAF-Erklärung. Mehrere Soldaten und Zivilisten auf dem Stützpunkt wurden verletzt und mussten behandelt werden.

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Taliban-Sprecher Jussuf Ahmadi sagte der Nachrichtenagentur AFP per Telefon, seine Gruppe stehe hinter den Angriffen. Der Beschuss habe „massiven Schaden“ angerichtet, 13 Soldaten seien getötet worden. Die Aufständischen neigen bei ihren Angaben zu ihren Attacken zu Übertreibungen.

Der Beschuss zeigt, dass die Taliban trotz einer gegen sie geführten Offensive im Raum Kandahar nicht zurückgedrängt sind und ihre Ankündigung von Anfang Mai umzusetzen versuchen, wonach sie verstärkt ausländische Diplomaten, afghanische Abgeordnete und ausländische Soldaten angreifen wollen. Am Dienstag war ein Selbstmordanschlag in Kabul verübt worden, am Mittwoch attackierten die Aufständischen den Flughafen von Bagram, rund 60 Kilometer nördlich der Hauptstadt Kabul. Dabei wurde ein US-Zivilist getötet.

Der Angriff am Sonnabend erfolgte nur wenige Stunden nach einem Besuch des neuen britischen Außenministers William Hague, der gemeinsam mit Verteidigungsminister Liam Fox den afghanischen Präsidenten Hamid Karsai getroffen hatte. Die Politiker machten in dem Gespräch klar, dass Afghanistan mehr Fortschritte machen muss, um einen baldigen Abzug der ausländischen Truppen zu ermöglichen. Großbritannien hat 10.000 Soldaten in das Land am Hindukusch entsandt.

Am Wochenende starben fünf Zivilisten bei der Explosion einer Mine, die noch aus den Zeiten der sowjetischen Invasion 1979 stammte. Wie das Innenministerium in Kabul am Sonntag mitteilte, ereignete sich das Unglück in Chum-e-Sargar in der nordöstlichen Provinz Kapissa. „Fünf unschuldige Zivilisten wurden durch die Mine getötet, die seit den Kriegsjahren liegengeblieben war“, hieß es in der Erklärung.

Sowjetische Streitkräfte waren Ende 1979 in das Land am Hindukusch einmarschiert. Zehn Jahre später zogen die Sowjets ab. Es folgte Bürgerkrieg zwischen Mudschahedin-Milizen, Aufstand und Machtübernahme der radikalislamischen Taliban, schließlich dann der Einsatz der internationalen Truppe ISAF, die von den Taliban aus dem Untergrund bekämpft wird. Die meisten Opfer der Kämpfe sind Zivilisten.

afp

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