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Politik Tabu für den Boulevard: Monacos heimliche Regentin
Mehr Welt Politik Tabu für den Boulevard: Monacos heimliche Regentin
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22:14 12.01.2010
Ihr Privatleben ist in Frankreich tabu: Prinzessin Caroline und Prinz Ernst August von Hannover. Quelle: AFP (Archiv)
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Sie wird immer wichtiger. Aus dem öffentlichen Leben Monacos ist sie nicht mehr wegzudenken. Ob es zur offiziellen Morgenmesse in die Kathedrale geht oder das monegassische Tanzfestival zu eröffnen ist: Stets ist Prinzessin Caroline zur Stelle, steht dem Bruder Albert zur Seite, ist dem heiratsunwilligen Fürsten Première Dame. Mehr noch: Ist der weltweit für Umweltschutz eintretende Fürst verhindert, schultert Caroline die Bürde des Regierens einfach selbst. Anstelle des Bruders reiste sie kürzlich ins spanische Baskenland, eröffnete mit Spaniens König Juan Carlos ein Forschungszentrum.

Die Monegassen wissen, was sie an ihrer fast 53-jährigen Prinzessin haben. Wenn Caroline am Nationalfeiertag in hellem Kleid und dunklem Mantel auf den Balkon des Palastes tritt, um den Hals eine Perlenkette, neben sich die Kinder Andrea, Pierre, Charlotte und Alexandra, brandet Beifall auf. Dankbar registriert das Volk im manchmal so strengen Mienenspiel der Mutter ein gelöstes Lächeln, deutet es als Hinweis auf eine rosige Zukunft Monacos. Und wenn die zehnjährige Alexandra dann noch auf dem Balkon herumalbert, steht aus Sicht des Publikums endgültig fest: Alles wird gut.

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Was nicht heißt, dass es nicht auch schlechte Nachrichten gäbe. Ja, sie scheinen sich zu häufen. So hat die Prinzessin im Sommer die eheliche Wohnung bei Fontainebleau verlassen und ist in ihren Palast nach Monaco zurückgekehrt. Zum Jahreswechsel ist der Gatte Ernst August Prinz von Hannover offenbar in Thailand mit einer anderen Frau abgelichtet worden. An diesem Mittwoch soll Caroline vor dem Landgericht Hildesheim aussagen, wo sich der zehn Jahre zuvor in Kenia prügelnde Gemahl verantworten muss. Die Anwälte Ernst Augusts erhoffen sich von der angeblich betrogenen Ehefrau eine entlastende Aussage.

Sollte, was deutsche Blätter wie „Bunte“ oder „Bild“-Zeitung als Hiobsbotschaften herausstellen, am Ende belanglos sein? Wer Monaco und sein Fürstenhaus aus der Warte des französischen Nachbarn und Gastlandes betrachtet, kann an der von Boulevardblättern behaupteten Beziehungskrise nach elfjähriger Ehe beim besten Willen nichts Bedrohliches entdecken. Nicht einmal die über Gesellschaftliches gewöhnlich gut unterrichteten Friseure des Landes scheinen dem angeblichen Seitensprung des Gemahls sonderliche Bedeutung beizumessen. In der Pariser Vorstadt Saint-Cloud hat der führende Vertreter seines Fachs noch nicht einmal davon gehört. Auf die Frage nach Carolines Eheglück zuckt er mit den Schultern. Dabei gilt sein Salon nicht nur in Coiffeur-, sondern auch in Klatsch- und Tratschkreisen als „bonne adresse“. Gleich hinter dem Eingang erwartet den Besucher ein umfangreiches Sortiment an Zeitschriften, die über Entwicklungen auf dem Gebiet der Haartracht wie der High Society Aufschluss geben. „Paris Match“ liegt da aus oder auch die französische „Gala“. Aber Erkenntnisse über das angeblich gefährdete Glück der Eheleute Caroline und Ernst August? Fehlanzeige. Hinweise darauf, dass die Prinzessin aus dem von Piraten abstammenden Geschlecht der Grimaldis des uradeligen Welfen an ihrer Seite überdrüssig sein könnte? Kein Wort.

Anders als deutsche Blätter, die Caro­line und ihre Lieben auf den Boulevard zerren, wahrt Frankreichs Regenbogenpresse Distanz. Der volksnahe „Parisien“ erlaubt sich im Gespräch mit Monacos Fürsten Albert nur eine einzige Frage zum Privatleben, und dies auch erst am Ende eines langen, Umweltschutzinitiativen und anderen Wohltaten des Regenten gewidmeten Interviews. Ob Albert denn seine Freundin zu heiraten gedenke, die südafrikanische Schwimmerin Charlene Wittstock, will der Journalist wissen. Vielleicht, gibt Albert zu verstehen. Damit hat es sein Bewenden. Da ist nicht der Ansatz eines Versuchs zu erkennen, öffentlich indiskret zu werden, sich an Glanz oder Elend des Fürstenhauses zu weiden.

Sicherlich, auch „Paris Match“ hat das Foto veröffentlicht, das Ernst August zeigt, wie er eine Frau küsst, die ganz offensichtlich nicht die seine ist. Das angeblich im thailändischen Badeort Phuket aufgenommene Bild mit der Brünetten im blauen Wasser spricht Bände. Aber „Paris Match“ bleibt sachlich. „Ernst August hat sich entschieden, den Jahreswechsel in Begleitung einer Freundin zu verbringen. Der Palast dementiert entschieden eine Trennung des Paares, das 1999 geheiratet hatte.“ Der Rest ist der Phantasie des Lesers überlassen.

Wie anders geht da „Bild“ zu Werke: „Ihre perfekt manikürten Finger umschließen seinen gebräunten Nacken, ziehen ihn an sich. Sie spitzt die Lippen, er lacht befreit, dann küssen sie sich“, konstatiert sie – und fragt: „Wie lange sieht sich Caroline das noch an?“

Was in Frankreich zur Zurückhaltung mahnt, ist zunächst die im Lande weithin übliche Diskretion. Hinzu kommt der Staatsoberhäuptern und deren Familien traditionell entgegengebrachte Respekt. Vor allem aber ist das Fürstentum den Franzosen geografisch, wirtschaftlich und politisch einfach zu nahe, zu vertraut, als dass es sich als Projektionsfläche für Märchenphantasien anböte. Was Frankreichs Medien aus Monaco vermelden, klingt oft alltäglich, könnte sich auch an einem anderen Ort der Côte d’Azur zutragen. Dass die Amtssprache des Fürstentums Französisch ist und auf den ­Euromünzen französische Embleme prangen, mehrt die Vertrautheit noch. Nicht auszuschließen ist, dass der gut zwei Quadratkilometer große Felsen am Mittelmeer eines Tages ganz an Frankreich fällt. Völkerrechtliche Voraussetzung dafür wäre, dass sich in der Fürstenfamilie kein Thronfolger mehr findet.

Und Carolines angebliches Eheproblem? Wenn es stimmt, wird sie damit schon fertig werden. Die Franzosen halten sich so lange heraus, und die Monegassen halten sowieso zu ihrer Prinzessin.

von Axel Veiel