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Politik Stirbt Mubarak im Bett oder am Galgen?
Mehr Welt Politik Stirbt Mubarak im Bett oder am Galgen?
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17:49 05.01.2012
Die meisten Ägypter finden, dass ihr ehemaliger Dauerpräsident Husni Mubarak schnell zum Tode verurteilt werden sollte.
Die meisten Ägypter finden, dass ihr ehemaliger Dauerpräsident Husni Mubarak schnell zum Tode verurteilt werden sollte. Quelle: dpa
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Kairo/Istanbul

Dem ägyptischen Ex-Präsidenten Husni Mubarak kann man viel vorwerfen. In seinen fast 30 Jahren an der Spitze des ägyptischen Staates hat er die Bildung vernachlässigt, die Menschenrechte mit Füßen getreten, Wahlfälschung betrieben und zugelassen, dass die Korruption tief in alle Poren des Beamtenapparates eingedrungen ist. Doch um diese Vergehen, die eine politische Aufarbeitung der Mubarak-Ära erfordern würden, geht es nicht in dem „Jahrhundertprozess“, der die Ägypter seit Anfang August fesselt.

Angeklagt wurde Mubarak, weil er nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft die Schuld am Tod von mehr als 800 Demonstranten trägt, die Anfang vergangenen Jahres auf dem Tahrir-Platz in Kairo und in den umliegenden Straßen von Polizisten und Schlägertrupps seines Regimes getötet worden waren. Dafür hat er nach Ansicht des Staatsanwaltes und der Verteidiger der Angehörigen der Opfer den Tod durch den Strang verdient. Mubarak selbst weist jede Schuld von sich.

Der Staatsanwalt konnte den konkreten Nachweis, dass Mubarak den Befehl gab, die Demonstranten zu töten, zwar nicht erbringen. Er argumentiert jedoch, die damals geltende Befehlskette lasse gar keinen anderen Schluss zu, als dass der Schießbefehl von Mubarak komme. Dass korrupte Polizei-Offiziere, Parteibonzen oder der mitangeklagte Ex-Innenminister Habib al-Adli eigenmächtig gehandelt haben könnten, schließt er aus.

Gleichzeitig appelliert Staatsanwalt Mustafa Sulaiman in seinem Plädoyer an die nationalistischen Gefühle der Ägypter: „Als in Luxor 1997 ausländische Touristen massakriert wurden, entließ Mubarak den damaligen Innenminister Hassan al-Alfi und ordnete sofort eine Untersuchung an.“ Und fährt fort: „Die Ausländer waren Mubarak offenbar wichtiger  als die Getöteten, die zu seinem eigenen Volk gehören, denn diesmal (nach den Angriffen auf Demonstranten auf dem Tahrir-Platz) tat er nichts Vergleichbares.“

Mit seiner Forderung entspricht der Staatsanwalt der Stimmung in der Bevölkerung voll und ganz. Schon kurz nach Mubaraks Entmachtung im Februar verkauften Straßenhändler in Kairo mit großem Erfolg Galgenstricke als Accessoire für die Windschutzscheibe. Die Botschaft des Stricks: Mubarak soll hängen. Vor der Polizeiakademie, in der Mubarak der Prozess gemacht wird, demonstrierten an jedem Prozesstag Angehörige der Opfer und andere Mubarak-Gegner. Vergangene Woche drohten sie sogar damit, den Ex-Präsidenten eigenhändig zu lynchen, falls ihn der Richter nicht zum Tode verurteilen sollte.

Bis zur endgültigen Urteilsverkündung kann es jedoch noch eine Weile dauern. Denn Mubarak kann in Berufung gehen, was diejenigen, die ihn am Galgen sehen wollen, frustriert. Denn niemand weiß genau, wie es um die Gesundheit des 83-Jährigen bestellt ist. Mubarak verbringt seine Untersuchungshaft in einem Krankenhaus und wird an den Prozesstagen auf einer Trage in den Gerichtssaal gebracht. Möglicherweise stirbt der „Pharao“ doch noch im Krankenbett.

frx/dpa