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Politik Stiko-Chef Thomas Mertens: „Die Ausstattung der Stiko ist für solche Extremsituationen nicht ausreichend“
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00:00 20.11.2021
Thomas Mertens, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (Stiko).
Thomas Mertens, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (Stiko). Quelle: picture alliance/dpa
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Laut Thomas Mertens ist die Ständige Impfkommission (Stiko) für ihre Aufgabe der öffentlichkeits­wirksamen Aufklärung nicht ausreichend ausgestattet. „Die Kommunikation ist das zentrale Problem in der Pandemie“, sagt der Vorsitzende der Stiko. „Die ist aktuell jedoch nicht leistbar“, sagte der Virologe im Gespräch mit dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND). „Die Ausstattung der Stiko ist für solche Extremsituationen nicht ausreichend. Es bräuchte Personal und Geld für die allgemeine öffentlichkeitswirksame Aufklärung.“

Allgemeine Information sei gegenwärtig Aufgabe des RKI, der Gesundheitsministerien und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. „Wir hingegen sind zuständig für die Aktualisierung der fachlichen Impfempfehlungen, die vor allem für die Hausärztinnen und Hausärzte bestimmt sind.“ Berechnungen zeigten, dass die Booster-Kampagne nicht kurzfristig das Infektionsgeschehen eindämmen könne. „Das wird aber langfristig helfen“, sagte Mertens dem RND. „Es ist damit zu rechnen, dass es auch im Winter 2022 eine fünfte Welle geben wird. Wie stark diese ausfällt, hängt maßgeblich davon ab, wie viele Menschen sich impfen und boostern lassen.“ Im Augenblick sei es leider so, „dass Ältere erst im Dezember oder Januar einen Booster-Termin bekommen, weil die hausärztlichen Praxen teils keine Termine frei haben“, sagte Mertens. Das sei das Hauptproblem in der vierten Welle: dass sich nicht mehr Menschen aus der Gruppe der 18- bis 59-Jährigen impfen und mehr Ältere boostern lassen.

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„Statt alle Energie in die Impfkampagne zu stecken, wird gerade dann aber schon wieder über etwas wenig Zielführendes diskutiert: die Impfung aller unter zwölf Jahren“, kritisierte Mertens. Es gebe aber noch keine validen Auswertungen dazu, welche möglichen Nebenwirkungen es gibt und ob infolge der Impfungen Fälle von Myokarditis aufgetreten sind. Eine Entscheidung der EMA über die Zulassung ist in der nächsten Woche zu erwarten. „Eine Empfehlung der Stiko wird es aber nicht sofort geben. Das ist nicht zu leisten“, kündigte Mertens an. „Wir werden versuchen, so schnell wie möglich nach Datenlage zu entscheiden. Aber noch einmal: Das entscheidet nicht über den Verlauf der vierten Welle.“

RND

Der Artikel "Stiko-Chef Thomas Mertens: „Die Ausstattung der Stiko ist für solche Extremsituationen nicht ausreichend“" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.