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Politik Stasi-Agent Kurras lieferte mehrere desertierte Spione aus
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16:44 06.06.2009
Die Original-Nachweiskarte zur Mitgliedschaft in der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) des früheren Westberliner Polizisten Karl-Heinz Kurras. Quelle: Michael Kappeler/ddp

Nach Informationen des Magazins lieferte er von 1955 bis 1967 dem DDR-Ministerium für Staatssicherheit (MfS) Hunderte von brisanten Berichten, darunter 24 Informationen über festgenommene Spione der Stasi und verriet mehrere Überläufer. Unterdessen zeigen neue Aktenfunde in der Birthler-Behörde zum Fall Kurras, wie weit die Stasi die West-Berliner Justizbehörden unterwandert hatte.

Kurras habe seinen Führungsoffizieren Details über mindestens fünf „desertierte MfS-Angehörige“ verraten, schreibt „Der Spiegel“. Zu ihnen gehörte laut Magazin im Januar 1967 der 22 Jahre alte Bernd Ohnesorge. Der West-Berliner hatte unter dem Decknamen „Urban“ für die Stasi spioniert, sich aber dann dem britischen Geheimdienst offenbart, der jedoch die Kriminalpolizei informierte.

Kurras habe den Überläufer bei der Stasi gemeldet und die Ermittlungen gegen ihn geführt, heißt es weiter in dem Bericht. Als Ohnesorge 1984 in Bulgarien wegen Spionage für die CIA verhaftet worden sei, habe sich der bulgarische Geheimdienst bei der Stasi erkundigt. Diese habe den Bulgaren - offenbar gestützt auf die Berichte von Kurras - erklärt, dass Ohnesorge bereits 1967 wegen „Dekonspiration und Unehrlichkeit“ abgeschaltet worden sei.

Daraufhin sei der Agent von einem geheimen Militärtribunal wegen Spionage zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt worden und im Dezember 1987 dort gestorben. Nach bulgarischen Angaben soll er sich selbst verbrannt haben. Die Schwester des Agenten sei - ebenfalls auf der Grundlage von Kurras-Berichten - von einem Ost-Berliner Gericht unter anderem wegen Staatsverleumdung zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Laut einem Bericht der „Berliner Zeitung“ ist in der Stasi-Unterlagenbehörde eine Kopie der aus dem Jahr 1967 stammenden Anklageschrift gegen Kurras gefunden worden, die offenbar direkt aus dem Büro des damaligen West-Berliner Generalstaatsanwalts stamme. Das gehe aus einer Notiz auf der ersten Seite der Anklageschrift hervor.

Laut einem eigenen Vermerk verfügte MfS dem Bericht zufolge darüber hinaus noch über weitere Prozessunterlagen aus dem Kurras-Verfahren. Das mehr als 500 Seiten umfassende Material soll sich demnach im Bestand der MfS-Hauptabteilung IX befunden haben. Aus dem Stasi-Papier ergebe sich zudem, dass das MfS die in den Prozessunterlagen genannten Polizisten sowie die vor Gericht auftretenden Zeugen auf eine eventuelle NS-Verstrickung überprüft hatte.

Der ehemalige Regierende Bürgermeister Berlins, Eberhard Diepgen (CDU), wies Forderungen nach einer generellen Überprüfung von Polizisten zurück. Der „Berliner Morgenpost“ (Samstagausgabe) sagte er, er halte dies „zwar emotional für verständlich, politisch aber für falsch und rechtlich für fraglich“.

Kurras hatte den Studenten Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967 am Rande einer Demonstration gegen den persischen Schah erschossen. Erst vor zwei Wochen war bekannt geworden, dass Kurras zu jener Zeit SED-Mitglied war und für die Stasi als IM „Otto Bohl“ arbeitete. In zwei Prozessen wegen seines Todesschusses auf Ohnesorg war der Polizist 1967 und 1970 freigesprochen worden.

ddp

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