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08:42 05.11.2013
Von Margit Kautenburger
Foto: Können süchtig machen: Glücksspielautomaten in Spielhallen.
Können süchtig machen: Glücksspielautomaten in Spielhallen. Quelle: dpa
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Hannover

In Kneipen und Gaststätten fordern sie ein generelles Verbot. Und sogar in Spielhallen sollen nur noch Unterhaltungsspiele ohne Geldgewinne stattfinden.

Nach Rauchverbot und Veggie-Day schon wieder eine Bevormundung, mag mancher stöhnen. Helmut Dedy, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags, hält das für gerechtfertigt. In seinen Augen sind Automatenspiele brandgefährlich. „Rund eine halbe Million Menschen in Deutschland leiden unter Spielsucht“, sagt Dedy. „Drei Viertel aller Spielsüchtigen geben an, dass Geldspielgeräte der Einstieg waren.“ 

Vor allem Jugendliche sind nach Meinung von Experten anfällig und verzocken beim Daddeln ihr Einkommen. Zwar gibt es in Kneipen für unter 18-Jährige Spielverbot, doch das wird oft nicht beachtet. Der Städtetag will Spielautomaten daher nur noch in Spielkasinos erlauben, wo Jugendlichen der Zugang verwehrt werden könne.

Zahl der Automaten hat um ein Drittel zugenommen

Seit der Liberalisierung der Spieleverordnung 2006 hat die Zahl der Glücksspielautomaten um ein Drittel zugenommen. Mehr als 240 000 Geräte sind bundesweit in Betrieb. Für die Branche sind es wahre Goldesel. Sie setzt 18,1 Milliarden Euro mit den Automaten um. Der Hamburger Wirtschaftsrechtler Prof. Michael Adams spricht von einer Milliardenindustrie, die wesentlich auf dem  Geld Kranker aufgebaut sei. Rund 500 000 Spielsüchtige leben in Deutschland. Experten schätzen die Folgekosten der Spielsucht auf mindestens 40 Milliarden Euro.

Ein erster Vorstoß zur Eindämmung der Automaten blieb in der vergangenen Wahlperiode dennoch ohne Erfolg. Dabei wurde damals kein generelles Verbot gefordert, sondern pro Kneipe sollte nur noch ein Gerät zugelassen werden. Nun wittern die Kommunen unter Schwarz-Rot eine neue Chance. Dabei verweisen sie auch auf das Stadtbild. Es sei eine Verschandelung der Innenstädte, wenn an jeder Straßenecke Spielhallen eröffneten.
Die Stadt Hannover stört das offenbar weniger. Auf die Initiative des Städtetags reagiert ein Sprecher leicht irritiert. Dann könne man Spielhallen ja gleich alle dichtmachen, sagt er. Kirsten Jordan vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband Niedersachsen bezweifelt, dass Spielsucht durch ein Automatenverbot wirksam zu bekämpfen wäre. „Dann verlagert sich das Spiel in die Anonymität des Internets“, gibt sie zu bedenken. „Für die kleine Eckkneipe aber wäre ein Verbot existenzgefährdend.“

05.11.2013
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