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Politik Spitzenwerte für Merkel im „ARD-Deutschlandtrend“
Mehr Welt Politik Spitzenwerte für Merkel im „ARD-Deutschlandtrend“
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22:09 03.02.2012
Von Alexander Dahl
Neues von der Hitliste: Angela Merkel rangiert mit 64 Prozent auf Platz zwei der beliebtesten deutschen Politiker. Quelle: dpa
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Hannover

Angela Merkel besucht derzeit China, und die Presse des Landes betonte am Freitag einhellig, dass da nicht nur die deutsche Regierungschefin zu Gast ist. „Madame Europa“ heißt die Bundeskanzlerin in den chinesischen Medien, verbunden mit der Einschätzung, dass sie die Einzige auf dem europäischen Kontinent sei, die noch Stabilität garantieren könne. So positiv sehen auch die meisten Deutschen Merkel. 85 Prozent schätzen sie in der neuen Umfrage „ARD-Deutschlandtrend“ als eine „Politikerin ein, die unser Land in aller Welt gut vertritt“. 69 Prozent halten die CDU-Politikerin „für eine gute Bundeskanzlerin“. Selbst bei der rot-grünen Opposition erreicht Merkel in dieser Frage ungewöhnlich gute Werte: Bei den Grünen stimmen der Einschätzung 73 Prozent zu, bei der SPD immerhin noch 55 Prozent.

Völlig unbelastet kann Merkel auf den Bundespräsidenten und seine Affären schauen. Dass sie Christian Wulff ins Amt verhalf, schadet ihr nicht; Wulff allein wird abgestraft: Nur noch 16 Prozent der Bundesbürger halten ihn für ehrlich; 76 Prozent aber für unehrlich. Lediglich 22 Prozent bescheinigen ihm Glaubwürdigkeit, 73 Prozent halten das Gegenteil für richtig. Und nur 43 Prozent der Befragten glauben, Wulff respektiere die Gesetze. Da fällt es kaum ins Gewicht, dass ihn 65 Prozent als sympathisch empfinden. Erstmals ist nun auch eine Mehrheit für seinen Rücktritt vom Amt des Staatsoberhauptes: 54 Prozent fordern dies, 43 Prozent sind dagegen.

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Wulffs Affären rücken zugleich die Politiker generell in ein schlechtes Licht. 53 Prozent der Bundesbürger glauben, dass die „meisten Politiker sich wirtschaftliche Vorteile im Amt sichern“. 41 Prozent sind dagegen überzeugt, dass sich nur eine Minderheit so verhält. Zur Mehrheit der Anständigen zählt laut „Deutschlandtrend“ Angela Merkel: 73 Prozent bescheinigen ihr, „rechtschaffen und nicht auf den eigenen Vorteil bedacht zu sein“.

Auch auf die Bewertung der Arbeit der  schwarz-gelben Regierungskoalition färben Wulffs Kalamitäten nicht ab. Im Vergleich zur Umfrage im Januar legt die Union in der politischen Stimmung um ein Prozent auf 36 Prozent zu; auch die FDP verbessert sich auf drei Prozent (plus eins). Rot-Grün hingegen verliert leicht: Die SPD rutscht auf 29 Prozent (minus eins); die Grünen verlieren ebenfalls ein Prozent und erreichen nun 15 Prozent. Die Linkspartei klettert auf sieben Prozent (plus eins); die Piraten bleiben mit sechs Prozent stabil. Weder Schwarz-Gelb noch Rot-Grün hat derzeit betrachtet eine Mehrheit in Deutschland. Mit der Arbeit der Berliner Koalition sind dennoch 42 Prozent der Befragten zufrieden – ein Spitzenwert, der zuletzt nach dem Wahlsieg 2009 erreicht wurde.

Die positive Sicht auf Merkel lässt sie auch in der Hitliste der beliebtesten Politiker steigen. Zwar ist weiter Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (65 Prozent) Spitzenreiter, doch Merkel rangiert mit 64 Prozent nur knapp dahinter. Es folgt Verteidigungsminister Thomas de Maizière (60 Prozent) und die SPD-Politiker Peer Steinbrück und Frank-Walter Steinmeier, die mit je 55 Prozent ins Mittelfeld der Hitliste abgerutscht sind.

Ein beeindruckendes Comeback erlebt Außenminister Guido Westerwelle. Seit er mit dem Rücktritt vom Posten des Parteichefs den Niederungen der Koalitionskonflikte entrückt ist, steigen seine Beliebtheitswerte: seit Januar um stattliche neun auf 34 Prozent – der beste Wert seit zwei Jahren und ein Prozent mehr als Wulff. Seine innerparteilichen Konkurrenten, FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle (29 Prozent) und FDP-Chef Philipp Rösler (18 Prozent) liegen hinter ihm.

Mit einer Mischung aus Neid und Bewunderung blicken derzeit viele Menschen in anderen europäischen Ländern auf das wirtschaftlich erfolgreiche Deutschland. Die Deutschen selbst beurteilen im „Deutschlandtrend“ die Lage hingegen skeptisch. Nur 25 Prozent der Befragten erklären, dass sie selbst vom Wirtschaftswachstum profitieren. Bei Geringverdienern (Nettoeinkommen unter 1500 Euro) liegt der Wert bei lediglich zehn Prozent; bei den Besserverdienenden (mehr als 3000 Euro) meinen auch nur 36 Prozent, persönliche Vorteile vom Aufschwung zu haben.

Die distanzierte Bewertung der deutschen Wirtschaftskraft schlägt sich auch in einer skeptischen Sicht auf die soziale Marktwirtschaft nieder. Zwar sagen noch zwei Drittel der Befragten, dass diese Wirtschaftsordnung die beste für Deutschland sei, 50 Prozent sind aber unzufrieden, wie sie funktioniert. 73 Prozent haben den Eindruck, sie „funktioniert nicht mehr so wie früher“, und sogar 77 Prozent stimmen der Aussage zu, sie „macht Reiche reicher und Arme ärmer“.

Hier trübt sich die sonst positive Sicht auf Angela Merkel etwas ein. Die CDU-Politikerin wird zwar als integere Regierungschefin gesehen, aber auch als eine, die „sich eher um die Interessen der Wirtschaft als um die der kleinen Leute kümmert“. 69 Prozent stimmen dieser Einschätzung zu – auch eine Mehrheit der Anhänger von CDU/CSU.

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