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Politik Spekulationen um Comeback von zu Guttenberg
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21:19 06.11.2013
Arbeitet er an seinem politischen Comeback in Deutschland? Der ehemalige Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Quelle: dpa
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Berlin

Er ist wieder da. Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), Ex-Bundesverteidigungsminister, ehemals promoviert, einst beliebtester deutscher Politiker und Liebling vieler Medien, traf sich mit der Bundeskanzlerin in deren Amt. Beobachtet wurde das Ganze, keinesfalls zufällig, von der „Bild“-Zeitung. Offiziell soll es um Möglichkeiten gegangen sein, wie der in den USA gut vernetzte Guttenberg das durch die NSA-Spähaffäre zerrüttete Verhältnis zu Washington wieder kitten kann. Aber wie immer bei „KTG“ blühen gleich wieder die Geschichten.

„Ich bin doch erst 41“, soll Karl-Theodor zu Guttenberg am Ende seiner Minister-Karriere gejammert haben. Was macht einer, der voller Sendungsbewusstsein ist, der sich überlegen fühlt, der das Spiel mit den Medien wie kaum ein zweiter Politiker verstanden und beherrscht hat?
Guttenberg war 2011 von seinem Amt als Verteidigungsminister zurückgetreten, nachdem bekannt geworden war, dass er seine Doktorarbeit in weiten Teilen abgeschrieben hatte. Zur Zukunft des Politstars gab es seinerzeit viele Überlegungen. Doch Guttenberg tauchte nach dem Skandal ab. Er ging mit seiner Familie in die USA – und blieb dort ziemlich unauffällig. Bis auf die neue Frisur – jetzt ohne Gel – war wenig von „KTG“ zu hören. Nach Deutschland kam er nach seinem Rücktritt selten.

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Umso gespannter wird die Rückkehr nun beobachtet. Kaum war die Stunden-Visite des gefallenen deutschen Politik-Helden bei der geschäftsführend amtierenden Bundeskanzlerin Angela Merkel vom Bundespresseamt offiziell bestätigt worden, gediehen auch schon die Spekulationen berufener und sich aufdrängender Zeitgenossen. Wird der gefallene CSU-Held gar wieder Bundesminister, vielleicht sogar für das Äußere? Es hieß, das könnte dem CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer so passen, weil der es gern hat, mit überraschenden Schachzügen Personen zu bewegen und Kronprinzessinnen und -prinzen aufzuregen.

Manche sagen, zu Guttenberg solle im Auftrag der Kanzlerin dafür sorgen, dass im Zuge der NSA-Spähaffäre das deutsch-amerikanische Beziehungsverhältnis nicht ganz auseinanderkracht. Außer mit der Geldverwaltung für den heimischen Clan beschäftigt sich der ehemalige Front-Politiker in den USA mit gelegentlichen Arbeiten für einen „Think Tank“, eine Denkfabrik. Dort geht es um Fragen der kontinentalen Beziehungen. Da wäre es von Vorteil, wenn der in den Vereinigten Staaten bestens eingeführte Guttenberg nun per Foto nachweisen könnte, dass er bei der deutschen Kanzlerin nach wie vor oder schon wieder ein und aus gehe.

„Welt“ und „Bild“-Zeitung verwiesen in diesem Zusammenhang auf Guttenbergs Forderung, wonach sich US-Präsident Barack Obama bei Merkel für das Abhören ihres Handys entschuldigen solle. Das hatte der ehemalige Bundesminister Ende Oktober in der „Todays Zaman“ in einem Gastbeitrag geschrieben.

Guttenberg, als er noch aktiv und mit dem Doktortitel ausgestattet war, genoss im Kanzleramt bei einigen der engsten Vertrauten Merkels einen überaus guten Ruf. Vom „Diamant“ war in der Zimmerflucht der Kanzlerin die Rede, vom „Politiker ganz neuen Typs“, dem die Zukunft gehöre. Sehr lang hielt Merkel an ihrem Minister fest. Sie schlug ihm nach der Plagiatsaffäre sogar eine Bresche, als sie daran erinnerte, sie habe den jungen Mann von der CSU nicht als wissenschaftlichen Mitarbeiter engagiert, sondern als tatendurstigen Kabinettsmann. Offenbar bestand zwischen beiden zunächst die Absprache, man wolle die Sache gemeinsam durchstehen. Jetzt heißt es, es würde keine eineinhalb Minuten dauern, bis „KTG“ vor der Tür stünde, wenn er von befugter Seite in Deutschland gebeten würde, eine neue Mission anzutreten.

Für den CSU-Wahlsieger Horst Seehofer wäre das ein gefundenes Objekt. Er findet es lustig, Menschen von sich abhängig zu machen, indem er ihnen völlig überraschend eine zweite, eine dritte, die letzte Chance eröffnet.Manche im Zentrum der Macht beneideten Karl-Theodor zu Guttenberg ganz offen um seine Talente. Er vermag es, gute Laune zu verbreiten und mächtig Eindruck gerade auf die Älteren zu machen. Viele schwärmen noch heute für ihn. Angela Merkel hatte kurz nach dem amtlichen Abgang ihres Ministers beinah traurig gesagt, es sei wirklich schade, dass Leute, die solche Gaben hätten, nicht in der Lage seien, eine anständige Arbeit sauber zu schreiben. Guttenbergs forsche, nette Art stand in großem Kontrast zu der kompetenten aber oft griesgrämig wirkenden früheren Wissenschaftsministerin Annette Schavan, die bis zu ihrem Rücktritt im Zuge einer zweiten CDU-Promotionsaffäre als Vertraute ebenfalls sehr häufig bei Merkel zu Gast war.

Die Frage nach einem politischen Comeback „steht nicht an“, beeilte sich Regierungssprecher Steffen Seibert nach dem jüngsten Treffen der Kanzlerin mit Guttenberg zu erklären. Zu den Inhalten des Gesprächs sagte er nichts. Das Bundespresseamt war aber fix dabei, als es um die amtliche Bestätigung des Treffens ging. Es heißt, das Kanzleramt habe auch grünes Licht für die Fotos der einfahrenden Mittelklassefahrzeuge mit Guttenberg auf dem Beifahrersitz in den Hof des Kanzleramtes gegeben. Vielleicht war der Gesprächsbesuch ja doch der Testlauf dafür, ob einer wie Guttenberg politisch doch wieder resozialisierbar ist.

Von Dieter Wonka

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