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Politik Spekulationen über Röttgens Rückkehr
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22:03 20.05.2012
Männlich, westdeutsch, katholisch: Sieht Norbert Röttgen sich weiter als unverzichtbaren Vize hinter CDU-Chefin Angela Merkel? Quelle: dpa
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Hannover

Hintergrund der neuen Unsicherheiten sind Hinweise aus dem Umfeld Röttgens, wonach sich der zurückgetretene frühere NRW-Landesvorsitzende vorbehält, weiter das Amt des stellvertretenden Bundesvorsitzenden der CDU auszuüben. Zudem wolle er 2013 erneut für  den Bundestag kandidieren.

Röttgen hatte am 13. Mai kurz nach Schließung der Wahllokale in NRW seinen Rücktritt vom Amt des Landesvorsitzenden erklärt. Sein Ansinnen, dennoch Bundesumweltminister bleiben zu wollen, stieß bei Kanzlerin Merkel intern auf Widerspruch. Röttgen bekam zwei Tage Bedenkzeit, lenkte aber nicht ein. Dann gab Merkel  bekannt, sie werde den Bundespräsidenten um die Entlassung Röttgens bitten. Neuer Umweltminister soll Peter Altmaier werden.

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Röttgen hatte sich seit dem Auftritt Merkels nicht mehr geäußert. Erst am morgigen Dienstag soll er die Entlassungsurkunde von Bundespräsident Joachim Gauck ausgehändigt bekommen.

Unklar ist, wann und wo Röttgen erneut das Wort ergreifen wird. Manche tippen auf ein längeres Zeitschrifteninterview, andere auf einen Talkshowauftritt. So oder so wird mit Wirkungen gerechnet, die ungünstig für die Parteivorsitzende sein könnten.
In Kreisen der NRW-CDU heißt es, zu der Verärgerung über Röttgen und dessen verkorkstem Wahlkampf geselle sich jetzt ein leises Entsetzen angesichts der Art und Weise, wie Röttgen vor die Tür gesetzt wurde.

Spontane Kritik am Verhalten Merkels hatte anfangs bereits Bundestagspräsident Norbert Lammert geäußert, der bis heute Ehrenvorsitzender des CDU-Bezirksverbandes Ruhr ist. Auch Karl-Josef Laumann, ein Mann aus dem Münsterland und CDU-Fraktionschef in Düsseldorf, hatte Distanz zu Merkel erkennen lassen: „Ich verstehe nicht, dass Röttgen bis Sonntagabend 18 Uhr als der hervorragende Umweltminister galt, der er war, und dann entlassen wird.“

Dagegen verteidigt Arbeitsministerin Ursula von der Leyen im „Spiegel den Kurs Merkels: „Wenn die Bundeskanzlerin kein Vertrauen mehr darin hat, dass ihr zuständiger Minister ein vitales Projekt wie die Energiewende noch managen kann, dann muss sie so handeln.“ Allerdings tue ihr die Entscheidung „menschlich und persönlich leid.“

Von der Leyen gehört, wie Röttgen,   zum Kreis der vier stellvertretenden CDU-Bundesvorsitzenden. Im Jahr 2010 hatte Röttgen bei den Vize-Wahlen mit 88,2 Prozent das beste Ergebnis erzielt. Von der Leyen kam, ebenso wie der Hesse Volker Bouffier, auf 85,12 Prozent. Annette Schavan lag bei 64,12 Prozent.Diese Abstufung hatte den Eindruck entstehen lassen, Röttgen sei Merkels Kronprinz in der Partei.

Neuwahlen des Vorstands stehen erst wieder im Dezember an, beim Bundesparteitag in Hannover. Nach den unveränderten rechnerischen Machtverhältnissen könnte die NRW-CDU erneut einen Vize verlangen. Ebenso unverändert ist der Befund, dass es für einen Vize ein Pluspunkt wäre, in manchen Punkten anders zu sein als die Vorsitzende. Röttgen passt da weiterhin ins Raster: männlich, westdeutsch, katholisch.

Matthias Koch

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