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22:04 26.11.2013
Laut einer Studie der TU Dresden liegt die Zahl unentdeckter psychischer Erkrankungen bei Bundeswehrsoldaten nach Auslandseinsätzen bei fast 50 Prozent. Quelle: dpa
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Berlin

Die Zahl unentdeckter psychischer Erkrankungen bei Bundeswehrsoldaten nach Auslandseinsätzen liegt bei fast 50 Prozent. Die sogenannten Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) sind allerdings nicht so häufig wie befürchtet. Andere psychische Erkrankungen hat die Bundeswehr dagegen bislang unterschätzt. Jeder fünfte Bundeswehrsoldat geht schon mit einem psychischen Problem in einen Auslandseinsatz. Das sind die zentralen Aussagen einer sogenannten Dunkelziffer-Studie der Technischen Universität (TU) Dresden. Sie wurde 2008 vom Bundestag in Auftrag gegeben und am Dienstag in Berlin vorgestellt.

Hans-Ulrich Wittchen, Leiter des Instituts für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der TU Dresden, präsentierte viele Schlussfolgerungen und Empfehlungen. „Die Gründe, warum sich die Soldaten nicht offenbaren, sind subjektiv“, sagt Wittchen. Die Hilfsangebote seien der Truppe bekannt und würden von den Soldaten geschätzt. Die Gründe, sie trotzdem nicht zu nutzen, seien vielschichtig. Angst vor Stigmatisierung, Karrierenachteile, Lästereien und auch der Wille, es aus eigener Kraft zu schaffen.

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Die Bundeswehr müsse Barrieren abbauen, so das Fazit der Studie, damit sich die Soldaten auch innerhalb der Armee offenbaren können. „Jeder Soldat trägt seinen Rucksack mit sich“, sagte Wittchen. Das gelte aber auch für den Rest der Bevölkerung. Denn im Vergleich mit der Gesamtbevölkerung liegt der Anteil psychischer Erkrankungen bei Soldaten unter dem Durchschnitt. Wittchen lobte den Aufklärungswillen der Bundeswehr: „Es ist selten, dass eine Armee solch sensible Daten nach außen gibt.“ Das sei etwa in den USA anders.

Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hellmut Königshaus, forderte die Bundeswehr auf, nun „effektive Früherkennungsverfahren“ einzurichten. „Nur psychisch gesunde Soldatinnen und Soldaten dürfen in die Einsätze gehen“, sagte er. Dem widersprach Studienleiter Wittchen. Wichtig sei, dass jemand, der krank ist, behandelt wird. Ein Auslandseinsatz sei damit aber nicht automatisch unmöglich. Wittchen mahnte auch einen offenen, rationalen Umgang mit psychischen Erkrankungen an. Niemand wundere sich über diverse körperliche Erkrankungen. „Aber auch psychische Probleme gehören zum Leben.“

Die Studie wurde nach einem Bundestagsbeschluss an die TU Dresden vergeben. Die Uni arbeitete bei der Erstellung mit dem Psychotraumazentrum des Bundeswehrkrankenhauses Berlin zusammen. Dabei wurden nicht diagnostizierte Fälle von PTBS und anderer psychischer Erkrankungen als Folge von Auslandseinsätzen untersucht. Für den im Vorjahr präsentierten ersten Teil der Studie waren mehr als 2500 Bundeswehrsoldaten untersucht worden. Für den jetzt vorgestellten zweiten Teil wurden 621 Soldaten kurz vor und ein Jahr nach ihrem Einsatz in Afghanistan befragt.

Von Gerd Schild

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