Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Politik Empörung in Bolivien
Mehr Welt Politik Empörung in Bolivien
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:39 03.07.2013
Verärgert: Boliviens Staatschef Evo Morales musste in Wien einen unfreiwilligen Zwischenstopp hinlegen. Quelle: rtr
Anzeige
Wien/Moskau/La Paz

Neue diplomatische Krise wegen des ehemaligen US-Geheimdienstmannes Edward Snowden: Boliviens Staatschef Evo Morales hat auf einem Flug von Moskau in die Heimat einen unfreiwilligen Zwischenstopp in Wien einlegen müssen. Mehrere europäische Staaten - darunter Spanien - hatten der Maschine in der Nacht zum Mittwoch die Überflugrechte verweigert. Offensichtlich gab es Hinweise, der von den USA gejagte Snowden könne an Bord der Präsidenten-Maschine sein.

Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) reagierte empört und forderte eine Erklärung. Österreichs Bundespräsident Heinz Fischer persönlich musste am Mittwoch am Wiener Flughafen bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Morales das Problem ausräumen. Morales könne weiterfliegen, alle Voraussetzungen seien erfüllt, sagte Fischer. Als letztes Land gewährte auch Spanien Überflugrechte und einen Zwischenstopp auf der Kanaren-Insel Gran Canaria zum Auftanken des Flugzeugs, wie das Außenministerium in Madrid mitteilte.

Anzeige

Nach der Landung in Wien war die Maschine von österreichischen Grenzbeamten durchsucht worden, wie ein Sprecher des Außenministeriums der Nachrichtenagentur APA sagte. Dabei habe es sich um eine "freiwillige Nachschau" gehandelt, der Morales zugestimmt habe. Die Ergebnisse der Untersuchung seien auch an Spanien weitergegeben worden.

OAS-Generalsekretär spricht von "Respektlosigkeit"

Auch Frankreich, Italien und Portugal hatten zunächst die Überflugrechte verweigert, nach Angaben des bolivianischen Außenministers David Choquehuanca inzwischen aber gewährt. Das Außenministerium in Paris bestätigte dies am Mittwoch. Die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete "unter Berufung auf gut informierte Quellen", Italien habe seinen Luftraum für Morales wieder geöffnet.

"Nichts kann eine Handlung solcher Respektlosigkeit gegen das höchste Amt eines Landes rechtfertigen", erklärte OAS-Generalsekretär José Miguel Insulza in Washington. Ecuador und Argentinien forderten die Einberufung einer außerordentlichen Sitzung des südamerikanischen Staatenbundes Unasur, um gegen das Überflugverbot Protest einzulegen.

Morales war auf dem Rückweg von einer Konferenz in Moskau. Nach Angaben des Außenministeriums in Wien befanden sich noch sechs weitere Kabinettsmitglieder an Bord der Maschine, darunter Verteidigungsminister Rubén Saavedra. Dieser sagte dem staatlichen Radiosender Partia Nueva in einem Telefongespräch, die Präsidentenmaschine habe ursprünglich französischen Luftraum überfliegen und einen Zwischenstopp in Lissabon einlegen wollen.

Morales: Kenne Snowden nicht

Morales wies jede Verbindung zu Snowden zurück. "Ich habe mit der Sache nichts zu tun", sagte er der spanischen Nachrichtenagentur EFE. Bislang habe er gar nicht genau gewusst, wer dieser Snowden überhaupt sei. "Ich kannte nicht einmal seinen vollständigen Namen."

Nach seiner Flucht vor der US-Justiz aus Hongkong sitzt Snowden seit über einer Woche am Moskauer Flughafen Scheremetjewo fest. Es wird vermutet, dass er sich dort auch derzeit noch aufhält. Die USA haben seinen Pass annulliert. Snowden hat in einer Vielzahl von Staaten, darunter Deutschland, politisches Asyl beantragt - bisher vergeblich. Der Ex-Geheimdienstmitarbeiter hatte Datenspionage der USA und Großbritanniens im großen Stil öffentlich gemacht.

rtr

Mehr zum Thema
Politik Ex-Geheimdienstmitarbeiter - Deutschland nimmt Snowden nicht auf

Deutschland nimmt den ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden nicht auf. "Die Voraussetzungen für eine Aufnahme liegen nicht vor", teilten das Auswärtige Amt und das Bundesinnenministerium am Dienstagabend in Berlin mit.

02.07.2013
Politik Stellungnahme über Wikileaks - Snowden beantragt Asyl in Deutschland

Der von den USA gesuchte mutmaßliche Geheimnisverräter Edward Snowden hat auch einen Asylantrag für Deutschland gestellt. Das berichtet Wikileaks. In Russland will der Ex-Geheimdienstmann aber offenbar nicht langfristig bleiben: Er habe auf Asyl verzichtet, gab der Kreml am Dienstag bekannt.

02.07.2013
Politik Neuer Skandal um NSA - US-Geheimdienst späht EU aus

Nach einem Bericht des „Spiegel“ soll der US-Geheimdienst NSA auch bei der EU spioniert haben. Derweil sollen Ecuador und Russland Gespräche über das Schicksal von Informant Snowden aufgenommen haben.

30.06.2013
02.07.2013
Politik Ex-Geheimdienstmitarbeiter - Deutschland nimmt Snowden nicht auf
02.07.2013