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Politik Sechs deutsche Ärzte in Afghanistan getötet
Mehr Welt Politik Sechs deutsche Ärzte in Afghanistan getötet
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10:04 07.08.2010
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Im Nordosten Afghanistans sind sechs deutsche Ärzte und zwei ihrer US-Kollegen erschossen aufgefunden worden. Auch zwei afghanische Begleiter des Ärzteteams seien getötet worden, sagte der Polizeichef der Provinz Badachschan am Sonnabend. Die radikalislamischen Taliban bekannten sich zu dem Überfall und erklärten, die christliche Gruppe habe missioniert und Rebellenstellungen ausspioniert.

„Wir haben die Leichen von sechs Deutschen, zwei Amerikanern und zwei Afghanen gefunden“, sagte der Polizeichef von Badachschan, Aka Noor Kintos. Die Getöteten seien am Freitag in einem dichten Waldgebiet gefunden worden. Ihre Körper seien von Kugeln durchsiebt worden, Ausrüstung und Geld seien gestohlen worden.

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Der einzige Überlebende berichtete den Polizeiangaben zufolge, die Mediziner seien am letzten Tag ihrer Reise von einer Gruppe Bewaffneter überfallen worden. Diese hätten sie in einer Reihe aufgestellt und erschossen. Drei der getöteten Deutschen seien Frauen gewesen. Der überlebende Afghane wurde demnach verschont, weil er Koranverse rezitierte, als er erschossen werden sollte. Dadurch hätten ihn die Bewaffneten als gläubigen Muslim identifiziert. Er sei in der von den radikalislamischen Taliban dominierten Nachbarprovinz Nuristan freigelassen worden.

Das Ärzteteam und seine Begleiter campten nach ihrem Hilfseinsatz laut Polizeiangaben einige Tage in freier Natur. Sie seien gewarnt worden, dass dies gefährlich sein könnte. Allerdings hätten sie gedacht, als Mediziner hätten sie nichts zu befürchten. Das Gebiet im Distrikt Kuran Wa Mindschan, in dem die Leichen entdeckt wurden, befindet sich etwa eine Tagesreise entfernt von der Provinzhauptstadt Faisabad in Badachschan.

Die Taliban-Rebellen töteten nach eigenen Angaben „neun christliche Missionare“, die Bibeln in persischer Sprache mit sich geführt hätten. Sie hätten zudem Satellitennavigationsgeräte bei sich gehabt, um „die Postionen der Kämpfer“ der Rebellen aufzuzeichen, sagte Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid AFP per Telefon von einem unbekannten Ort aus. Die Ärzte hätten sich offenbar in der bergigen Region verirrt. Eine „Patrouille“ der Rebellen habe sie gefunden. „Sie haben versucht zu fliehen und wir haben sie getötet.“ Unter den zehn getöteten seien neun Ausländer gewesen und vier Frauen. Einer der Erschossenen sei Afghane gewesen.

Eine Sprecherin der US-Botschaft in Kabul bestätigte, dass sich unter den Getöteten mehrere US-Bürger befinden. Das Auswärtige Amt in Berlin konnte die Angaben über getötete Deutsche zunächst nicht bestätigen. „Unsere Botschaft in Kabul steht mit den afghanischen Stellen in Kontakt, um diese Meldung zu überprüfen“, sagte ein Sprecher.

afp