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Politik Carola Rackete kritisiert Seehofer: “Keine Lust“ zu helfen
Mehr Welt Politik Carola Rackete kritisiert Seehofer: “Keine Lust“ zu helfen
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19:44 05.07.2019
Carola Rackete hat im Interview mit dem „Spiegel“ über ihre Erlebnisse gesprochen. Quelle: dpa
Hamburg

Das erste Mal seit der Entlassung aus dem Hausarrest in Italien hat sich Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete über die Ereignisse auf dem Seenotrettungsschiff und den Folgen geäußert. Im Interview mit dem Magazin „Spiegel“ kritisiert die 31-Jährige das Verhalten der Bundesregierung: „Mein Eindruck war, dass auf nationaler und internationaler Ebene niemand richtig helfen wollte“, so Rackete. „Die haben die heiße Kartoffel immer weitergereicht, während wir zuletzt noch immer 40 Gerettete bei uns an Bord hatten.“

Scharf geht Rackete Bundesinnenminister Horst Seehofer und seinen Umgang mit Geflüchteten an. Während mehrere Kommunen angeboten hatten, die 40 Geretteten der Sea-Watch 3 aufzunehmen, hätte Seehofer „keine Lust gehabt, die Angebot der Städte anzunehmen.“

„Keine Situation, die ich mir gewünscht habe“

Im „Spiegel“-Interview äußert sich die studierte Nautikerin auch zu Italiens Innenminister Matteo Salvini: „Mich hat überrascht, wie persönlich es geworden ist.“ Es sollte um das Versagen der Europäischen Union gehen, „nicht um Einzelpersonen wie mich, die zufälligerweise in Erscheinung treten“, sagt Rackete weiter.

„Es ist keine Situation, die ich mir gewünscht habe. Ich bin sowieso nur eingesprungen für einen Kollegen, der eigentlich eingeplant war.“ Salvinis Politik verstoße gegen Menschenrechte: „Seine Art, sich auszudrücken, ist respektlos, für einen Spitzenpolitiker ist das nicht angemessen.“

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Rackete und die Besatzung der Sea-Watch 3 waren 17 Tage auf dem Mittelmeer unterwegs. Am 29. Juni entschied sich Rackete trotz eines Verbots in den Hafen von Lampedusa einzufahren, um die Geretteten in Sicherheit zu bringen. Anschließend wurde sie vier Tage unter Hausarrest gestellt. Mit der Heldenrolle, die ihr nun zugeschrieben wird, tut sie sich jedoch schwer. „Das ist noch nicht richtig bei mir angekommen. Im Übrigen bin ich eine Person, die lieber agiert, statt zu reden“, sagt Rackete.

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Von RND/man

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