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Politik „Sea-Watch 3“ legt in Lampedusa an – deutsche Kapitänin festgenommen
Mehr Welt Politik „Sea-Watch 3“ legt in Lampedusa an – deutsche Kapitänin festgenommen
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12:37 29.06.2019
Carola Rackete, deutsche Kapitänin der „Sea-Watch 3“ Quelle: Till M. Egen/Sea-Watch.org/dpa
Rom

Nach mehr als zwei Wochen auf offener See hat das Rettungsschiff der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch mit 40 Migranten an Bord im Hafen der italienischen Insel Lampedusa angelegt. Sea-Watch-Sprecher Ruben Neugebauer sagte der Deutschen Presse-Agentur am frühen Samstagmorgen, die Kapitänin der „Sea Watch 3“, Carola Rackete, sei von der Polizei nach dem Anlegen festgenommen worden.

Der Nachrichtenagentur Ansa zufolge drohen der 31-jährigen Kapitänin Carola Rackete drei bis zehn Jahre Haft, weil sie gegen ein Kriegsschiff Widerstand geleistet oder Gewalt angewendet habe.

Das Schiff der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch ist nach dem unerlaubten Anlegen im Hafen der italienischen Insel Lampedusa beschlagnahmt worden. Die Migranten seien von Bord gegangen. Was nun mit den Migranten passieren sollte, ist unklar. Mehrere EU-Staaten, darunter Deutschland, hatten sich bereit erklärt, Schutzsuchende aufzunehmen.

Scharfe Kritik von Grünen-Chef Habeck

Grünen-Chef Robert Habeck hat die Festnahme der Kapitänin scharf kritisiert. „Die Verhaftung von Kapitänin Rackete zeigt die Ruchlosigkeit der italienischen Regierung und offenbart das Dilemma der europäischen Flüchtlingspolitik“, sagte Habeck dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Im Video: Das Drama um die „Sea Watch 3“

„Frau Rackete ,Unterstützung von Menschenhändlern‘ und Piraterie vorzuwerfen, wie es der italienische Innenminister Matteo Salvini getan hat, ist eine Sprachverdrehung Orwellschen Ausmaßes“, kritisierte der Grünen-Politiker. „Der eigentliche Skandal ist das Ertrinken im Mittelmeer, sind die fehlenden legalen Fluchtwege und ein fehlender Verteilmechanismus in Europa“, so Habeck.

Salvini attackiert Kapitänin Rackete

Italiens Innenminister Matteo Salvini sieht die Sache anders: „Wir haben die Verhaftung einer Gesetzlosen (...), eine Geldstrafe für diese ausländische NGO, die Beschlagnahme des Schiffs (...) und die Verteilung der ganzen Migranten an Bord auf andere europäische Länder gefordert“, sagte er am Morgen dem Radiosender Rai. „Es scheint mir, dass Gerechtigkeit geschaffen wurde.“

Auf den Chef der rechten Regierungspartei Lega geht ein neues Sicherheitsdekret zurück, das Geldstrafen vorsieht, wenn private Schiffe mit Geretteten an Bord unerlaubt in die italienischen Gewässer einfahren. Salvini will die NGOs komplett von der Rettung von Migranten abhalten.

„Sea Watch 3“: Notstand auf dem Rettungsschiff

Die Kapitänin Rackete war Mitte der Woche trotz Verbots der italienischen Regierung in die Hoheitsgewässer des Landes gefahren. „Ich fahre in italienische Gewässer und ich bringe sie (die Migranten) in Sicherheit auf Lampedusa“, hatte sie betont. Laut Sea-Watch-Sprecherin Giorgia Linardi haben sich vier Länder – Deutschland, Portugal, Frankreich und Luxemburg – bereit erklärt, Migranten von dem Schiff aufzunehmen.

Die Organisation twitterte am Samstagmorgen, man habe vor fast 60 Stunden den Notstand ausgerufen. „Niemand hörte uns zu. Niemand übernahm Verantwortung. Einmal mehr ist es an uns, (...), die 40 Geretteten in Sicherheit zu bringen.“ Sea-Watch-Geschäftsführer Johannes Bayer lobte Rackete: „Wir sind stolz auf unsere Kapitänin, sie hat genau richtig gehandelt. Sie hat auf dem Seerecht beharrt und die Menschen in Sicherheit gebracht“, schrieb er auf Twitter.

Rackete droht eine Strafe

Am Freitag hatte die italienische Staatsanwaltschaft gegen Rackete Ermittlungen eingeleitet. Vorgeworfen werden ihr laut Linardi unter anderem Beihilfe zur illegalen Einwanderung und Verletzung des Seerechts.

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Die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete, ein italienisches Zollboot habe versucht, das Rettungsschiff vom Anlegen abzuhalten, es hätte dann aber ausweichen müssen. Neugebauer sagte, man habe die Hafenpolizei informiert, dass das Schiff in den Hafen der sizilianischen Insel fahren werde. „Die Menschen an Bord sind völlig erschöpft und verunsichert.“ Nun sei man erleichtert, den Hafen erreicht zu haben. Die Menschen sollten schnellstmöglich von Bord an Land und in Sicherheit gebracht werden.

Jahrelanger Streit um Flüchtlinge

Am 12. Juni hatte die „Sea Watch 3“ vor der libyschen Küste 53 Menschen gerettet. 13 von ihnen wurden unter anderem aus medizinischen Gründen bereits in den vergangenen Tagen nach Lampedusa gebracht. Seit gut zwei Wochen wartet die Organisation vergeblich auf eine Erlaubnis, in einen europäischen Hafen zu fahren.

Seit Jahren streiten die EU-Länder über einen Mechanismus zur Verteilung der Bootsflüchtlinge.

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Von RND/dpa

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