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Politik Schweinegrippe-Impfstoff soll ins Ausland verkauft werden
Mehr Welt Politik Schweinegrippe-Impfstoff soll ins Ausland verkauft werden
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22:59 07.12.2009
Von Nicola Zellmer
Ein Fall für den Export? Impfstoff gegen die Schweinegrippe. Quelle: ddp
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Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) kündigte daher am Montag in Berlin an, dass die Bundesländer in der letzten Woche des Jahres rund zwei Millionen Impfstoffdosen ins Ausland verkaufen werden.

Wohin der Impfstoff geht, ist noch nicht entschieden. Interesse gibt es offenbar in der Ukraine, aber auch Afghanistan ist als möglicher Empfänger im Gespräch. Rösler selbst will quasi als Makler für die Länder geeignete Käuferstaaten suchen. Gelingt der Handel nicht, könnten die für die Seuchenbekämpfung zuständigen Länder auf den Kosten für den Pandemieimpfstoff sitzen bleiben.

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Für ganz Deutschland sind 50 Millionen Dosen des Impfserums bestellt, die noch bis Ende März kontinuierlich zugeliefert werden sollen. Die Kosten für eine Impfung betragen 28 Euro, davon entfallen neun Euro auf den Impfstoff. Die Krankenkassen haben für die Pandemieimpfung rund 600 Millionen Euro bereitgestellt. Doch die gibt es nur, wenn das Serum auch verimpft wird. Anderenfalls sind die Länder in der Zahlungspflicht.

Und das könnte teuer werden. Für Deutschland zeichnet sich nämlich ab, dass die beim Hersteller GlaxoSmithKline fest gebuchten 50 Millionen Impfdosen womöglich gar nicht mehr gebraucht werden. Das liegt zum einen an der Impfmüdigkeit der Deutschen. Laut Rösler haben sich bislang nur fünf Prozent der Bevölkerung impfen lassen – obwohl die Experten nach wie vor keine Entwarnung geben. Selbst beim medizinischen Personal liegt die Impfquote erst bei mageren 15 Prozent. Zudem ist der aktuell vorhandene Impfstoff erst zur Hälfte aufgebraucht. Nach Schätzungen des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) wurden bis Ende November erst vier bis 5,8 Millionen der georderten neun Millionen Dosen verimpft. Zum anderen hat die EU-Kommission bereits Ende November verkündet, dass für alle Menschen im Alter von neun bis 60 Jahren eine Impfdosis ausreicht – statt der bisher veranschlagten zwei Impfdosen.

Damit reicht der Impfstoff auf einmal für doppelt so viele Impfwillige wie zuvor. Niedersachsen beispielsweise hat allein 4,85 Millionen Dosen Pandemrix bestellt: im Glauben, damit 30 Prozent der Bevölkerung immunisieren zu können. Nun verdoppelt sich diese Zahl auf 60 Prozent, während bei den Arzneimittelgroßhändlern der Impfstoff liegen bleibt. Allein in dieser Woche gehen weitere 280.000 Impfdosen nach Niedersachsen. Bestellt haben die Ärzte aber nur 75.000 Dosen. Einziges Trostpflaster: Der Pandemrix-Impfstoff hat eine Haltbarkeit von zwei Jahren. Und die nächste Grippesaison kommt bestimmt.