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Politik Schüsse in Tripolis zu angeblicher Siegesfeier
Mehr Welt Politik Schüsse in Tripolis zu angeblicher Siegesfeier
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11:08 06.03.2011
Aufständische auf dem Weg nach Ras Lanuf. Quelle: dpa
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Hunderte von Anhängern des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi haben am Sonntagmorgen in Tripolis mit Freudenschüssen und Feuerwerk angebliche Siege im Kampf gegen die Aufständischen gefeiert. Nach Berichten des libyschen Staatsfernsehen haben regierungstreue Truppen gleich mehrere Städte zurückerobert, darunter auch die zuletzt schwer umkämpfte Ortschaft Al-Sawija, knapp 50 Kilometer westlich von Tripolis. Auch Ras Lanouf, Misurata und Tobruk seien wieder unter der Kontrolle der Milizen von Staatschef Muammar al-Gaddafi, hieß es.

Der Wahrheitsgehalt dieser Behauptungen konnte zunächst nicht überprüft werden, wie etwa der britische Sender BBC berichtete. Es sei nicht auszuschließen, dass es sich bei diesen Behauptungen um „eine Propaganda-Offensive“ handele.

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Noch am Vortag hatten Aufständischen ihre Stellungen in Al-Sawija trotz wiederholter Angriffe der Gaddafi-Truppen behauptet. Zudem befanden sich Fahrzeugkolonnen der Regimegegner nach Erfolgen im Osten auf dem Vormarsch, unter anderem in Richtung der Gaddafi-Geburtsstadt Sirte.

Gaddafi fordert UN-Untersuchung

Der libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi forderte eine Untersuchung des Aufstandes gegen sein Regime durch eine Kommission der Vereinten Nationen oder der Afrikanischen Union. „Wir werden ein solche Gruppe ungehindert arbeiten lassen“, sagte er der französischen Sonntagszeitung „Journal du Dimanche“ und machte zugleich Terroristen für die Rebellion verantwortlich. Während seine Truppen weiter versuchen, die an die Regimegegner verlorene Stadt Al-Sawija westlich von Tripolis wieder unter ihre Kontrolle zu bringen, hat die Bundeswehr über 400 aus Libyen geflohene Ägypter aus Tunesien abgeholt.

Bundeswehr holt Flüchtlinge ab

Drei Schiffe der deutschen Marine legten in der Nacht zum Sonntag im tunesischen Hafen Gabes ab und nahmen Kurs auf die ägyptische Hafenstadt Alexandria. Wie das Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam mitteilte, befinden sich an Bord der Fregatten „Brandenburg“ und „Rheinland-Pfalz“ sowie des Einsatzgruppenversorgers „Berlin“ insgesamt 412 ägyptische Gastarbeiter. Die Fahrt über das Mittelmeer soll rund 67 Stunden dauern. Der Bundeswehreinsatz ist Teil einer internationalen Hilfsaktion zur Bewältigung des Flüchtlingsstroms aus Libyen. Auch zwei Flugzeuge der US-Marine brachten in der Nacht 132 Ägypter aus dem tunesischen Djerba in ihre Heimat, wie das Außenministerium in Washington mitteilte.

Gaddafi zeigte bei dem am Samstag geführten Zeitungsinterview Unverständnis für die Haltung der internationalen Gemeinschaft. „Ich bin erstaunt, dass niemand versteht, dass dies ein Kampf gegen den Terrorismus ist“, sagte er. „Unsere Geheimdienste arbeiten zusammen. Wir haben euch in den letzten Jahren viel geholfen. Also warum hilft uns nun im Gegenzug niemand, wenn wir hier in Libyen gegen Terrorismus kämpfen?“, fragte er und warnte zugleich vor einem Heiligen Krieg der Islamisten im Mittelmeerraum.

Westerwelle fordert Sanktionen

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) forderte weitere Sanktionen gegen Gaddafis Regime. „Was in Libyen geschieht, erfüllt mich mit größter Sorge“, sagte er der „Welt am Sonntag“. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen müsse sich erneut mit der Lage befassen. „Gezielte Sanktionen sind notwendig gegen diejenigen, die für die Verbrechen gegen das libysche Volk verantwortlich sind“, sagte Westerwelle. Der von den Regimegegnern gebildete Nationalrat forderte die internationale Gemeinschaft auf, mit einer Flugverbotszone Gaddafi daran zu hindern, „sein eigenes Volk zu bombardieren“. Ein Eingreifen ausländischer Truppen auf libyschem Boden wurde hingegen strikt abgelehnt.

Britische Soldaten und niederländische Marineflieger festgehalten

Nach einem Bericht der „Sunday Times“ wird eine Spezialeinheit der britischen Armee von Aufständischen im Osten Libyens festgehalten. Die bis zu acht SAS-Soldaten seien gefangen genommen worden, als sie einen britischen Diplomaten durch das von Aufständischen kontrollierte Gebiet begleiteten. Der Diplomat eine Kontaktaufnahme mit den Regimegegnern vorbereiten wollen, hieß es. Sprecher des Außen- und des Verteidigungsministeriums in London wollten den Bericht weder bestätigen noch dementieren, meldete die britische Nachrichtenagentur PA am Sonntagmorgen.

In Libyen werden auch drei niederländische Marineflieger vom Gaddafi-Regime festgehalten. Sie hatten Mitte der Woche versucht, zwei Holländer aus der Stadt Sirte auszufliegen und waren dabei von Regierungstruppen gefangen genommen worden.

Flugverbotszone von Nationalrat gefordert

Der von den Regimegegnern in Bengasi gebildete Nationalrat forderte die internationale Gemeinschaft auf, mit einer Flugverbotszone Gaddafi daran zu hindern, „sein eigenes Volk zu bombardieren“. Ein Eingreifen ausländischer Truppen auf libyschem Boden wurde hingegen strikt abgelehnt.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert

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