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Politik Schröder lehnt Minijob-Aufstockung ab
Mehr Welt Politik Schröder lehnt Minijob-Aufstockung ab
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07:16 23.05.2012
„Ein Krippengipfel wäre eine Showveranstaltung“: Kristina Schröder. Quelle: dpa
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Berlin

Frau Schröder, in der Koalition gibt es Pläne, die Lohnobergrenze bei Minijobs von 400 auf 450 Euro zu erhöhen. Befürworten Sie das?

Ich bin da skeptisch. Zwei Drittel derjenigen, die Minijobs machen, sind Frauen. Und oft wollen diese Frauen eigentlich wieder in den Beruf und hätten viel lieber einen echten Teilzeitjob. Der Mini­job wird für viele zur biografischen Sackgasse. Minijobs sind selten eine Brücke in eine reguläre Beschäftigung für Frauen.

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Aber die Arbeiten laufen doch bereits. Wie will sich die Familienministerin einbringen?

Aus einem heutigen 400-Euro-Minijob außerhalb von Privathaushalten entsteht ein monatlicher Rentenanspruch von zirca 3,10 Euro pro Versicherungsjahr. Deshalb müssen wir behutsam sein und sollten keine falschen Anreize setzen, dass noch mehr Minijobs geschaffen werden. Aus frauenpolitischer Sicht ist hier Vorsicht geboten. Minijobs müssen eine Brücke in den Arbeitsmarkt sein statt eine Sackgasse. Da gibt es intelligente Modelle vom Deutschen Gewerkschaftsbund oder der Bertelsmann-Stiftung.

Sie haben noch andere Baustellen. Es gibt ab August 2013 den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz, aber noch lange nicht genug Plätze. Die SPD fordert einen Krippengipfel.

Eine Showveranstaltung macht keinen Sinn, und nichts anderes wäre solch ein Krippengipfel. Wir arbeiten seit Monaten eng und gut mit den Ländern und Kommunen zusammen und haben von ihnen auch aktuelle Zahlen: Aktuell fehlen rund 130 000 Kita-Plätze, um den gemeldeten Bedarf zu decken.

Und wie wollen Sie die noch zusammenbekommen bis zum August 2013?

Jeder muss überlegen, wie er kleine und große Bremsen beseitigen kann. Ich werde nächste Woche einen Zehnpunkteplan vorlegen. Wir arbeiten daran, wie man für Tagesmütter mehr machen kann, wie wir den Aufbau von Betriebskitas voranbringen können, und auch, ob man bauliche Normen, die nicht sicherheitsrelevant sind, zeitweise aussetzen kann.

Was tun Sie, um das Betreuungsgeld zu retten?

Wir sind mit den Arbeiten so gut wie fertig. Wenn alles glatt geht, starten wir Ende der Woche mit der Ressortabstimmung.

Die Opposition erwartet, dass Sie damit scheitern.

Der Koalitionsausschuss hat das Betreuungsgeld verabredet, es ist also klar, dass wir das machen. Ich verstehe ohnehin nicht den bizarren Kulturkampf um das Betreuungsgeld. Es gibt doch in Deutschland einen breiten Konsens, die allermeisten Kinder vor dem ersten Geburtstag zu Hause zu lassen und ab dem dritten Lebensjahr ganz überwiegend in den Kindergarten zu schicken. Beim Betreuungsgeld geht es also nur um die Kleinkinder dazwischen, die ein oder zwei Jahre alt sind. Ich verstehe nicht, dass man da nicht einfach verschiedene Wege zulassen kann.

Die Kritiker befürchten, dass vor allem Kinder aus Migrantenfamilien dann zu spät Deutsch lernen.

Wir müssen sehr genau darauf achten, dass wir für Kinder aus bildungsfernen Schichten keine falschen Anreize setzen. Deshalb habe ich ausdrücklich ­einen positiven Anreiz geschaffen. Wir machen derzeit 4000 Kitas deutschlandweit zu Sprach- und Integrationskitas.

Interview: Frank Lindscheid

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