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Politik Schlagstock und Pfefferspray gegen Regierungsgegner in Teheran
Mehr Welt Politik Schlagstock und Pfefferspray gegen Regierungsgegner in Teheran
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19:09 11.02.2010
Bei der Kundgebung zum Revolutionsfeiertag im Iran kam es zu Ausschreitungen zwischen Regierungsgegnern und Einsatzkräften. Quelle: dpa
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Bei den Protesten wurde auch die Frau von Oppositionsführer Mir Hossein Mussawi tätlich angegriffen worden sein. Eingesetzt wurden nach Augenzeugenberichten Schlagstöcke, Farbpatronen und Tränengas.

Sahra Rahnaward, Mussawis Frau, sei von Bassidsch-Milizionären auf Kopf und Rücken geschlagen worden, hieß es auf der Website des Oppositionsführers. Ihre Anhänger hätten die 65-Jährige jedoch umstellt und sie in Sicherheit gebracht. Dem Internet-Eintrag zufolge fand der Angriff auf Rahnaward auf demselben Platz statt, auf dem Regierungsanhänger auch Mussawi selbst daran hinderten, sich den Protesten der Opposition anzuschließen.

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Eine Gruppe um den Oppositionspolitiker Mahdi Karrubi wurde ebenfalls angegriffen, als sie sich den Gegendemonstranten der offiziellen Kundgebung anschließen wollte, wie Karrubis Sohn Hossein mitteilte. Die Angreifer, offenbar wiederum Basidsch-Milizionäre, hätten auch die Scheiben von Karrubis Auto eingeschlagen. Ferner wurden die Enkelin von Ayatollah Chomeini, Sahra Eschraghi, und ihr Mann Mohammed Resa Chatami, zwei Politiker aus dem Lager der Reformer, für etwa eine Stunde festgenommen, wie die oppositionelle Website Rahesabs berichtete.

Ahmadinedschad nennt Iran einen Atomstaat

Gleichzeitig nahmen mehrere hunderttausend Menschen an der offiziellen Kundgebung zum 31. Jahrestag der Islamischen Revolution teil. Die Menge auf dem Asadi-Platz (Freiheitsplatz) schwenkte iranische Fahnen und zeigte Plakate mit Bildern von Ayatollah Chomeini und seines Nachfolgers Ayatollah Ali Chamenei. Chomeini hatte 1979 die Protestbewegung gegen den Schah angeführt, die dessen Sturz herbeiführte.

In seiner Rede sagte Präsident Mahmud Ahmadinedschad, der Iran sei mit der Herstellung von hoch angereichertem Uran zum „Atomstaat“ geworden. Die erste Ladung von 20prozentig angereichertem Uran soll in einem Forschungsreaktor eingesetzt werden. Die Regierung strebe keine Atomwaffen an, sagte Ahmadinedschad. „Wenn wir eine Bombe herstellen wollen, werden wir das mitteilen.“ Der Iran will den Anreicherungsgrad erklärtermaßen aber weiter erhöhen - für den Kern von Atomsprengköpfen wird auf 90 Prozent angereichertes Uran verwendet.
Bereits am Mittwochabend hatten Regierungsgegner auf den Dächern der Hauptstadt den Ruf „Allahu akbar“ (Gott ist groß) angestimmt. Um die Protestbewegung zu unterdrücken, drosselten die Behörden erneut die Internet-Bandbreite und schränkten die SMS-Übertragung im Mobilfunknetz ein. Ein Google-Sprecher teilte mit, es gebe Störungen beim Zugang zum Mail-Dienst im Iran. Das Unternehmen habe auch einen deutlichen Rückgang beim Datenaufkommen registriert.

ap