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Politik Schimon Peres mahnt die Deutschen
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18:44 26.01.2010
Von Alexander Dahl
Ort grausiger Erinnerung: Schimon Peres (links) und Horst Köhler auf Gleis 17 im Berliner Grunewald, von wo die KZ-Transporte starteten. Quelle: dpa
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Gegen Mittag besuchte Peres mit Bundespräsident Horst Köhler die NS-Opfer-Gedenkstätte Gleis 17 in Berlin-Grunewald. Von dort aus hatte das Nazi-Regime Tausende jüdische Bürger Berlins in die Vernichtungslager gebracht. Auch Peres’ Großeltern wurden von den Nazis ermordet – sie verbrannten in einer hölzernen Synagoge im Osten Polens.

Das alles lasse ihn überhaupt nicht unberührt, sagte Peres in einem vorab veröffentlichten Interview über die bleiernen Schatten der Vergangenheit. Umso besorgter zeigte sich Israels Staatsoberhaupt daher über Umfragen, wonach junge Deutsche Israel für gefährlicher halten als den Iran und dessen höchst umstrittenen Staatschef Mahmud Ahmadinedschad.

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Peres wird am Mittwoch anlässlich des Holocaust-Gedenktages – am 27. Januar 1945 befreiten sowjetische Truppen die Gefangenen des Vernichtungslagers Auschwitz – eine Rede vor dem Bundestag halten. Er werde sich zu den Beziehung Israels zu Deutschland und zum Nahen Osten äußern, hatte Peres vorab erklärt. Wenn nichts Grundlegendes passiere, werde der Nahe Osten in 20 Jahren ein schrecklicher Teil der Welt sein. Zugleich kritisierte der Präsident, dass sich die Beziehungen zu vielen europäischen Staaten verschlechtert hätten. Peres möchte am Mittwoch im Bundestag die Probleme nicht diplomatisch verschleiern: „Ich will ausgewogen die Wahrheit sagen. Mein Ziel ist es nicht, irgendjemandem eine Freude zu bereiten.“

Ein „Zukunftsforum“ soll das gegenseitige Verständnis junger Deutscher und junger Israelis verbessern. Die Phase des Dialogs mit dem Iran hingegen, so die übereinstimmende Meinung von Peres und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), ist vorbei. Die Zeit für Teheran laufe aus, sagte Merkel und wiederholte ihre Ankündigung, die sie schon beim Besuch des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu vergangene Woche in der Bundeshauptstadt gemacht hatte: Frankreich werde als Vorsitz des UN-Sicherheitsrates eine Initiative für Wirtschaftssanktionen gegen den Iran starten; sollte sich in dem Gremium aber keine Mehrheit finden, sei Deutschland bereit, auch ohne die UN Handelsbeschränkungen zu verhängen. Der Februar werde ein sehr spannender Monat, sagte die CDU-Politikerin vielsagend.

Merkel verlangte vom Iran, sein Atomprogramm sofort offenzulegen, und bezeichnete die Leugnung des Holocausts seitens des Teheraner Regimes als „völlig unakzeptable Position“. Peres betonte, sein Land bekämpfe nicht das iranische Volk, sondern nur die Diktatur, die eine Gefahr für die Welt darstelle.

Israelische Kritik an den umfangreichen Geschäftsbeziehungen Deutschlands zum Iran konterte Merkel mit dem Hinweis, viele Firmen hätten diese „bereits zurückgefahren“. Siemens etwa gab am Dienstag bekannt, seit Längerem die Geschäftsbeziehungen zum Iran reduziert zu haben und seit Oktober 2009 keine neuen Aufträge mehr anzunehmen.