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Politik Santorum gewinnt den tiefen Süden der USA
Mehr Welt Politik Santorum gewinnt den tiefen Süden der USA
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10:30 15.03.2012
Von Stefan Koch
Foto: Hat eine Aufholjagd auf Mitt Romney gestartet: Rick Santorum.
Hat eine Aufholjagd auf Mitt Romney gestartet: Rick Santorum. Quelle: dpa
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Washington

Im Rennen um das Weiße Haus stecken die Republikaner in einem ernsthaften Dilemma: Trotz einer monatelangen Wahlschlacht zeichnet sich noch immer kein Kandidat ab, hinter dem sich die gesamte Partei versammeln will. In der Nacht zum Mittwoch setzte sich Rick Santorum bei den Vorwahlen in Alabama und Mississippi durch. Als Außenseiter gestartet, wirbelt der Sozialkonservative damit die parteiinternen Strategien gehörig durcheinander.

Mitt Romney, der eigentliche Favorit in dieser unglaublich zähen Auseinandersetzung, musste gestern mitansehen, dass sich seine Mitbewerber nicht abschütteln lassen. Obwohl sich der 65-jährige frühere Gouverneur von Massachusetts bei den Delegiertenstimmen durchaus einen ansehnlichen Vorsprung erarbeitet hat, überzeugt er an der Basis nicht so richtig. So erhielt Santorum in Mississippi etwa 33 Prozent, Newt Gingrich, der frühere Sprecher des Repräsentantenhauses, 31 Prozent, und Romney kam auf 30 Prozent. Nur der radikalliberale Ron Paul landete abgeschlagen im einstelligen Bereich. In Alabama setzte sich Santorum sogar mit 35 Prozent deutlich von Romney und Gingrich ab, die beide auf 29 Prozent kamen. Lediglich auf Hawaii und auf Amerikanisch Samoa hatte Romney die Nase vorn.

Die knappen Ergebnisse zeigen: Der erzkonservative Flügel, zu dem sich im Süden der USA besonders viele evangelikale Christen zählen, und die Wirtschaftsliberalen stehen sich unversöhnlich gegenüber. Romney, der als früherer Hedgefondsmanager als Mann der Wirtschaft gilt, kann gerade in den ländlichen Gebieten des Südens und des Mittleren Westens nicht überzeugen – also dort, wo viele Stammwähler der Republikaner leben. Nach wie vor hängt ihm das Image eines „Flip Floppers“ an, also eines Mannes, der seinen Mantel nach dem Wind hängt. So warb er für eine allgemeine Krankenversicherung, für gleichgeschlechtliche Ehen und für Klimaschutzgesetze – und kämpfte später genau gegen diese Positionen. Gleichwohl gilt er bisher als aussichtsreichster Republikaner, der auch im großen Heer der Wechselwähler Stimmen gewinnen könnte. Wenn es direkt gegen Amtsinhaber Barack Obama geht, hätte er wohl die größten Chancen.

In den eigenen Reihen kommen dagegen Santorums Appelle an die vermeintlich amerikanischen Werte gut an: Sie unterstützen den 53-jährigen Katholiken in seinem Kampf gegen die Homo-Ehe, gegen Verhütungsmittel und gegen Schwangerschaftsabbrüche. Themen, die in einem großen Teil der Bevölkerung eigentlich längst als abgeschlossen gelten. Doch der frühere Senator aus Pennsylvania hält unverdrossen an seinem eher rückwärtsgewandten Familien- und Weltbild fest und gewinnt damit mehr Zustimmung, als die Parteiführung zu Beginn der Wahlkampagne vermutet hätte. Begeistert trat er am Dienstag vor seine Anhänger: „Wir haben es wieder getan“, rief Santorum seinen Wählern in Lafayette im Staat Louisiana zu, wo die Vorwahlen am 24. März stattfinden. Nun sei es an der Zeit für die Konservativen, sich zu vereinen und Romney zu besiegen.

Gringrich bleibt kämpferisch

Doch das ist einfacher gesagt als getan: Denn ebenso, wie sich Romney von seinem hartnäckigen Verfolger nicht absetzen kann, gelingt es auch Santorum nicht, das strammkonservative Lager hinter sich zu sammeln. Nach wie vor will sich der langjährige Kongressabgeordnete Gingrich nicht zurückziehen. Der 68-Jährige zeigt sich von seinen Niederlagen unbeeindruckt und nahm am Dienstag lieber die eigentliche Präsidentschaftswahl in den Blick: „Wir brauchen jemanden, der mit Obama debattieren kann.“

Obwohl von dem selbsternannten Vertreter der Südstaaten eigentlich erwartet worden wäre, dass er sich zumindest in einem Bundesstaat durchsetzt, versicherte er seinen Anhängern gestern, bis zum Schluss im Rennen zu bleiben. Ob diese Ankündigung wörtlich zu nehmen ist, muss sich erst noch zeigen. Ein gewichtiges Wort bei dieser Entscheidung dürften die Sponsoren haben, die letztendlich seine millionenschwere Kampagne tragen.

Dass sich der unerwartete Dreikampf scheinbar unendlich in die Länge zieht, sorgt in den Reihen des Partei-Establishments für Verunsicherung. So sieht der ehemalige Republikaner-Kandidat John McCain die „Grand Old Party" in einer Sackgasse: „Jeder Tag der Vorwahl mit all den Attacken ist ein verlorener Tag, weil man sich nicht gegen den eigentlichen Gegner richten kann, also gegen Präsident Obama." Für den gestandenen Politiker gilt es als unstrittig, dass es bei der diesjährigen Wahl vor allem um Wirtschaftsfragen geht.

Während sich McCain für den (bisherigen) Favoriten Romney ausspricht, halten sich in der Partei weiterhin hartnäckig Gerüchte, dass vielleicht doch noch Jeb Bush, der Bruder des früheren Präsidenten George W. Bush und ehemalige Gouverneur von Florida, in das Rennen einsteigen könnte – oder der Gouverneur von Indiana, Mitch Daniels. Beide hatten längst abgewinkt. Doch die Spekulationen halten angesichts der jüngsten Ergebnisse unvermindert an.