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Politik Roter Teppich für Papst Benedikt im Luther-Land Thüringen
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11:50 23.09.2011
Papst Benedikt XVI. hat erstmals seit der Wiedervereinigung ein ostdeutsches Bistum besucht. Quelle: dpa
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Erfurt

Papst Benedikt XVI. verbringt den zweiten Tag seiner Deutschland-Reise in Thüringen, einem Kernland der Reformation. Empfangen wurde er am Freitag in der Landeshauptstadt Erfurt von einer Protestantin: Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) begrüßte das Oberhaupt der katholischen Kirche auf dem Flughafen in Erfurt auf dem roten Teppich am Flugzeug.

Im Erfurter Augustinerkloster, in das Martin Luther vor 500 Jahren als Mönch eingetreten war, trifft Benedikt am Mittag Vertreter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zu Gesprächen und einem ökumenischen Gottesdienst. An die Begegnung werden hohe Erwartungen geknüpft. Am Abend feiert der Papst eine Marienvesper im Eichsfeld. Dorthin strömten schon seit dem frühen Morgen die Pilger.

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Die Thüringer Regierungschefin bezeichnete den Papstbesuch als herausragendes Ereignis. Es sei der „erste in der fast fünfhundertjährigen Reformationsgeschichte im Kernland der Reformation. Das ist ein großes Zeichen der ökumenischen Begegnung, das noch lange Zeit über den Besuch hinausstrahlen wird“, sagte Lieberknecht. Führende EKD-Vertreter riefen Benedikt XVI. vor dem Treffen zur Annäherung auf.

Er erwarte sich Impulse für die Ökumene, sagte der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider im Deutschlandradio. Die Vorsitzende der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, Kathrin Göring-Eckardt, wünschte sich im Sender NDR Info, dass Protestanten und Katholiken gemeinsam das Reformationsjubiläum 2017 feiern. Schneider forderte für die Beziehung der beiden Kirchen: „Wir müssen uns schon auf Augenhöhe begegnen.“ Der EKD-Vorsitzende steht an der Spitze von 24 Millionen Protestanten in Deutschland. Die Zahl der Katholiken ist etwa gleich groß.

Der Bischof der evangelischen Kirche von Berlin und Brandenburg, Markus Dröge, zeigte sich von den bisherigen Ökumene-Äußerungen des Papstes auf seiner Reise enttäuscht. Es sei noch kein ökumenisches Zeichen von Benedikt XVI. gesetzt worden, sagte Dröge im RBB-Inforadio. „Bisher ist es für alle, die auf ökumenische Signale warten, eher enttäuschend.“

Am Donnerstag hatte Bundespräsident Christian Wulff bereits in Berlin konkrete Verbesserungen im Miteinander von Katholiken und Protestanten angemahnt. Wulff wird ebenso wie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zum Gottesdienst im Augustinerkloster erwartet.

Zum Empfang des Papstes in Erfurt waren auch Vertreter anderer Bundesländer, darunter die Ministerpräsidenten von Sachsen und Sachsen-Anhalt, Stanislaw Tillich und Reiner Haseloff (beide CDU), sowie mehrere Bischöfe gekommen. Nach der Begrüßung trafen sich Benedikt und die evangelische Pfarrerin Lieberknecht zu einem kurzen Vier-Augen-Gespräch. Danach besucht der Papst den Erfurter Dom, wo er von Bischof Joachim Wanke empfangen wird.

Das Oberhaupt der katholischen Kirche will mit seinem ersten Besuch in einem ostdeutschen Bistum nach der Wiedervereinigung auch die Standhaftigkeit der katholischen Christen in der DDR während der deutschen Teilung würdigen. Wanke erwartet sich davon viel Ermutigung im Glauben. Die Katholiken sind in den neuen Bundesländern eine Minderheit. In Thüringen stellen sie etwa acht Prozent der Bevölkerung.

Zehntausende Pilger erwarten den Papst am Freitagabend zu einem Gottesdienst im Wallfahrtsort Etzelsbach im Eichsfeld. Der Landstrich in Nordthüringen ist eine der Hochburgen der katholischen Kirche in Ostdeutschland. Für die Thüringer Polizei ist der Papst-Besuch mit erheblichen Sicherheitsvorkehrungen am Freitag und Samstag laut Innenministerium der größten Einsatz in der Geschichte des Landes. Etwa 6000 Beamte sind unterwegs.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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