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Politik Rot-Kreuz-Bericht zu Kundus belastet Guttenberg
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11:26 09.12.2009
In Erklärungsnot: Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Quelle: ddp
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Ein Bericht des Internationalen Roten Kreuzes zum Luftschlag im nordafghanischen Kundus könnte dem Magazin „Stern“ zufolge Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) in weitere Erklärungsnot bringen. Die Hilfsorganisation habe in Kundus das von der Bundeswehr angeordnete Bombardement auf die zwei Tanklaster untersucht. Nach Informationen der Zeitschrift kommt das Rote Kreuz in dem als „streng vertraulich“ eingestuften Report zu dem Schluss, der von Bundeswehroberst Georg Klein angeordnete Angriff habe nicht „im Einklang mit dem internationalen Völkerrecht“ gestanden. Dafür habe es bei dem Bombardement zu viele zivile Tote gegeben. Im Anhang des Berichts seien die Namen von 74 toten Zivilisten aufgelistet, darunter auch acht-, zehn- und zwölfjährige Kinder.

Diesen Report habe Guttenberg am 6. November auf den Tisch bekommen, schreibt das Magazin in seiner am Donnerstag erscheinenden Ausgabe. Dennoch habe er Stunden später, auf seiner ersten Pressekonferenz als Verteidigungsminister, den Angriff als „militärisch angemessen“ bezeichnet.

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Das Rote Kreuz habe in seinem Bericht schon damals ausgeführt, es erachte es als „unwahrscheinlich“, dass die von Taliban gekaperten Tanklaster zu fahrenden Bomben umfunktioniert und gegen die Bundeswehr eingesetzt werden sollten. Die Lkws hätten vielmehr entgegen der Fahrtrichtung zu dem deutschen Feldlager in einer Sandbank festgesteckt, als sie bombardiert wurden. Für das deutsche Feldlager bei Kundus habe demnach keine „unmittelbare Bedrohung“ bestanden.

Vergangene Woche hatte Guttenberg im Bundestag die Einschätzung zurückgenommen, dass der Angriff „angemessen“ gewesen sei. Ein Ministeriumssprecher sagte dem „Stern“, die Lektüre des Roten-Kreuz-Berichts sei „in die neue Gesamtbewertung des Ministers eingeflossen“.

ddp

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