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Politik "Rot-Grün ist ein ganz unromantisches Bündnis"
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13:22 18.11.2012
"Ich sehe Rot-Grün nicht als Projekt, sondern ganz unromantisch als Bündnis zweier Parteien": Katrin Göring-Eckardt beim Grünen-Parteitag in Hannover. Quelle: dpa
Hannover

Müssen Millionäre und Milliardäre in Deutschland ärmer werden?

Die können von mir aus so reich bleiben, wie sie wollen, aber ich möchte sie nicht aus ihrer sozialen Verantwortung entlassen. Die Gemeinschaft der Steuerzahler hat denen mitten in der Krise ihr Vermögen gerettet. Da ist es nicht mehr als recht und billig, sie zur finanziellen Krisenbewältigung heranzuziehen. Das wollen wir mit unserer Vermögensabgabe tun. Die macht keinen Millionär ärmer. Der Ertrag wird ausschließlich zu zwei Zwecken verwendet: Investitionen in Bildung und Abbau der Schulden.

Ist Opposition wirklich Mist?

Nein, das stimmt nicht. Opposition heißt immer, dass man die Scheunen voll macht, dass man Konzepte entwickelt, die man später in einer Regierung umsetzen möchte. In diesem Sinne ist Opposition die Vorfreude auf Regierungsverantwortung

Ist Rot-Grün für Sie Verstandessache oder Herzensangelegenheit?

Rot-Grün liegt mir am Herzen, weil mein Kopf mir sagt, dass wir nur in dieser Konstellation etwas von dem erreichen können, was wir uns vornehmen. Wenn es um die entscheidenden sozialen und ökologischen Fragen geht, werden wir keinen Partner finden, mit dem wir mehr umsetzen könnten, als die SPD. Wie viel das am Ende sein wird, hängt nicht zuletzt davon ab, wie stark die Grünen abschneiden. Ich sehe Rot-Grün nicht als Projekt, sondern ganz unromantisch als Bündnis zweier Parteien, die inhaltlich die größten Übereinstimmungen verbinden und die wenigsten Gegensätze trennen. Aber funktionieren wird auch dieses Bündnis nur unter einer Bedingung: Rot und Grün müssen auf Augenhöhe agieren. Nie wieder „Koch und Kellner“.

Wie können die Grünen dem schwächelnden Peer Steinbrück helfen?

Steinbrück ist der Kandidat der SPD. Die SPD muss ihre Wählerinnen und Wähler mobilisieren, wir die Unsrigen, und alles zusammen muss eine Mehrheit im nächsten Bundestag ergeben. Für uns ist klar: Wir beurteilen jemanden nicht danach, was er auf dem Konto hat, sondern was er politisch will.

Was unterscheidet Ihr Machtstreben von dem von Angela Merkel?

Was für eine Frage!

Manche sagen, Sie und Merkel seien, machtpolitisch gesehen, beide „kalt wie Hundeschnauze“.

Ein unappetitlicher Vergleich, der auch nicht taugt. Ich weiß nicht, wer so etwas über mich sagt. Ich vermag mich darin nicht wiederzukennen. Anders als Frau Merkel bin ich niemand, der nach dem Motto verfährt, ich halte mich erst mal ganz lange zurück, um dann ohne Rücksicht auf Verluste zuzuschlagen. Ich war ja auch diejenige, die vor der Urwahl vorgeschlagen hat, wir sollten uns als Team der Abstimmung stellen. Die Idee dahinter bleibt für mich auch wichtig.

Wo beginnt für Sie die Wirklichkeit, wo endet die politische Inszenierung?

Politik muss zuweilen in Szene und bebildert werden, um Wirklichkeit zu illustrieren und zu transportieren. Aber das funktioniert nicht, wenn hinter den Bildern nicht knallharte Inhalte stehen. Inszenierung darf Wirklichkeit nicht ersetzen.Ich werde nie etwas politisch revidieren um der Inszenierung willen. Im Gegenteil. Manchmal ist es gut, zu den wirklichen Problemorten zu gehen, ohne dass Öffentlichkeit dabei ist.

Von „Wir sind Helden“ gibt es das schöne Lied: „Gekommen um zu bleiben“. Haben die jüngeren Herren aus der Provinz, die sich nicht zur Teilnahme an der Kandidaten-Urwahl heraus trauten, jetzt mit Ihnen vorn den Salat: Man kriegt Sie nicht mehr weg?

Es hat Leute gegeben, die sind angetreten, und es hat Leute gegeben, die setzten andere Prioritäten. Unterm Strich sind Landespolitiker bei den Grünen viel wichtiger als früher, weil wir in immer mehr Ländern mitregieren!

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