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Politik Romney siegt in Florida
Mehr Welt Politik Romney siegt in Florida
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14:56 01.02.2012
Von Stefan Koch
 Strahlender Sieger: Romney gewinnt die US-Vorwahlen in Florida. Quelle: dpa
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Washington

Dieses Ergebnis dürfte die Republikaner in den gesamten USA beeindrucken: Mitt Romney kommt bei den Vorwahlen in Florida auf etwa 46 Prozent der Stimmen. Sein hartnäckiger Rivale Newt Gingrich landet abgeschlagen bei etwa 32 Prozent. Noch steht der Wahlkampfmarathon erst am Anfang und zieht sich bis August durch weitere 46 Bundesstaaten. Aber das Votum in Florida dürfte eine wichtige Vorentscheidung für die Präsidentschaftskandidatur der "Grand Old Party" sein.

Anders als Iowa, New Hampshire und South Carolina gilt der große "sunshine state" als repräsentativ für die Vereinigten Staaten. Bei den bisherigen drei Vorwahlen fielen die Ergebnisse der Wählerbefragungen zwar höchst unterschiedlich aus. Doch erst hier, ganz im Süden der USA, stellen sich die Wahlkämpfer einer überaus heterogenen Bevölkerung. Da sind die Latinos und Exilkubaner, die etwa 20 Prozent der Bevölkerung ausmachen, und da sind vor allem die vielen Rentner vom gesamten Kontinent, die unter der fast ewig scheinenden Sonne des Südens an den langen Küsten ihren Ruhestand genießen wollen.

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In diesem Wahljahr gilt Florida für die Kandidaten ohnehin als ein äußerst heißes Pflaster: So bequem es sich in dieser Region auch Urlaub machen lässt, so hart ist sie von der Wirtschaftskrise betroffen. Zwischen dem Golf von Mexiko und dem Atlantik erreichen die Arbeitslosenquoten Höchststände, und die Zahl der Zwangsversteigerungen von Privathäusern ist hier ebenfalls erschreckend hoch. In dieser angespannten Lage wünschen sich die Wähler konkrete Perspektiven.

Umso erstaunlicher ist es, dass Newt Gingrich, der sich seit Wochen so sehr als Verteidiger des kleinen Mannes inszeniert, ausgerechnet in diesem Landstrich scheitert.

Nach der Bekanntgabe des für ihn so enttäuschenden Ergebnisses versucht er dennoch, seinen Anhängern Mut zu machen: "Die Macht des Volkes wird die Macht des Geldes besiegen", ruft er den Mitarbeitern und Parteifreunden in seinem Hauptquartier in Orlando zu. Auch an diesem Abend spielt er einmal mehr auf die enormen Wahlkampfmittel seines Konkurrenten Romney an. Beide hatten sich eine geradezu wüste Wahlschlacht geliefert.

Sicherlich: Die Kandidaten pflegen noch die Etikette und reichen sich nach den TV-Duellen publikumswirksam und wie zur Versöhnung die Hand. Doch in unzähligen Fernsehspots ziehen sie über die vermeintlichen privat-persönlichen Verfehlungen des Mitbewerbers her. So muss sich Gingrich vorwerfen lassen, beim umstrittenen Immobilienfinanzierer Freddie Mac etwa 1,6 Millionen US-Dollar verdient zu haben - das kommt in Florida, wo der Häusermarkt am Boden liegt, gar nicht gut an. Und Romney wiederum wird als "Jobvernichter" beschimpft, der Unternehmen zerschlagen und gewinnbringend verkauft habe, ohne Rücksicht auf die betroffenen Arbeitnehmer zu nehmen.

Ihre gegenseitigen Hasstiraden lassen sie sich richtig etwas kosten. Romneys Wahlkampfeinsatz - allein für den Bundesstaat Florida - schätzen Fachleute auf 19 Millionen US-Dollar. Das sind Summen, die alle bisherigen Wahlkämpfe in den Schatten stellen und selbst Politikprofis Sorgen bereiten.

Ausgerechnet das oberste Gericht hatte im Jahr 2010 die weitreichende Entscheidung getroffen: Unternehmen und vermögende Einzelpersonen können privaten Wahlkampfvereinen Spenden in beliebiger Höhe zukommen lassen, solange diese Organisationen keine offiziellen Beziehungen zu den Wahlkämpfern unterhalten. Die Folge: Die sogenannten "Super-PAC's" sammeln mittlerweile mehrere Millionen Dollar ein, um über das jeweilige feindliche Lager herzuziehen. Bisheriger Hauptprofiteur dieser Konstruktion dürfte Romney sein, dessen "Super-PAC" auf eine zweistellige Millionensumme geschätzt wird.

In dieser Werbeschlacht der Superlative geraten die beiden weiteren Kandidaten Rick Santorum und Ron Paul immer stärker unter die Räder. Sie beteiligten sich zwar an den TV-Duellen, die die großen Fernsehstationen des Landes ausrichteten, steckten ihre Wahlkampfspenden aber in die demnächst folgenden Vorwahlen. Florida hielten sie von vornherein für verloren. Ob sie das Ruder in den kommenden Wochen herumreißen können, ist zweifelhaft: In einigen der Bundesstaaten, in denen im Februar gewählt wird, genießt der 64-jährige Favorit eine Art Heimvorteil. So leben in Nevada viele Glaubensbrüder des bekennenden Mormonen. Und in Michigan war Romneys Vater von 1963 bis 1969 Gouverneur.

Romney, der frühere Gouverneur von Massachusetts, ließ gestern Abend nach Bekanntgabe der Ergebnisse seine innerparteilichen Rivalen links liegen und erwähnte sie mit keinem Wort. Stattdessen nahm er Amtsinhaber Barack Obama ins Visier. Dessen "Wohlfahrtsprogramm nach europäischem Vorbild" müsse dringend gestoppt werden. Amerika sollte sich vielmehr auf seine Stärken besinnen, die wuchernde Bürokratie zurückdrängen und dem einzelnen Unternehmer wieder mehr Spielräume lassen. Zum Schluss seines Auftritts in Tampa sprach Romney den Chef im Weißen Haus persönlich an: "Jetzt ist es Zeit für Sie, zur Seite zu treten."

Ob es soweit kommt, entscheiden die Amerikaner am 6. November.

Christian Holzgreve 31.01.2012
31.01.2012