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Politik Rezo teilt wieder aus - jetzt gegen die Zeitungsbranche
Mehr Welt Politik Rezo teilt wieder aus - jetzt gegen die Zeitungsbranche
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14:17 21.08.2019
Youtuber Rezo Quelle: Julia Hütner/ZDF/dpa
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Berlin

Über diesen jungen Mann und sein Youtube-Video zur „Zerstörung der CDU“ hatte die ganze Republik und vor allem die Bundespolitik tagelang aufgeregt diskutiert – mancher glaubt sogar, dass er die Union etliche Stimmen bei der Europawahl gekostet hat. Nun ist er zurück: Rezo, der „alte Zerstörer“ (O-Ton CDU-Abgeordneter Phillip Amthor), Markenzeichen blaue Haare, inzwischen 27 Jahre alt, hat sich wieder in Rage geredet – dieses Mal geht es gegen die Zeitungsbranche und die Print-Journalisten, allen voran die „Bild“-Zeitung.

Rezos gutgelaunter Auftritt im Youtube-Comedy-Format „Space Frogs“ dauert nur 14 Minuten, doch was als launige Blattkritik Deutschlands größter Boulevard-Zeitung beginnt, gipfelt dann doch in Sätzen wie „Die meisten Zeitungen sind Billo-Shit-Unterhaltung“ oder „Ohne Scheiß, Journalisten sind teilweise so dumm“.

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Heidi Klum? Shrek? "Print ist so wichtig! LOL!"

Das Gespräch beginnt mit einem klaren Bekenntnis von Rezo: „Ich lese keine Zeitungen.“ Das kommt nicht ganz überraschend, weil Rezo bereits im "Spiegel"-Interview verkündet hatte, keine Zeit zum Lesen zu haben: „Ich lese keine Bücher, wann auch.“

Konfrontiert mit ganzseitigen Enthüllungsgeschichten der „Bild“ über das Privatleben von Heidi Klum und mit einem Foto von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder im Shrek-Kostüm rufen Rezo und der "Space Frogs"-Gastgeber abwechselnd voller Häme und Sarkasmus aus: „Print ist so wichtig!“ Auch mit der Handhabung der Papierseiten ist man schnell überfordert, Rezo wundert sich: „Wer tut das denn noch, wer hat denn zu Hause so einen Berg von Papier jeden Tag?!“

"Ich dachte, das ist ausgestorben!"

Aber auch inhaltliche Kritik äußert der Youtuber – etwa daran, dass die „Bild“-Zeitung auf ihrer Titelseite heuchlerisch frage, warum Deutschland „so verunsichert“ sei, die Boulevardmedien zugleich aber erklären, wo man in Berlin am wahrscheinlichsten mit einem Messer erstochen wird. Die reißerische Themenauswahl und Aufbereitung der Meldungen über Flüchtlinge, Sex, Promi-Klatsch und Gewalt veranlasst ihn zu einem Wutausbruch, gefolgt von einem Seufzer: „Ich bin so froh, dass das kein Teil von meinem Leben ist – dass diese Print-Szene so weit weg von mir ist.“

Immerhin räumt Rezo ein, dass dahinter eben eine Generationenkluft steckt: So wie in den Filterblasen von 60-Jährigen Youtube-Stars wie Tanzverbot völlig unbekannt seien, kenne er die Promis in der "Bild"-Zeitung nicht. Auch, dass Tageszeitungen („Alle! Ob seriös oder unseriös!“) das Fernsehprogramm abdrucken, hat er noch nie gehört – und findet er unglaublich. Für das Konzept, dass man ein TV-Gerät zu einer festen Sendezeit anschaltet statt die Sendung im Internet abzurufen, hat Rezo nur noch Spott übrig. „Ich dachte, das ist ausgestorben!“

Es geht auch gegen die hochseriöse FAZ

Kein Wunder, dass der Online-Star wenig Verständnis für die Arbeitsweise von Print-Journalisten aufbringt – besonders nicht, wenn es um Boulevard-Medien geht. Die „Bild“ etwa habe im Zuge seines CDU-Ruhms unangemeldet vor seiner Tür gestanden und ihn interviewen wollen – und dann darüber berichtet, dass er sie weggeschickt habe. Schließlich würde „Bild“-Chef Julian Reichelt auch mit keinem reden, der unangemeldet bei ihm klingelt.

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Sein Verzweiflungsruf „Journalisten sind teilweise so dumm“ bezieht sich allerdings auf die hochseriöse "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) – mutmaßlich deren Online-Ausgabe. Die hatte ihn um eine Stellungnahme zu einem „Bild“-Artikel gebeten, wonach die klimabewegten Youtuber privat viel zu oft per Flugzeug reisen. Rezos Reaktion: „Ey Diggi! Worum geht’s überhaupt? Als ob du davon ausgehen kannst, dass ich einen Artikel gelesen habe!“

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Rezos Wunsch an die Printbranche: Die Guten – er nennt die "Süddeutsche Zeitung", "Die Zeit", den "Spiegel" und auch die FAZ – sollten es machen wie die guten Youtuber: mehr Kritik an den schlechten Kollegen üben. „Asi-Printmedien“, so Rezo, dürften nicht nur von Online-Blogs wie „Bildblog“ und „Übermedien“ kritisiert werden, auch die seriösen Blätter müssten das öfter tun. Klar: Dass es dort für diesen Job ganze Medienseiten gibt, kann Rezo nicht wissen: Er liest ja nicht.

RND/sgey

Der Artikel "Rezo teilt wieder aus - jetzt gegen die Zeitungsbranche" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.

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