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Politik Reservistenverband nennt Käßmanns Kritik „populistisch“
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22:59 04.01.2010
Von Klaus von der Brelie
Margot Käßmann
Margot Käßmann Quelle: lni
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Manfred Schreiber, Landesvorsitzender des Reservistenverbandes in Niedersachsen, warf der Bischöfin vor, am Altar „populistisch daherzureden, ohne sich vorher bei den Soldaten über den schwierigen Einsatz am Hindukusch informiert zu haben“.

Der Oberstleutnant der Reserve sagte am Montag im Gespräch mit dieser Zeitung, Käßmann solle ihre Position zum Afghanistan-Einsatz noch einmal überdenken. Auf keinen Fall könne er akzeptieren, dass die Bischöfin „den Soldaten ständig aus dem Wege geht“. Auch aus den eigenen Reihen gab es Kritik. Der frühere Präsident der Evangelischen Akademie zu Berlin, Robert Leicht, riet der Bischöfin, sich vor öffentlichen Äußerungen eingehender mit dem Rat von erfahrenen Historikern, Außenpolitikern und Militärs zu versehen. Die „Simplizität“, mit der sich Käßmann zum Thema Afghanistan geäußert habe, sei nicht vertretbar. „Wer ein moralisches Vorbild sein möchte, muss zuvor eines an Urteilskraft sein“, heißt es in einem Beitrag des Publizisten im Berliner „Tagesspiegel“.

Die Bischöfin fühlt sich offenbar missverstanden. Der „Bild“-Zeitung sagte sie, es sei eine „perfide Unterstellung“, wenn man ihr vorwerfe, sie lasse deutsche Soldaten im Stich. Seelsorger begleiteten die Soldaten in Afghanistan und auch nach ihrer Rückkehr. „Wir sprechen mit Traumatisierten, und wir begraben die Toten, wenn sie nach Deutschland zurückkehren, und stehen ihren Angehörigen bei“, sagte sie. „Ich bin schockiert, was so aus meiner Predigt gemacht wird.“ Käßmann hatte in der Dresdener Frauenkirche in ihrer Neujahrspredigt gesagt, in Afghanistan schafften Waffen „offensichtlich auch keinen Frieden“. Bereits am Wochenende war sie dafür aus Regierung und Opposition angegriffen worden.

Käßmann bekräftigte erneut, sie habe nie den sofortigen Abzug der deutschen Soldaten aus Afghanistan verlangt. In einem Interview mit der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung kurz vor Weihnachten sagte sie: „Möglichst bald sollten die deutschen Soldaten aus Afghanistan abgezogen werden. Allerdings kann der Rückzug nicht völlig überhastet stattfinden.“

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Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Margot Käßmann, hat Kritik an ihren Äußerungen zum Afghanistan- Einsatz in der Neujahrspredigt vehement zurückgewiesen. „Meine Predigt sagt nicht, dass der Afghanistan-Einsatz schlecht ist, sondern dass wir mehr Fantasie für den Frieden brauchen“, sagte Käßmann.

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Parteiübergreifend wurde Kritik an Margot Käßmanns striktem Nein zum Afghanistan-Einsatz laut. „Frau Käßmann macht es sich zu einfach, wenn sie die Botschaft vermittelt, man könne sich kurzfristig aus Afghanistan zurückziehen, ohne sich schuldig zu machen", sagte der Vorsitzende des Außen-Ausschusses des Bundestags, Ruprecht Polenz (CDU).

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