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Politik Religiöse Beschneidung im Bundestag weiter umstritten
Mehr Welt Politik Religiöse Beschneidung im Bundestag weiter umstritten
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18:14 22.11.2012
Religion oder Unversehrtheit? Die religiöse Beschneidung war am Donnerstag erneut Thema im Bundestag. Einige Abgeordnete stehen einem neuen Gesetz skeptisch gegenüber. Quelle: dpa (Symbolfoto)
Berlin

Die religiöse Beschneidung von jüdischen und muslimischen Jungen ist im Bundestag weiterhin umstritten. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) verteidigte am Donnerstag bei der ersten Lesung ihren Gesetzentwurf, der einen solchen Eingriff grundsätzlich für zulässig erklären will. „Es gibt auf der Welt kein Land, das die religiöse Beschneidung von Jungen generell unter Strafe stellt.“

Im Bundestag gibt es mehrere Dutzend Kritiker, die eine Beschneidung frühestens ab 14 erlauben wollen, damit der Junge selbst darüber entscheiden kann. Die Kinderbeauftragte der SPD-Fraktion, Marlene Rupprecht, erklärte: Das Recht der Eltern ende dort, „wenn es das Grundrecht des Kindes auf Unversehrtheit betrifft“.

Auslöser der Debatte war ein Urteil des Kölner Landgerichts, das 2011 die rituelle Beschneidung eines minderjährigen Jungen als rechtswidrige Körperverletzung eingestuft hatte. Das Urteil führte zu einer Protestwelle von Juden und Muslimen.

Nach dem Gesetzentwurf, den das Kabinett im Oktober beschlossen hatte, sollen Beschneidungen in Deutschland grundsätzlich erlaubt bleiben - vorausgesetzt, dass sie „nach den Regeln der ärztlichen Kunst durchgeführt werden“. Das bedeutet unter anderem, dass der Junge im Zweifel eine Betäubung oder Narkose erhält. Solange das Kind höchstens sechs Monate alt ist, sollen zudem nicht nur Ärzte den Eingriff durchführen dürfen, sondern auch ausgebildete Beschneider.

Leutheusser-Schnarrenberger erklärte, die Entscheidung über einen solchen Eingriff liege grundsätzlich bei den Vätern und Müttern. 66 Abgeordnete von SPD, Linken und Grünen sehen jedoch das Kindeswohl in Gefahr. Sie haben deshalb einen alternativen Gesetzentwurf eingebracht, der Beschneidungen erst ab 14 Jahren erlauben will. Zudem soll nur ein Arzt beschneiden dürfen.

Die Grüne Katja Dörner erklärte, die körperliche Unversehrtheit der Jungen sei wichtiger als Tradition und Religion. „Eine Beschneidung ist keine Bagatelle.“ Ihr Fraktionskollege Jerzy Montag warnte jedoch davor, alle Eltern zu Straftätern zu machen, die auf eine frühe Beschneidung nicht verzichten wollen. Über die beiden Gesetzentwürfe stimmt der Bundestag wohl im Dezember oder Januar ab.

dpa

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