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Politik Reiner Hoffmann ist neuer DGB-Chef
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10:50 12.05.2014
Foto: Neuer Chef für den DGB: Reiner Hoffmann (links) folgt auf Michael Sommer.
Neuer Chef für den DGB: Reiner Hoffmann (links) folgt auf Michael Sommer. Quelle: Rainer Jensen /dpa
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Berlin

Der Chemie-Gewerkschafter Reiner Hoffmann ist neuer Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Die knapp 400 Delegierten des 20. DGB-Bundeskongresses wählten den 58-Jährigen am Montag in Berlin mit überwältigender Mehrheit zum Nachfolger von Michael Sommer an die Spitze des Dachverbandes von acht Einzelgewerkschaften.

Hoffmann erhielt 365 von insgesamt 392 abgegebenen Stimmen. Das entspricht einer Zustimmung von 93,1 Prozent. Es gab 27 Neinstimmen und keine Enthaltung. Hoffmann hatte keinen Gegenkandidaten. Sein Vorgänger Michael Sommer (62) hatte nach zwölfjähriger Amtszeit nicht mehr kandidiert.

Hoffmann kündigte an, sich für mehr Mitbestimmung und ein sozialeres Europa einzusetzen. Seine Hauptaufgabe wird sein, den DGB als politischen Arm der acht Einzelgewerkschaften zu stärken und die Gewerkschaften nach dem inzwischen gestoppten Mitgliederschwund attraktiver für jüngere Arbeitnehmer zu machen. Der gebürtige Wuppertaler war als Gewerkschafter bislang vor allem auf europäischer Ebene in Brüssel aktiv.

Gauck eröffnet DGB-Bundeskongress

Bundespräsident Joachim Gauck hatte den DGB-Bundeskongress am Sonntag eröffnet. Bei ihren sechstägigen Beratungen wollen die 400 Delegierten aus acht DGB-Einzelgewerkschaften den politischen Kurs ihrer Dachorganisation für die kommenden vier Jahre abstimmen. Spitzenpolitiker aller im Bundestag vertretenen Parteien haben sich für die kommenden Tage als Gastredner angesagt. Das Treffen in Berlin steht unter dem Motto „Arbeit. Gerechtigkeit. Solidarität.“

Gauck bezeichnete die Gewerkschaften als unverzichtbar für Demokratie und Soziale Marktwirtschaft. Ihr beharrliches Eintreten für Arbeitnehmerrechte, Mitbestimmung, Tarifautonomie und Sozialpartnerschaft seien wesentliche Stärken des erfolgreichen deutschen Wirtschaftsmodells. Die in Deutschland übliche  „Kompromisskultur“ von Gewerkschaften und Arbeitgebern sei mühsam errungen worden und müsse auch immer wieder neu justiert werden.

Der scheidende DGB-Chef Sommer sagte in seiner Eröffnungsansprache, ohne das massive Drängen der Gewerkschaften stünden der Mindestlohn und die Rente mit 63 nicht auf der Tagesordnung der großen Koalition. „Wenn der Gesetzgeber die Tarifautonomie allerdings umfassend stärken will, gehört dazu zum Beispiel auch, dem Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen ein Ende zu bereiten.“ Die Gewerkschaften hätten hier „noch dicke Bretter zu bohren“.

Kurzporträt Reiner Hoffmann

Der neue Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Reiner Hoffmann, gilt als Pragmatiker. Der 58-Jährige kommt von der strukturell konservativen Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE), kann aber auch mit voller Unterstützung der kämpferischen IG Metall oder der politisch eher linksstehenden Dienstleistungsgewerkschaft Verdi rechnen.
Hoffmanns Hauptaufgabe wird sein, den DGB als Dachorganisation von acht Einzelgewerkschaften zu stabilisieren und die Gewerkschaften nach dem inzwischen gestoppten Mitgliederschwund attraktiv für jüngere Arbeitnehmer zu machen.

Die Vita des neuen DGB-Chefs liest sich wie die eines klassischen Gewerkschaftsfunktionärs: Der Sohn eines Maurers aus Wuppertal machte eine Ausbildung bei den Farbwerken Hoechst, danach folgte der zweite Bildungsweg und ein Studium der Wirtschaftswissenschaften als Stipendiat der Hans-Böckler-Stiftung.
Nach verschiedenen Funktionen bei der gewerkschaftsnahen Stiftung ging Hoffmann zum Europäischen Gewerkschaftsbund (EGB) nach Brüssel, wo er es bis zum stellvertretenden Generalsekretär brachte. Die Arbeit in Brüssel hat ihn wesentlich geprägt.

Hoffmann spielt gern Skat, ist Kettenraucher und Langstreckenläufer. Die Turnschuhe hat er immer dabei. Wie sein Vorgänger Michael Sommer ist Hoffmann Sozialdemokrat.
Hoffmanns Credo: Die Gewerkschaften brauchen den DGB als Dachverband, um in der Arbeits- und Sozialpolitik die unterschiedlichen Interessen der Einzelgewerkschaften zu bündeln - und dabei nicht nur den kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden. Eine „neue Ordnung der Arbeit“ ist für ihn mehr als nur der Mindestlohn. Aus seiner Sicht soll der Mindestlohn rasch erhöht werden - und nicht erst 2018.

dpa/ska

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