Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Politik Rauschtrinken liegt bei Jugendlichen weiter voll im Trend
Mehr Welt Politik Rauschtrinken liegt bei Jugendlichen weiter voll im Trend
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:21 04.05.2009
Der Trend zum Komatrinken bleibt ungebrochen. Quelle: Franz Fender
Anzeige

Laut dem Bericht der Bundesregierung sank der Anteil der Jugendlichen, die sich einmal im Monat in den Rausch trinken, 2008 um fünf Punkte auf gut 20 Prozent. Bei jedem Zwölften sei die getrunkene Menge reinen Alkohols allerdings riskant oder regelrecht gefährlich.

Fast sieben Prozent der zwölf- bis 17-jährigen Jungen nehmen laut Drogenbericht täglich im Schnitt mehr als 24 Gramm reinen Alkohol zu sich. Bei knapp sechs Prozent der gleichaltrigen Mädchen waren es mehr als zwölf Gramm, was der Menge eines kleinen Pils entspricht. Diese Jugendlichen weisen damit ein „riskantes“ Trinkverhalten auf. Bei weiteren zwei Prozent ist demnach sogar von durchschnittlich mehr als 60 beziehungsweise 40 Gramm Alkohol pro Tag und damit einem „gefährlichen“ Konsum auszugehen.

Anzeige

Auch die bereits früher veröffentlichte Zahl der Jugendlichen mit Alkoholvergiftung illustriere das Ausmaß des Problems, erklärte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Sabine Bätzing (SPD). 2007 waren mehr als 23.000 junge Leute im Alter zwischen zehn und 20 Jahren wegen einer Alkoholvergiftung stationär im Krankenhaus behandelt worden - anderthalb Mal mehr als noch 2000. Als Erfolg wertete es die Drogenbeauftragte dagegen, dass mit 17,4 Prozent etwas weniger Jugendliche regelmäßig Alkohol tranken. 2007 hatten noch 21,6 Prozent mindestens einmal in der Woche ein alkoholisches Getränk konsumiert.

Insgesamt schätzt der Bericht, dass 9,5 Millionen Menschen in Deutschland alkoholabhängig sind oder durch Alkoholkonsum ihre Gesundheit riskieren. Zwar sei eine leicht rückläufige Tendenz festzustellen, Deutschland liege jedoch im internationalen Vergleich weiter im oberen Zehntel. Unter anderem seien jährlich tausende Neugeborene durch Alkoholkonsum ihrer Mütter während der Schwangerschaft geschädigt.

Auch der Tabakkonsum in Deutschland ist dem Bericht zufolge trotz eines „gesellschaftlichen Bewusstseinswandels zum Nichtrauchen“ kaum gesunken. Immer noch rauche jeder dritte Erwachsene. Bei Jugendlichen setzte sich indes der Trend zum Nichtrauchen fort, so sank die Raucherquote bei den Zwölf- bis 17-Jährigen von 18 auf gut 15 Prozent. Dennoch rauchten im europäischen Vergleich immer noch zu viele Kinder und Jugendliche, erklärte Bätzing. Beim Nichtraucherschutz sprach sie sich gegen Ausnahmeregelungen der Bundesländer etwa in der Gastronomie aus.

Von den illegalen Drogen wurde Cannabis auch 2008 am häufigsten konsumiert. Weiterhin hat knapp jeder zehnte Jugendliche einmal Haschisch oder Marihuana probiert, bei den bis 25-Jährigen waren es insgesamt 28,3 Prozent und damit etwas weniger als noch 2004. Auch der Konsum harter Drogen wie Heroin, Kokain oder Esctasy war stabil oder leicht rückläufig. Die Zahl der Drogentoten stieg hingegen um 55 auf 1449 an.

Mit Blick auf die Tabak- und Alkoholprävention forderte Bätzing die Unionsfraktion auf, ihre „Blockadehaltung“ gegen nationale Aktionsprogramme aufzugeben. Deren familienpolitischer Sprecher Johannes Singhammer (CSU) wies dies im MDR zurück. Die Union blockiere das Programm nicht. Es gebe lediglich Abstimmungsschwierigkeiten innerhalb der Bundesregierung. Die Linke forderte effektivere Jugendschutz-Kontrollen und ein absolutes Werbeverbot für Alkohol.

afp