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Politik Proteste gegen Auftritt von rechtsextremem Politiker in BBC
Mehr Welt Politik Proteste gegen Auftritt von rechtsextremem Politiker in BBC
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08:55 23.10.2009
Der rechtsextreme britische Politiker Nick Griffin.
Der rechtsextreme britische Politiker Nick Griffin während der BBD-Sendung. Quelle: afp
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Der Chef der British National Party (BNP) versicherte darin, kein Holocaust-Leugner zu sein. Die Demonstranten vor dem Fernsehstudio im Westen der britischen Hauptstadt hielten Plakate mit der Aufschrift „Stoppt den BNP-Faschisten“ oder „Die BNP ist eine Nazi-Partei“ hoch. Nach Angaben der Polizei drangen etwa 30 Demonstranten in das BBC-Gebäude ein. Draußen kam es zu Zusammenstößen zwischen einigen Demonstranten und der Polizei. Dabei seien drei Beamte verletzt worden, einer von ihnen wurde mit einer Kopfverletzung ins Krankenhaus gebracht. Sechs Menschen wurden festgenommen.

Der stellvertretende BBC-Chef Mark Byford erklärte, mit der Einladung an Griffin komme der Sender seiner Pflicht nach, unparteiisch zu sein. Außerdem habe sich der BNP-Politiker in „Question Time“ „harten Fragen“ der Zuschauer stellen müssen. An der TV-Diskussion nahmen unter anderem auch Justizminister Jack Straw, die schwarze US-Dramatikerin Bonnie Greer und Sayeeda Warsi, eine ursprünglich aus Asien stammende Vertreterin der Konservativen, teil.

Video vom Auftritt Griffins in der BBC (englisch)

Griffin wurde in der Sendung mit seinen eigenen Zitaten konfrontiert. Er wies Vorwürfe zurück, er sei ein Nazi. Vielmehr sei er „in den Augen der britischen Nazis der verhassteste Mann in Großbritannien“, da die BNP unter seiner Führung nicht länger „eine offen anti-semitische und rassistische Organisation“ sei. Auch den Holocaust wolle er nicht leugnen, sagte Griffin. Er habe sich lediglich sehr kritisch gezeigt „gegenüber der Art, wie der Holocaust missbraucht wird, um ernsthafte Diskussionen über Einwanderung zu verhindern“. Aus seiner Sicht müsse sein Heimatland „im Wesentlichen ein britisches und christliches Land bleiben“.

Die BNP führte bisher in der britischen Politik-Landschaft eine Randexistenz, bei den Europawahlen im Juni kam sie aber mit Parolen wie „Britische Jobs für britische Arbeiter“ auf mehr als sechs Prozent. Griffin hatte unter anderem gesagt, im Falle eines EU-Beitritts der Türkei würden “80 Millionen muslimische Niedriglohn-Türken Großbritannien überschwemmen“. Außerdem forderte er, Boote mit Flüchtlingen aus Afrika zu „versenken“.

Die Einladung der BBC an Griffin hatte eine erhitzte Debatte ausgelöst. Der für Wales zuständige Minister Peter Hain hatte den öffentlich-rechtlichen Sender in einem Brief aufgefordert, die Einladung rückgängig zu machen, da die BNP illegal sei. Er nahm damit Bezug auf ein Gerichtsurteil, wonach die Partei eine Klausel ändern muss, die nur „eingeborenen Kaukasiern“ eine Parteimitgliedschaft erlaubt. Der britische Premierminister Gordon Brown hatte kurz vor der Sendung gesagt, die öffentliche Fragestunde werde hoffentlich die „rassistischen und fanatischen“ Ansichten Griffins bloßstellen.

Griffin zeigte sich in der Zeitung „The Times“ hoch erfreut über den Rummel, den seine politischen Gegnern um seinen Auftritt gemacht hätten: „Ich bedanke mich bei der politischen Klasse und ihren Verbündeten, dass sie so dumm sind.“

afp

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