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08:56 29.12.2010
Für die 50 Millionen Mitglieder der gesetzlichen Kassen erhöht die Bundesregierung den Einheitsbeitrag ab Januar von 14,9 auf 15,5 Prozent. Quelle: dpa
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Privatversicherte müssen sich laut einem Zeitungsbericht zum Jahreswechsel auf deutlich höhere Beitragssteigerungen einstellen als die Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen. Nach einer Berechnung der Analysefirma Morgen.&.Morgen für die Zeitung „Die Welt“ (Mittwochsausgabe) steigen die Beiträge in der privaten Krankenversicherung (PKV) zum Jahreswechsel im Durchschnitt um sieben Prozent an. Bei den gesetzlichen Krankenkassen (GKV) seien es nur vier Prozent.

Die Beitragssteigerung in der PKV ist laut „Welt“ deshalb so groß, weil die Kosten bei den Privaten viel stärker steigen. Anders als die gesetzlichen Kassen hat die PKV so gut wie keine Möglichkeiten, die Kosten zu steuern. Sie bekommt keine Steuerzuschüsse, und die Versicherungsunternehmen können den rund neun Millionen Kunden, die eine Krankenvollversicherung haben, von sich aus keine der vereinbarten Leistungen kürzen.

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Die von Morgen.&.Morgen errechnete durchschnittliche Beitragssteigerung bezieht sich zwar nur auf private Krankenversicherungen, die im Jahr 2011 neu abgeschlossen werden. Nach Einschätzung des Geschäftsführers der Analysefirma, Martin Zsohar, ist die Steigerungsrate aber ein brauchbarer Indikator für die Beitragssteigerung bei bereits bestehenden Privatversicherungen. Eine Steigerung von sieben Prozent beim Neugeschäft sei „die bislang höchste ermittelte jährliche Branchensteigerung und verheißt für die Zukunft nichts Gutes“, sagte Zsohar. Schließlich habe die durchschnittliche Steigerung der Beiträge über die vergangenen zehn Jahre nur knapp fünf Prozent betragen. Die PKV müsse ihre Kosten endlich in den Griff bekommen, forderte Zsohar.

Grundlage für die Berechnung von Morgen.&.Morgen waren dem Bericht zufolge mehr als 3000 Tarife für private Krankenvollversicherungen. Die stärkste Steigerung, die von den Experten ermittelt wurde, beträgt demnach für Männer fast 34 Prozent und für Frauen fast 23 Prozent. Beitragssenkungen gebe es auch, allerdings nur im Umfang von bis zu sechs Prozent.

Ein Sprecher des Verbands der privaten Krankenversicherungen wollte die Berechnungen auf Anfrage der „Welt“ nicht kommentieren. Er verwies darauf, dass es bei vielen Kunden lange keine Beitragserhöhung gegeben habe. Ab einem bestimmten Grad der Kostensteigerung seien die Versicherer gesetzlich gezwungen zu erhöhen.

Der CSU-Gesundheitspolitiker Johannes Singhammer kritisierte die Beitragssteigerungen. Sie bedeuteten vor allem für Beamte und Pensionäre, die ohne großes Einkommen in der PKV versichert sind, eine große Belastung, sagte er der „Welt“. Es sei aber „letztlich die Aufgabe der PKV, ihre Einnahmen und Ausgaben selbst in den Griff zu bekommen - deshalb ist es ja eine ’private’ Krankenversicherung“. Die Politik könne allenfalls helfen. Singhammer schlug vor, dass Ärzte und Versicherungen ausprobieren sollten, ob sie nicht abseits der amtlichen Gebührenordnung über die Preise für medizinische Leistungen verhandeln. Dies wäre durch Öffnungsklauseln möglich.

Für die 50 Millionen Mitglieder der gesetzlichen Kassen erhöht die Bundesregierung den Einheitsbeitrag ab Januar von 14,9 auf 15,5 Prozent. Damit erhalten die Krankenkassen rund sechs Milliarden Euro mehr Geld.

dpa/afp

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