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Politik Presse zu Al-Bagdadis Tod: “Die Hydra muss weiter bekämpft werden”
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19:25 31.10.2019
Was wird aus dem IS nach dem Tod von Abu Bakr al-Bagdadi? Quelle: imago images/United Archives International
Berlin

Angedeutet hatte sich nicht, was US-Präsident Donald Trump am Sonntag verkündete: Der IS-Anführer Abu Bakr Al-Bagdadi ist tot. Lange Zeit hatte er die Terrororganisation aus dem Untergrund angeführt. Nun hat er sich im Zuge eines militärischen Einsatzes von US-Spezialkräften und weiteren Akteuren offenbar selbst in die Luft gesprengt. Nicht ohne dabei drei Kinder mit in den Tod zu reißen.

Es ist der letzte brutale Akt eines Schreckensherrschers, über den es nicht viele gesicherte Informationen gibt. Zudem galt als ungewiss, wie groß die Rolle tatsächlich war, die er beim IS spielte. Obwohl Donald Trump sogleich befand, die Terrormiliz sei "zu 100 Prozent" zerstört. Das sieht die ausländische Presse ganz anders, einhellig mahnt sie zur Vorsicht.

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Die Londoner Times etwa sieht trotz Al-Bagdadis Tod keinen Grund für den Westen, weniger wachsam zu bleiben: „Solange es in der arabischen Welt tiefe Missstände gibt, existiert immer das Potenzial für eine Neuauflage von Bagdadis Terrororganisation, einem IS 3.0. Viele befürchten, dass die Flucht dschihadistischer Kämpfer und ihrer Familien aus syrischer Internierung, nachdem sie nicht mehr von den kurdischen Mitgliedern der Syrischen Demokratischen Kräfte streng bewacht werden, diesen Prozess beschleunigen wird.(...) Die USA müssen sich weiterhin engagieren. Die Tötung von Bagdadi sollte nicht als Chance betrachtet werden, sich aus einer problematischen Region zu verabschieden. Vielmehr sollte sie zu neuen Überlegungen führen, wie sich der Westen positionieren kann, um einen demokratischen Wandel im Nahen Osten zu fördern und gleichzeitig wachsam gegenüber dem Wiederaufleben des internationalen Terrorismus zu bleiben.“

Ganz ähnlich stellen sich die Dinge für die spanische Zeitung El Mundo dar: „Die Ortung und das Ende von Al-Bagdadi sind eine großartige Nachricht, weil er einen schrecklichen Einfluss auf IS-Getreue in der ganzen Welt ausübte. Darüber hinaus ist anzumerken, dass Washington bei der Operation auf die Unterstützung fast aller Mächte setzen konnte, die heute in Syrien operieren. Ärgerlich ist, dass (US-Präsident Donald) Trump nicht versucht, die multilaterale Zusammenarbeit zu stärken, wie es logisch wäre, um den Dschihadismus in Syrien zu bekämpfen, sondern im Gegenteil so unverantwortliche Entscheidungen trifft wie seine Absicht, das Land Hals über Kopf zu verlassen. So gewinnen die schlafenden Zellen des IS wieder an Boden, so wie im Irak. Das Kalifat ist schwer verwundet, aber es ist noch nicht ganz besiegt.“

Der Zürcher Tages-Anzeiger kommentiert, dass US-Präsident Trump sich nicht zu täuschen braucht, das Monster sei nicht besiegt: „Seine unheilvolle Anwesenheit auf dieser Welt ist Geschichte. Nicht jedoch sein Erbe. Trump betonte in seiner Pressekonferenz zwar, wie unwürdig jener Mann starb, der sich zum Anführer aller Gläubigen erhoben hatte - und mochte das als Nachricht an jene verstanden wissen, die sich von der Ideologie des IS haben beeindrucken lassen. Falls Trump aber hofft, das Monster endgültig besiegt zu haben, indem er ihm den Kopf abschlug, so täuscht er sich.(...) Bagdadi mag an der Spitze des IS gestanden haben - doch was dessen Anhänger auf allen Erdteilen faszinierte, war nie sein Führer, sondern die Idee eines neuerlichen Kalifats selbst, das in der Gegenwart Gestalt annimmt und nicht in einer fernen Zukunft. Diese Idee, der die obrigkeitshörigen muslimischen Autoritäten so wenig entgegenzusetzen hatten, bleibt erhalten.“

Auch die französische Regionalzeitung Midi Libre mahnt zur Vorsicht: „Wir können nur zufrieden sein mit der Eliminierung des Anführers al-Bagdadi und dem großen Schlag der Vereinigten Staaten gegen den globalisierten Terrorismus. Wir können (aber) nur vorsichtig bleiben, wenn wir (US-Präsident) Donald Trump hören, dass er, der große Cowboy der Welt, sich eines "Bösewichts" entledigt hat (…). (Der Islamische Staat) hat bereits sein Gift in das Herz der westlichen Gesellschaften eingespritzt. (...) Die Hydra muss weiter bekämpft werden, Kopf für Kopf.“

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Ebenso sieht es die schwedische Boulevardzeitung Expressen: „Wenn wir eines über islamistischen Extremismus gelernt haben, dann das, dass es nicht reicht, einen Anführer zu töten oder zu fassen - Terrororganisationen stehen bald mit neuen Gesichtern und häufig auch mit neuen Namen wieder auf. Zuallererst ist die Zivilbevölkerung in den muslimischen Teilen der Welt der Grausamkeit der Terrorgruppen zum Opfer gefallen. Aber auch ein Land wie Schweden, in dem sich die Zahl der gewaltbereiten Dschihadisten laut Sicherheitspolizei in weniger als zehn Jahren verzehnfacht hat - kann jetzt nicht ausatmen. Wenn die Bedrohung unterdrückt werden soll, muss die Rekrutierung neuer Dschihadisten gestoppt werden. Es muss maximal schwierig sein, Dschihadist in Schweden zu sein. Al-Bagdadi mag tot sein, aber seine Anhänger sind weiter eine Gefahr für unsere Gesellschaft.“

Ein schwerer Schlag für die terroristische Bewegung, kommentiert die niederländische Tageszeitung de Volkskrant. „Der Tod von Al-Bagdadi ist auf jeden Fall ein schwerer Schlag für die terroristische Bewegung, besonders zu einem Moment, wo ihre Anhänger auf eine Wiederbelebung hoffen. Die Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), von denen etwa 10.000 in der Grenzregion zwischen der Türkei und Syrien gefangen gehalten werden und Tausende sich noch immer frei in der Grenzregion zwischen dem Irak und Syrien bewegen, hoffen darauf, die Unruhen im Nordosten Syriens für ihre Neuaufstellung zu nutzen. (...) Es ist nicht so sehr zu befürchten, dass der IS erneut ein großes Gebiet erobert, sondern dass es ihm gelingt, wieder eine Welle von Anschlägen durchzuführen und so für Instabilität in der Region zu sorgen. Auch westliche Ziele könnten angegriffen werden. Zudem lassen sich dschihadistische Einzelkämpfer weltweit vom IS inspirieren, auf eigene Faust Anschläge zu verüben.“

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