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Politik Polizisten, Rettungskräfte und Busfahrer sind häufig Opfer von Übergriffen
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15:03 20.08.2019
Übergriffe gegen Polizisten nehmen einer Umfrage zufolge immer mehr zu. (Symbolbild)
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Berlin

Die Menschen in Deutschland nehmen eine zunehmende Verrohung der Gesellschaft wahr. Das geht aus einer Umfrage des dbb hervor, die der Beamtenbund am Dienstag vorgestellt hat. 83 Prozent der Befragten stimmten der Auffassung zu, der Umgang der Menschen untereinander werde rücksichtsloser und brutaler.

Die Forsa Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen führte die Umfrage mit rund 2000 Bürgern im Mai und Juni dieses Jahres durch und wertete dann die Ergebnisse aus. Demnach haben fast ein Drittel bereits Übergriffe auf Beschäftigte des öffentlichen Dienstes beobachtet. Am häufigsten betroffen seien Polizisten: Einen Angriff auf diese Berufsgruppe haben fast drei Viertel derjenigen, die bereits einen Angriff beobachtet haben, wahrgenommen. Mehr als die Hälfte beobachteten Übergriffe auf Rettungskräfte und Notärzte, rund 40 Prozent sahen außerdem Bus- und Bahnfahrer sowie Feuerwehrleute in Bedrängnis.

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Die Bediensteten des öffentlichen Dienstes wurden bei den Angriffen überwiegend beleidigt: 86 Prozent der Beobachter geben das an. Rund 60 Prozent sahen, wie Beamte angeschrien wurden, ein Drittel wurde sogar körperlich bedrängt, etwas weniger bespuckt (14 Prozent), geschlagen (10 Prozent) und an ihrem Einsatz behindert (4 Prozent).

Beamtenbund-Chef: "Wir dürfen nicht wegschauen"

Unter den Befragten waren auch Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes. Knapp 90 Prozent dieser Berufsgruppe gab an, während ihrer Tätigkeit bereits mindestens einmal beleidigt worden zu sein, zwei Drittel wurden schon einmal angeschrien.

„Die Zahlen lassen uns erschrecken, das sind dramatische Ergebnisse“, kommentierte der dbb-Bundesvorsitzende Ulrich Silberbach die Befragung. Die Verrohung könne jeden Tag beobachtet werden: Der Kampf im Straßenverkehr werde immer größer, jeder sei nur noch auf sein Wohl bedacht. „Das fängt mit einer Ohrfeige an und geht bis zur Bedrohung mit dem Messer“, sagte Silberbach. „Wir dürfen da nicht wegschauen und können diese Verrohung nicht weiter zulassen.“

Der dbb-Chef rief daher zu mehr Transparenz und Engagement auf. Dienstherren, Arbeitgeber und Politiker müssten sich vor den öffentlichen Dienst stellen und Übergriffe dokumentieren, damit diese Fälle nicht „unter den Teppich gekehrt werden“. Auch Ombudsleute – unparteiische Schiedspersonen – könnten helfen, den betroffenen Beamten einen Ansprechpartner zu geben. Zusätzlich forderte Silberbach von der Politik mehr Personal, vor allem im Bereich Sicherheit und Justiz. Auch müssten Politiker bei der Gesetzgebung „genau hinsehen, wenn Beamte sich überfordert fühlen“ – denn, „wenn der Staat seine Beschäftigten im Regen stehen lässt“, machten die Mitarbeiter mehr Fehler.

Bürger sehen den Staat als überfordert an

Das spiegelt sich auch in dem Teil der Befragung wider, der sich mit der Meinung der Bürger über die Arbeit der Beamten beschäftigt. Über 60 Prozent halten den Staat für überfordert, er könne seine Fülle an Aufgaben und Problemen nicht bewältigen. „Die Bürger wünschen sich einen leistungsfähigen Staat, der handlungsfähig ist und sie schützt“, sagt Forsa-Geschäftsführer Manfred Güllner bei der Ergebnispräsentation. Diese Erwartung an den Staat werde aus Sicht der Bürger nicht erfüllt.

Besonders überfordert sahen die Befragten die Politik in den Bereichen Schul- und Bildungspolitik, Asyl- und Flüchtlingspolitik sowie innere Sicherheit. Besonders Bundesministerien und Landesministerien nahmen im Vergleich zur letzten Studie in der Beliebtheit deutlich ab. Als eine mögliche Ursache führt Güllner die „Konflikte in der großen Koalition“ an: Unter anderem die schwierige Regierungsbildung, die Situation der SPD und die Wahl der CDU-Vorsitzenden „vermitteln den Eindruck, dass es Probleme gibt“. Die Menschen wünschten sich Konsens und keine Streitigkeiten, die die Eigenständigkeit der Parteien hervorzuheben versuchten, sagt der Forsa-Geschäftsführer.

Im Vergleich des Ansehens der Berufsgruppen belegen Feuerwehrmänner, Ärzte und Krankenpfleger die ersten Plätze. Am unbeliebtesten sind Politiker, Mitarbeiter von Telefongesellschaften, Mitarbeiter von Werbeagenturen sowie Versicherungsvertreter.

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RND/Lisa Neugebauer

Der Artikel "Polizisten, Rettungskräfte und Busfahrer sind häufig Opfer von Übergriffen" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.