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Politik Politischer Häftling stirbt in sibirischem Lager
Mehr Welt Politik Politischer Häftling stirbt in sibirischem Lager
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07:53 02.07.2009
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Nach Angaben der Gebietsvollzugsverwaltung hat eine Überwachungskamera mitgefilmt, wie sich der 52-Jährige mit Anlauf gegen ein nicht vergittertes Fenster warf und hinausstürzte. Schon vorher habe der Häftling zu Verstößen gegen die Anstaltsordnung sowie zum Suizid geneigt.

Angehörige und Freunde glauben nicht an Selbstmord. Schajgalimow, von Beruf Opernsänger, habe sich bester Gesundheit erfreut und nie an Selbstmord gedacht. Außerdem bezweifeln die Verwandten des Toten, aber auch hafterfahrene Gesinnungsgenossen wie der oppositionelle Schriftsteller Eduard Limonow, dass es in Starzewo, einem Straflager mit verschärften Haftbedingungen, unvergitterte Fenster gibt.

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Schajgalimows Ehefrau Ludmila erklärte gegenüber der Webseite yarskgrad.ru, ihr Mann habe mehrfach geäußert, man werde ihn nicht lebend herauslassen. Andrej Skoworodnikow, Krasnojarsker Vorsitzender des Oppositionsbündnis „Anderes Russland“, sagte dem Kommersant, tatsächlich habe es seit Monaten kein Lebenszeichen Schajgalimows mehr gegeben. „Das war Mord, ohne Zweifel.“ Die Familie fordert eine unabhängige Untersuchung.

Schajgalimow wird von mehreren russischen Menschenrechtsorganisationen zu den 70 bis 150 politischen Häftlingen in Russland gezählt. „Auch er hat seine Freiheit durch eine fragwürdige Gerichtsentscheidung verloren, hinter der offensichtliche politische Motive des Staates zu erkennen sind“, sagt Sergej Dawidis von der „Union zur Solidarität mit Politischen Häftlingen“.

Rim Schajgalimow galt als der originellste Regimekritiker in Krasnojarsk, verspottete als Nikolaus verkleidet den Gebietsgouverneur, er veranstaltete trotz vieler Festnahmen über 100 Ein-Mann-Aktionen. Schon 2006 war er zu sechs Monaten Haft verurteilt worden: Er hatte angeblich die zentrale Polizeiwache in Krasnojarsk gestürmt und Ermittlungsbeamte geschlagen. Bei einer Demonstration im Oktober 2008 soll er erneut Polizisten verprügelt haben und bekam als Wiederholungstäter fünfeinhalb Jahre Haft. „Ein Auftragsmord ist in keinem russischen Gefängnis auszuschließen“, so Menschenrechtler Lew Ponarmajow.

Lange Haftstrafe für
Moskauer Ermittler: In Russland ist ein früherer Topermittler in einem umstrittenen Bestechungsprozess zu neun Jahren Haft verurteilt worden. Das Gericht in Moskau verhängte am Dienstag zudem eine Geldstrafe in Höhe von umgerechnet 18 000 Euro gegen den Exmitarbeiter des Ermittlungsausschusses bei der russischen Staatsanwaltschaft, Dmitri Dowgi. Sein Anwalt Juri Bagrajew bezeichnete das Urteil als einen „Racheakt“, da sein Mandant öffentlich den Machtmissbrauch innerhalb der Behörde kritisiert hatte.

afp