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Politik Peter Struck – Politiker mit authentischem Charakter
Mehr Welt Politik Peter Struck – Politiker mit authentischem Charakter
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00:15 22.12.2012
Quelle: Peter Struck ist am Mittwoch im Alter von 69 Jahren gestorben.
Hannover

Nicht nur in der eigenen Partei, auch bei seinen politischen Gegnern war Peter Struck geachtet und als fairer Verhandlungspartner geschätzt – obwohl er im Plenarsaal oft scharfe und sehr polemische Reden hielt. Hinter den Kulissen überzeugte er jedoch mit Charme und Intelligenz.

Das politische Handwerk beherrschte der Jurist wie nur wenige andere. So wählte ihn die SPD-Fraktion 1990 zu ihrem Parlamentarischen Geschäftsführer, der aus der Opposition heraus schnell einen guten Draht zum damaligen Kanzler Helmut Kohl fand und so recht viele sozialdemokratische Ziele durchsetzen konnte. Auch in der Großen Koalition von 2005 bis 2009 war er für die Union und Kanzlerin Angela Merkel ein zuverlässiger Partner, der als Fraktionschef jederzeit eng, ja fast freundschaftlich mit seinem Kollegen von der Union, Volker Kauder, zusammenarbeitete.

Struck galt in der Vergangenheit wiederholt als gesundheitlich angeschlagen. Im Juli 2004 erlitt er nach einer Israel-Reise einen schweren Schlaganfall, von dem er sich jedoch erstaunlich gut erholte, so sodass er nach einer mehrwöchigen Unterbrechung seine Arbeit als Verteidigungsminister fortsetzen konnte. Er verzichtete fortan für lange Zeit auf die geliebte Tabakpfeife und trat auf Anraten seiner Ärzte etwas kürzer.

Struck war erst vor wenigen Tagen als Vorsitzender der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung wiedergewählt worden. Hier hatte er sein Betätigungsfeld, nachdem er 2009 auf eigenen Wunsch aus dem Bundestag ausgeschieden war. Zuvor hatte er von 1998 bis 2002 sowie von 2005 bis 2009 an der Spitze der SPD-Bundestagsfraktion gestanden. Seine vermutlich größten politischen Erfolge erzielte er von 2002 bis 2005 als Bundesverteidigungsminister – in einem Amt, das er nie angestrebt hatte. Mit dem er sich aber schnell anfreundete, sodass er bei den Soldaten großes Ansehen gewann – obwohl er den Streitkräften eine radikale Verkleinerung verordnete und viele Standorte aufgab.

Bundeskanzler Schröder hatte ihn in einem sehr persönlichen Gespräch in seiner Privatwohnung in Hannover für den Posten des Verteidigungsminister gewonnen, nachdem Rudolf Scharping wegen seiner Beziehung zu seiner Freundin Gräfin Pilati ins Gerede gekommen und nicht mehr im Amt zu halten war.

Das vermutlich bekannteste Zitat Struck stammt aus dem Jahre 2002, als er das Engagement der Bundeswehr in Afghanistan mit den Worten rechtfertigte: „Die Sicherheit Deutschlands wird auch am Hindukusch verteidigt.“ Die rot-grüne Bundesregierung hatte den Einsatz im Dezember 2001 beschlossen und den USA nach den Terrorangriffen vom 11. September „uneingeschränkte Solidarität“ zugesichert.

Struck stammte aus Göttingen und trat nach dem Jura-Studium zunächst in die Hamburgische Verwaltung ein. 1973 wurde er zum stellvertretenden Standtdirektor von Uelzen gewählt. Aus dieser Position heraus startete er seine Karriere in der Bundespolitik. 1980 kandidierte er im Wahlkreis Celle-Uelzen erstmals und mit Erfolg für den Deutschen Bundestag, dreimal gewann er das Direktmandat in dem an sich konservativen Wahlkreis.

Auch wenn es zuletzt ein wenig still um ihn geworden war. In der Heide unterstützte er seine Parteifreunde jederzeit, und wenn er in einem Tarifkonflikt wie 2010 bei der Bahn sein politisches Talent aufblitzen lassen konnte, dann wusste jeder: Struck hat's nicht verlernt, er ist immer wieder schnell in seinem Element.

Peter Struck war verheiratet und hatte drei Kinder sowie sieben Enkel. Er wohnte in Uelzen. Seine Frau Brigitte Struck (SPD) ist stellvertretende Bürgermeisterin in Uelzen. In seiner Freizeit war Struck häufig und auch noch in diesem Sommer mit einem Motorrad unterwegs. Als Fußballfan bekannte er sich immer wieder zu Borussia Dortmund.

Der amtierende Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) hat ihn am Mittwoch sehr treffend mit den Worten gewürdigt:„Mit Peter Struck verliert Deutschland einen aufrechten und authentischen Charakter, der wie kaum ein anderer die Verteidigungspolitik des Landes verkörpert hat. Er hat die Soldaten gemocht und sie ihn.“

Die bekanntesten Sprüche von Peter Struck

„Wer die Wehrpflicht aussetzt, muss viel Geld zusätzlich in die Hand nehmen."
Peter Struck, 2004

„Alles, was zur Stärkung der Regierung von Hamid Karsai beiträgt, lässt uns hoffen, eines Tages dort unsere Arbeit beenden zu können.“

„Wir sind in Afghanistan zum Erfolg verdammt.“
Peter Struck im Oktober 2004 im Gespräch mit der HAZ

„Sagen Sie ihren Familien, der Minister hat uns gelobt. Sie können auch sagen, dass er uns zu Recht gelobt hat. Ich bin stolz auf Sie. Unser Land ist stolz auf Sie. Sie haben ihre Pflicht in vorbildlicher Weise erfüllt und mehr geleistet, als man von Ihnen erwarten konnte.“
Struck 2005 in Wilhelmshaven, als er die Besatzung des Einsatzgruppenversorgers „Berlin“ nach dem Tsunami-Einsatz in Thailand empfing.

„Wir wissen, dass der Einsatz am Hindukusch mit jedem Tag gefährlicher wird.“
Im August 2005 in einem HAZ-Interview

„Ich habe nichts gegen die Lieferung.“
Im Herbst 2005 zum Wunsch Israels, deutsche U-Boote geschenkt zu bekommen. Die rot-grüne Bundesregierung von Bundeskanzler Gerhard Schröder erlaubte den Export in ihrer letzten Kabinettssitzung.

"Ich war gern Minister. Aber als Fraktionschef habe ich mit einer breiteren Palette an Themen zu tun und das hat seinen Reiz."
Struck im März 2006 im Gespräch mit der HAZ

„Wir können uns der dringenden Bitte der Nato nicht entziehen“
Anfang Januar 2007, als die Bundeswehr Aufklärungsflugzeuge nach Afghanistan verlegte.

„Deutschland ist auf fremde Hilfe angewiesen.“
Im Mai 2009, als Struck einräumte, die Bundeswehr sei für Auslandseinsätze unzulänglich ausgerüstet.

„So läuft das. Politik mit Ecken und Kanten“
Titel eines Buches, das Struck im Sommer 2010 vorlegte.

„Sofortiger Abzug ist keine Alternative“
Struck als Ruheständler im Mai 2010 bei einem Vortrag in Hannover

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