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Politik Partei feiert mit Guido Westerwelle 20 Jahre deutsche Einheit in Hannover
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23:15 31.08.2010
Von Michael B. Berger
Fröhlich vereint in Hannover: Philipp Rösler (v. l.), Guido Westerwelle und Wolfgang Gerhardt. Quelle: Rainer Surrey
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„Ein Staat ist entweder ein Rechts- oder ein Unrechtsstaat, dazwischen gibt es nichts“, ruft Guido Westerwelle in den Kuppelsaal der hannoverschen Stadthalle. Und 800 Gäste applaudieren. Die Friedrich-Naumann-Stiftung hat gestern in diesen für die Parteigeschichte historischen Ort geladen: Schließlich haben sich im August 1990 die drei liberalen ostdeutschen Parteien mit der großen westdeutschen Schwester in Hannover wiedervereinigt, damals unter Otto Graf Lambsdorff. Und heute, im Jahr 2010, feiert die FDP am Jahrestag der Unterzeichnung des Einigungsvertrages, „20 Jahre gesamtdeutsche liberale Politik“.

„Ich werde es nie vergessen, als ich hier im Saal Schilder wie Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Sachsen sah“, erinnert sich Stiftungsvorsitzender Wolfgang Gerhardt: „Die Entwicklung war damals atemberaubend.“ So schildert sie auch Sabine Bergmann-Pohl, die vor der Vereinigung noch als Ärztin arbeitete und im März 1990 gleichsam über Nacht zur Präsidentin der ersten freigewählten Volkskammer „und damit sogar zum Staatsoberhaupt der DDR“ gekürt wurde. „Dieses Parlament war angetreten, sich selbst überflüssig zu machen – versuchen Sie mal heute, Abgeordnete dafür zu finden.“ Die Gäste quittieren Bergmann-Pohls warmherzige Rede mit Applaus – auch wenn sie anmerkt, dass die zuweilen besserwisserischen Wessies für manche Anregung aus dem Osten überhaupt kein Ohr hatten. „Und was wir im Gesundheitssystem früher Chronikerprogramme nannten, heißt heute, lieber Philipp Rösler, disease-management, Krankheitsmanagement. Das klingt natürlich besser“, sagt Bergmann-Pohl an die Adresse des Bundesgesundheitsministers, der in Hannover als Gastgeber auftritt.

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In einer kurzen, selbstironischen Passage glänzt auch ein gutaufgelegter FDP-Chef und Bundesaußenminister Guido Westerwelle am Erinnerungsabend. Auswärtige Gäste, die er ans Brandenburger Tor führe, seien erstaunt darüber, wie sehr sich Osten und Westen architektonisch angeglichen hätten. „Sie fragen mich dann: what was east and what was west?“- sagt Westerwelle: „Das, meine Damen und Herren, war englisch.“ So überrascht Westerwelle in seiner überwiegend staatstragenden Rede mit einem Witz. Freiheit, so seine Botschaft, wird einem selten geschenkt, sondern muss stets erkämpft werden.

Das trifft natürlich auch auf seine FDP zu, die in Umfragen derzeit an der Fünf-Prozent-Linie gehandelt wird. Dazu verliert Westerwelle kein Wort, wirbt aber für eine Politik des langen Atems. „Unsere Aufgabe ist es nicht zuerst, beliebt zu sein, sondern zuerst für unser Land einzutreten.“ Die Mauer, soviel stellt Westerwelle klar, sei kein „Kultobjekt für Grafitti“ gewesen. Applaus.

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