Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Politik Papst Benedikts Botschaft für Europa
Mehr Welt Politik Papst Benedikts Botschaft für Europa
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:54 27.09.2009
Papst Benedikt XVI.
Papst Benedikt XVI. Quelle: ddp (Archiv)
Anzeige

Die Vielfalt der Fahnen in der Menschenmenge am Sonntag in Brünn ist sinnbildlich für diesen Papst-Besuch: Neben vatikanischen und tschechischen Flaggen schwenken Gläubige bei der Freiluftmesse auch slowakische, polnische, ungarische und österreichische Fahnen.

Zwar besucht das Kirchenoberhaupt in erster Linie die Gläubigen in dem stark säkularisierten Land, von Anfang an aber rückte er die Auseinandersetzung mit den Folgen des Falls des Kommunismus in den Mittelpunkt. Wie schon sein Vorgänger Johannes Paul II. 1990 für seine erste Reise in ein postkommunistisches Land nach der Wende die damalige Tschechoslowakei wählte, so entschied sich auch Benedikt XVI. nicht zufällig dafür, zwei Jahrzehnte später seine Botschaft von Prag aus zu verkünden. Diese Region, oft als „Herz Europas“ bezeichnet, sei über Jahrhunderte ein Schnittpunkt zwischen verschiedenen Völkern, Traditionen und Kulturen gewesen, betonte er in Prag.

Doch auch durch die starke Abkehr der tschechischen Bevölkerung von Kirche und Religion erschien dem Papst offenbar als geeigneter Hintergrund für seine Botschaft: Die Rückbesinnung Europas auf christlichen Traditionen, die die Kultur des Kontinents geprägt hätten. Der „wahre Fortschritt der Menschheit“ werde am besten durch „eine Verbindung der Weisheit des Glaubens mit den Erkenntnissen der Vernunft gefördert“. Benedikt stellt dabei die politische Wende von 1989 in den „größeren Zusammenhang“ der europäischen Einigung und der Globalisierung: Er stellt die Frage nach dem Wesen der Freiheit. Wahre Freiheit setzt für den Papst die Suche nach Wahrheit und die Ausrichtung auf „das Gute“ voraus.

Bei „voller Rücksicht“ auf die Unterscheidung zwischen den Bereichen der Politik und der Religion betont Benedikt XVI. die „unersetzliche Rolle des Christentums für die Bildung des Gewissens einer jeden Generation“. Europas kulturelles Erbe habe die Überzeugung geprägt, dass die „Vernunft nicht mit dem endet, was die Augen sehen, sondern dass sie zu dem hingezogen wird, was jenseits liegt“. Europa habe gerade heute eine „besondere Berufung, diese transzendente Vision in seinen Initiativen im Dienst des Gemeinwohls“ zu bewahren.

Welche Früchte die Botschaft bei den überwiegend ungläubigen Tschechen tragen wird, bleibt abzuwarten. Insbesondere die Papst-Ansprache in der Prager Burg am Samstagabend geriet sehr theoretisch und abstrakt. Zwar berichten tschechische Medien in epischer Breite und wohlwollend über den Besuch des Kirchenoberhaupts, mehr als die Gedanken des Papstes interessieren sie sich aber für die ungelösten Differenzen zwischen Staat und Kirche im Land - und für Randerscheinungen wie eine Spinne auf der Schulter Benedikts: Die Nachricht, dass die flinke Spinne dem Papst bei seiner Ansprache vor rund 1000 Spitzenvertretern des Landes minutenlang über sein weißes Gewand „gepilgert“ sei, schaffte es am Wochenende bei mehreren aktuellen Medien auf ihren Internetseiten nach fast ganz oben.

ddp